Grabow : Bücher werden weiter Stadtgeschichte erzählen

Blättern in einem der alten und nun restaurierten Grabower Protokollbücher: Stadtarchivarin Simona Pries (l.), Bürgermeister Stefan Sternberg und Buchrestauratorin Katharina Lußky aus Berlin.
Blättern in einem der alten und nun restaurierten Grabower Protokollbücher: Stadtarchivarin Simona Pries (l.), Bürgermeister Stefan Sternberg und Buchrestauratorin Katharina Lußky aus Berlin.

Restauratorin übergibt der Verwaltung drei restaurierte Grabower Protokollbände

svz.de von
19. November 2015, 17:46 Uhr

Die Grabower Protokollbücher aus dem historischen Archiv der Stadt werden weiter Geschichten erzählen. In ihnen ist alles vermerkt, womit sich die Stadträte und Bürgervertreter in den letzten Jahrhunderten beschäftigt haben.

Der Zustand der Bücher war teils bedenklich. Die Zeit war mit ihrem Atem der Vergänglichkeit darüber gefahren. Die engagierte Stadtarchivarin Simona Pries fand mit ihren eindringlichen Worten offene Ohren bei Bürgermeister Stefan Sternberg. Sechs Bücher kamen schließlich in die kundige Hand der Buchrestauratorin Katharina Lußky. Sie nahm die Bücher Seite für Seite auseinander, klebte sie neu zusammen, behandelte die Seiten teils mit speziellen Mitteln. Ein halbes Jahr lang hatte sie zu tun. „Man braucht für ein Buch etwa acht Stunden. Aber die Zeit kann man nicht hintereinander weg arbeiten, sondern muss zwischendurch immer warten – beispielsweise, bis Buchseiten getrocknet sind“, erklärt die Restauratorin, die eigentlich aus dem thüringischen Altenburg stammt, aber ihren Wohnsitz in Berlin hat.

Ein gefürchteter Feind aller Geschichtshungrigen ist der „Tintenfraß“. Dabei zersetzt die Tinte das Papier. Katharina Lußky kennt die Ursachen für dieses Phänomen. „Tintenfraß entsteht durch die Eisengallustinte“, erklärt die Restauratorin. Diese wurde noch bis ins 19. Jahrhundert am meisten in Europas Schreibstuben verwendet. Die Schreibflüssigkeit enthält Sulfat-Ionen, die in Verbindung mit der Luft Schwefelsäure bilden, welche wiederum das Papier angreift.

„Zum Glück hat der Tintenfraß nur in einem Buch ein paar Spuren hinterlassen. Ich habe das behandelt und teils mit dünnem Japanpapier hinterlegt“, erklärt Katharina Lußky.

Es grenzt ohnehin an ein Wunder, dass die Bücher die Zeiten überdauert haben. Eines beginnt bereits im Jahre 1666. Es hat einen stark angesengten Deckel. Eine Erinnerung an den großen Stadtbrand von 1725. Während ein paar hundert Meter weiter die Kirche bis auf die Grundmauern niederbrannte, überstand das Buch das Feuer nahezu unversehrt. Die anderen Bücher entstanden nach dem Brand. Sie sind in einer Kanzleischrift geschrieben, die durchaus entzifferbar ist.

So erfährt der Leser sehr vieles aus der fast 50-jährigen Amtszeit des Grabower Bürgermeisters Floerke, die von 1839 bis 1889 währte. Oder etwas aus der Zeit, als auf Grabows Straßen Löwen und andere wilde Tiere unterwegs waren. Sie gehörten dem berühmten Tierdresseur Richard Havemann (1875 bis 1943), einem Grabower, die ihrem Herrn auf Schritt und Tritt folgten.

Die Bücher sind ein Füllhorn von Geschichten. Werden sie die nächste Jahrhunderte überdauern? Die Restauratorin ist überzeugt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen