ludwigslust : Brücken in die Arbeitswelt bauen

Koordinatorin Renate Oeding (l.) im Gespräch mit Arbeitskreis-Mitgliedern am Rande der Mitgliederversammlung
Koordinatorin Renate Oeding (l.) im Gespräch mit Arbeitskreis-Mitgliedern am Rande der Mitgliederversammlung

Ludwigsluster Arbeitskreis „SchuleWirtschaft“ will Übergang ins Berufsleben erleichtern / Abbrecherquote in der Ausbildung hoch

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19. März 2014, 07:00 Uhr

Was für die Neuntklässler der Grabower Rohr-Schule längst Alltag ist, soll ab kommendem Schuljahr auch auf die gleichaltrigen Dömitzer Regionalschüler zukommen. Einen Tag pro Woche werden sie in Unternehmen der Region verbringen, anstatt die Schulbank zu drücken. „Das Schulzentrum Dömitz will den Praxislerntag zum Schuljahr 2014/15 einführen“, erklärte Christian Hameister vom Vorstand des Arbeitskreises „SchuleWirtschaft“ nach der diesjährigen Mitgliederversammlung. „Wir als Arbeitskreis wollen weitere Schulen dabei unterstützen, auch diesen Schritt zu gehen.“

Vom Praxislerntag versprechen sich beide Seiten – Schule und Wirtschaft – einiges. Die Jugendlichen haben Gelegenheit, den Alltag in einem Unternehmen hautnah zu erleben. Sie können herausfinden, ob ihnen eine bestimmte Arbeit längerfristig Freude bereiten könnte. Die Unternehmen bekommen dagegen die Chance, Schüler – und damit potenzielle Auszubildende – genauer kennenzulernen, ihre soziale Kompetenz, ihre Arbeitsweise. Manch einem Betrieb gelingt es auf diesem Weg sogar, frühzeitig einen geeigneten Azubi zu finden und zu binden. Ein Glücksfall, denn die Suche wird immer schwieriger. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

„Die Zahl der Schulabgänger ist in den vergangenen Jahren um zwei Drittel gesunken“, sagte Renate Oeding, Koordinatorin des Arbeitskreises und Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg. Bezogen auf ganz Mecklenburg-Vorpommern sank sie von 28 500 im Jahr 2000 auf 10 184 im Jahr 2012 (Quelle: Statistisches Jahrbuch MV). Gleichzeitig steige der Anteil der Absolventen, die nach der Schule zum Studium gehen. Hatte vor 14 Jahren nur jeder fünfte Schulabgänger die allgemeine Hochschulreife, ist es inzwischen jeder dritte.

Erschwerend kommt für die Firmen hinzu, dass es bei vielen jungen Leuten an grundlegenden Fähigkeiten mangelt, was zu Schwierigkeiten während der Ausbildung führt, und dass sich grundlegende Lebenseinstellungen ändern. „Die Jugend tickt heute anders als in früheren Generationen, als junge Menschen ihre Lehre noch durchgezogen haben, egal wie glücklich sie mit der Arbeit waren“, sagte Christian Hameister, Vertriebsinnendienstleiter bei der Neu Kaliß Spezialpapier GmbH. Die heutige Generation sei sehr auf Selbstverwirklichung und die Wirkung im Freundeskreis fokussiert. Der Beruf müsse Spaß machen, sonst schmeiße ein Azubi ganz schnell hin. Jugendlichen mithilfe einer frühzeitigen Berufsorientierung den Übergang von der Schule in das Arbeitsleben zu erleichtern, ist das zentrale Anliegen des Arbeitskreises. Auch für die Unternehmen geht es um viel: „Wir brauchen Fachkräfte“, sagte Christian Hameister. „Sie in der Region zu finden, ist schwer.“

Mit Praxislerntag, Berufsorientierungsmessen, JungsTag und Girls’Day bekommen Jugendliche auch in diesem Jahr einige Gelegenheiten, sich über Berufe und die Arbeitswelt zu informieren. Um noch stärker auf den Girls’Day aufmerksam zu machen, geht der Arbeitskreis diesmal einen neuen Weg. Bei der Neu Kaliß Spezialpapier GmbH ist am 27. März ein zentraler Auftakt für den Landkreis geplant.


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