Ludwigslust : Brücke neben Brücke: Entscheidung naht

<p>So könnte sich Heiko Böhringer den Bereich mit barrierefreier Fußgängerbrücke und Pavillon vorstellen. </p>
1 von 4

So könnte sich Heiko Böhringer den Bereich mit barrierefreier Fußgängerbrücke und Pavillon vorstellen.

Vorsitzender des Behindertenverbandes hält von der Stadtverwaltung favorisierte Variante für die beste.

svz.de von
30. Mai 2017, 05:00 Uhr

Mehr als 1000 Unterschriften von Bürgern für eine barrierefreie Fußgängerbrücke neben der historischen Schlossbrücke. 85 Prozent von insgesamt knapp über 1000 Stimmen bei einer Online-Umfrage unserer Zeitung gegen das Projekt. Das Vorhaben, für das bereits Fördermittel bewilligt sind, scheidet in der Barockstadt weiter die Geister. Doch jetzt naht die Entscheidung. Heute Abend (18 Uhr) beginnt der städtische Bauausschuss seine öffentliche Sitzung direkt an der alten Brücke. Morgen (18 Uhr) soll die Stadtvertretung entscheiden.

Heiko Böhringer (Alternative für Ludwigslust, AfL) ist gegen die Fußgängerbrücke nördlich der alten Brücke, wie sie die Stadtverwaltung favorisiert. „Ich befürworte eine behindertengerechte Lösung, finde aber, dass sich eine viel bessere Chance bietet“, sagt er im SVZ-Gespräch. Der Stadtvertreter spricht sich für eine Querungsmöglichkeit südlich der alten Schlossbrücke aus. Den damit verbundenen längeren Weg will er den Fußgängern mit einem neuen alten Blickfang schmackhaft machen. „Wir könnten an dieser Stelle einen Pavillon errichten, wie es ihn dort früher einmal gab“, sagt Heiko Böhringer und präsentiert eine alte Postkarte mit Blick auf Schloss und Pavillon. „Vielleicht können sich einige Ludwigsluster noch daran erinnern oder haben sogar Fotos davon.“ Auf die Ansichtskarte war er gestoßen, als er im Internet nach historischen Abbildungen des Laubfangs suchte. Dieses Rechenbauwerk durch eine Fußgängerbrücke mit Rechen zu ersetzen, war eine weitere der vier Wegevarianten, die die Verwaltung geprüft hatte. Für die Finanzierung des Vorhabens würde er gern die Ludwigsluster Bürger und Unternehmer nach dem Beispiel des Schweriner Jugendtempels mit ins Boot holen wollen. Sie könnten Geld spenden oder Arbeiten übernehmen. „So würde man eine behindertenfreundliche Brücke bekommen, der Stadt etwas Altes zurückgeben und den Ludwigslustern zusätzlich noch die Chance bieten, gemeinsam etwas zu machen“, so der AfL-Stadtvertreter.

Die Fußgängerbrücke nördlich der Schlossbrücke würde er als „optische Vergewaltigung“ empfinden. Von der Alten Feuerwache aus würde es so aussehen, als wenn Treibgut vor der Brücke hängt, so Böhringer.

In den Augen von Werner Oeding, dem Vorsitzenden des Behindertenverbandes Ludwigslust e.V., haben viele Gegner des Projekts gar keine Vorstellung davon, wie die Brücke nördlich der Schlossbrücke optisch wirken würde. Unter Verweis auf eine Fotomontage von Karl-Heinz Steinke (siehe Abbildung) sagt er: „Daraus kann man erkennen, dass sich so ein Brückenbauwerk harmonisch einfügen würde, auch wenn die Brücke sicherlich nicht genauso gestaltet werden würde. Aus Sicht der Betroffenen, der Menschen mit Rollatoren oder Rollstuhl, der Familien mit Kinderwagen, wäre das die beste Variante.“ Als Behindertenverband setze man sich schon seit fast fünf Jahren dafür ein, den Zugang zum Schlossplatz für mobilitätseingeschränkte Mitbürger zu erleichtern. Die Argumentation einiger Gegner, die negative Auswirkungen auf das denkmalgeschützte Schlossensemble sehen, kann er nicht nachvollziehen. „Wenn sogar die Denkmalschutzbehörden dieser Variante zustimmen“, so Oeding.

Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises hatte ihre Zustimmung im April dieses Jahres noch einmal bekräftigt. Laut dem Schreiben gehe es aber darum, das Erscheinungsbild des Gesamtbereiches zu erhalten. Es wird für die Brücke eine „schlichte gestalterische Ausführung in moderner Formensprache favorisiert“. Und: „Auf hochglänzende Materialien ist dabei zu verzichten.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen