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Wintergerste schon vom Halm : Brenzer Landwirte im Ernteendspurt

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Daniel Kühn vom Landwirtschaftschaftlichen Erzeugerring Brenz ist zufrieden. Die Landwirte liegen bei der Getreideernte gut im Zeitplan. Am Wochende soll Winterweizen gedroschen werden.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 05:43 Uhr

Brenz | Daniel Kühn steckt die Zapfpistole in den Tank des Mähdreschers, der auf dem Technikhof in Alt Brenz steht. Es ist 8.30 Uhr , die Sonne brennt schon jetzt erbarmungslos, lässt das Thermometer schon auf 25 Grad im Schatten schnellen. Der 32-jährige Geschäftsführer der LER Landwirtschaftlicher Erzeugerring Brenz, fährt selbst seit gut zehn Jahren auf dem Mähdrescher und das macht er auch heute noch. "Weil es mir Spaß macht", lacht der junge Mann, und nimmt nach einigen Minuten die Zapfsäule wieder aus der Tankanlage des Mähdreschers. Knapp 500 Liter Diesel sind im Bauch des Riesen verschwunden. Tausend Liter passen in den Claas Lexion 660, so die genaue Typenbezeichnung des Erntefahrzeugs. Das Leergewicht beträgt 17 Tonnen. Sieben Tonnen Getreide kann der Koloss bunkern, das Schneidwerk hat 2,5 Tonnen Gewicht - da kommt allerhand an Masse zusammen. Für Daniel Kühn ist das Claas-Modell der Mercedes unter den Mähdreschern, mit Toptechnik ausgestattet, zuverlässig, ohne größere Reparaturen. "Im vorigen Jahr haben wir uns den Mähdrescher angeschafft, dafür rund 350 000 Euro investiert."

Dank des Laserpilots die Hände frei für Telefonate

Neun Meter lang ist das Schneidwerk des Mähdreschers, der über einen Laserpilot verfügt. "Auch E.T.-Auge genannt oder Kohlrabischäler, weil ich dabei in Ruhe meinen Kohlrabi schälen kann", lacht der junge Landwirt. Der Laserpilot wird einmal justiert und tastet dann die Feldkante ab. "So habe ich beim Ernteablauf die Hände frei und kann sie für die Buchhaltung und Telefonate nutzen. Denn so kann ich gleich vom Feld aus die Ernte vermarkten. Ich kann sofort die Erträge erfassen, in entsprechende Qualitäten trennen und in die dafür vorgesehenen Getreidelager schicken, so z.B. den qualitativ hochwertigen Roggen ins Brotgetreidelager. Wenn z. B. beim Roggendrusch Probleme mit Mutterkorn auftreten, einer Getreidekrankheit, so wird das Erntegut entweder noch als Futtergetreide oder für die Bioenergie verwendet."

Und während er das sagt, steigt Daniel Kühn schnell auf sein Erntefahrzeug und fährt einige Meter weiter zum Hochdruckreiniger. Hier greift er sich Mundschutz und Reinigungsdüse und säubert Kühlung, Filter und Motor des Mähdreschers. "Das ist das, was die Leute meist nicht wissen und auch nicht sehen können. Aber natürlich gehören auch diese Vorarbeiten mit dazu, bevor es auf die Felder geht."

Eigentlich dauert dieser Vorgang eine Stunde, aber heute muss es schneller gehen. Das schöne Wetter muss ausgenutzt werden. Noch ein kurzer Imbiss und ein kleiner Kaffee in der Kantine des Agrarbetriebes und dann steigen Daniel Kühn und Daniel Scheday in ihre Erntefahrzeuge. Die Wintergerste ist vom Halm, in der zurückliegenden Woche wurde bei bestem Sommerwetter jeweils von 12, 13 Uhr bis 20 Uhr auf dem Feld gearbeitet. "Der Ertrag ist in Ordnung, 70 dt je Hektar stehen zu Buche. Aktuell wird jetzt Winterweizen gedroschen", lässt sich Daniel Kühn vernehmen.

Nach gut 15 Minuten Fahrt sind beide Mähdrescher beim Schlag am Ortsausgang Blievenstorf in der Muchower Straße angekommen. Gefolgt vom Abfahrer Dieter Havkost, der sich mit seinem Schlepper und zwei Anhängern in die richtige Position zum Geteidebunkern bringt. Es ist kurz nach 10 Uhr. Die Mähdrescher nehmen ihre Druschposition ein, das Schneidwerk ist eingehängt. Hilfestellung gibt dabei Kollege Hartmut Zehdow.

10.10 Uhr: Es geht los. Beide Mähdrescher fahren versetzt hintereinander, auf dem Schlag sind die Leitspuren gut zu erkennen. 7,5 Tonnen Weizen passen in den Tank des Mähdreschers. Ist er voll, gibt es eine akustische Meldung, ein Piepen. Auch die Rundumleuchte zeigt dann an, dass der Abnehmer mit seinem Fahrzeug kommen kann. "Aber die Rundumleuchte brauchen wir nicht. Wir benutzen sie nur, wenn wir Hilfe brauchen, wenn z.B. etwas kaputt ist oder ein anderes Problem aufgetreten ist", sagt Daniel Kühn. Nach 15 bis 20 Minuten ist es soweit: Der Abfahrer fährt fast parallel zum Mähdrescher, das Korntankrohr oder die Schnecke füllt den Anhänger mit dem kostbaren Getreide. Nach der ersten Runde lässt Daniel Kühn die Maschinen anhalten. Er nimmt eine Handvoll Körner in die Hand, ermittelt mit einem Spezialmessgerät den Feuchtigkeitsgrad des Getreides. "15,2 Prozent, das ist in Ordnung, weiter geht’s." Am Freitag waren 90 Hektar zu dreschen, hier in Richtung Muchow und dann am Nachmittag in Brenz Richtung Parchimer Straße. Wenn alles gut läuft sind seine Jungs gegen 23.30 Uhr damit durch. "Und wenn wir so weiter arbeiten können, ist der Winterweizen am Samstagabend vom Halm", erklärt Daniel Kühn.

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