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Ludwigsluster Tageblatt

16. August 2017 | 21:38 Uhr

Neu Kaliss : Bremst Schleuse die Retter aus?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neu-Kalisser befürchten durch automatisierten Betrieb zusätzliche Einschränkungen / Wasser- und Schifffahrtsamt beruhigt

Kann künftig jeder Kanufahrer per Knopfdruck die Klappbrücke an der Schleuse „Findenwirunshier“ öffnen und damit den Verkehr auf der Kreisstraße 44 zum Erliegen bringen? Diese Frage bewegt derzeit viele Neu-Kalisser und ihren Bürgermeister. „Wir wissen es nicht, weil wir vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg bisher keine Informationen erhalten haben“, sagt Burkhard Thees.

Grund für die Befürchtungen ist die Sanierung der Schleuse, die kurz vor dem Abschluss steht. Sie soll künftig automatisch arbeiten: Drückt ein Bootsführer den Anforderungsschalter, wird die Schleusung in Gang gesetzt. Da die Boote aber nicht unter der angrenzenden Brücke hindurchfahren können, müsste diese geöffnet werden. „Wenn das jeder einzelne Bootsführer auslösen kann, wäre die Kreisstraße noch häufiger gesperrt als bisher“, so Burkhard Thees.

Bislang musste man in der Hochsaison einmal pro Stunde damit rechnen. Dann ging zwischen Heiddorf und Neu Kaliß für 15 bis 20 Minuten nichts mehr. Wenigstens sei eine Schleusenwärterin dagewesen, die den Vorgang abbrechen konnte, wenn Rettungsfahrzeuge passieren wollten, so der Bürgermeister. Wäre die Brücke noch häufiger dicht und nicht mehr von Hand zu steuern, könnten sich die Retter gleich einen anderen Weg suchen. Doch der Umweg von der Rettungswache in Malliß über Neu Göhren nach Neu Kaliß würde die Anfahrt von sechs auf 15 Kilometer verlängern.

Die Pläne des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) könnten „zur Unterversorgung eines Teils des Amtes Dömitz-Malliß führen“, hatte der Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises Ludwigslust-Parchim in einer Stellungnahme ausgeführt, wie Kreissprecher Andreas Bonin erklärt. Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist könnte für einige Bereiche – etwa Neu Kaliß, Groß Schmölen oder Polz – dann nicht mehr eingehalten werden. Aus diesem Grund hatte der Eigenbetrieb auch die vom WSA beantragte dreitägige Komplettsperrung der Brücke, die zum Abschluss der Sanierungsarbeiten für notwendig erachtet wird, als nicht akzeptabel abgelehnt. Die Entscheidung des Landkreises dazu steht noch aus.

Was den künftigen Betrieb von Schleuse und Brücke angeht, konnte WSA-Leiterin Bettina Kalytta ein wenig beruhigen. Die Schleuse „Findenwirunshier“ sei nicht mit anderen vollautomatischen Schleusen vergleichbar. „Der Brückenhub wird hier auch künftig nicht automatisch auf Knopfdruck in Gang gesetzt. Die Freigabe dafür erfolgt immer durch die Leitzentrale in Parchim“, erklärte sie auf SVZ-Anfrage. Und bevor die Mitarbeiter den Brückenhub freigeben, prüfen sie die Verkehrssituation – zu Land und zu Wasser. So könnten zum einen Boote für die Schleusung „gesammelt“ werden. Zum anderen wäre es auch möglich, mit der Schleusung zu warten, wenn von der Rettungsleitstelle ein Rettungseinsatz angekündigt ist. Wie all das im Detail laufen soll, werde nach Auskunft von Bettina Kalytta in Kürze mit allen Beteiligten abgestimmt.

Für den bevorstehenden Ansturm von Bootssportlern zu Pfingsten ist mit keinen zusätzlichen Einschränkungen zu rechnen. Noch läuft die Schleusung nicht automatisch, sondern mit Personal. Und auch während des geplanten Probebetriebes der Automatik-Schleuse sollen Mitarbeiter in Neu Kaliß sein.


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erstellt am 06.Jun.2014 | 07:00 Uhr

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