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Lübtheen: Höchste Warnstufe auf munitionsbelastetem Areal : Brandschutz-Problem auf altem Truppenplatz

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Höchste Waldbrandgefahr in der Region. Vor allem auf dem ehemaligen Gelände des Truppenübungsplatzes Lübtheen sorgt die Warnstufe IV für ein Problem. Seit dem Abzug der Bundeswehr fehlen Kräfte und Technik.

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erstellt am 24.Jul.2013 | 05:57 Uhr

Lübtheen/dömitz | Höchste Waldbrandgefahr in der Region. Vor allem auf dem ehemaligen Gelände des Truppenübungsplatzes Lübtheen sorgt die Warnstufe IV für ein Problem. Seit dem Abzug der Bundeswehr samt hauptamtlicher Feuerwehr Ende Juni können die ehrenamtlichen Feuerwehren aus den Ämtern Lübtheen, Dömitz-Malliß und Ludwigslust-Land den Brandschutz auf dem über 6000 Hektar großen, munitionsbelasteten und mit der höchsten Gefahrenklasse A kategorisierten Gelände kaum abdecken. Die Gründe: stark eingeschränkte Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Kräfte tagsüber und ungeeignete Technik für das unwegsame Gelände.

"Wir haben das Problem, dass die verfügbaren Kräfte und Mittel in den vergangenen Jahren drastisch abgenommen haben", sagt Dietmar Schoop, Leiter des südlichen Leitforstamtes Jasnitz und Waldbrandbeauftragter der Forst in der Arbeitsgemeinschaft Brandschutz des Landkreises. Der Schießplatz Lübtheen sei ein besonders sensibler Bereich. "Das ist eine Herausforderung für alle Kräfte. Es darf kein größerer Brand kommen. Das ist die Sorge, die alle haben", sagt er.

Fred Neumann, Amtswehrführer Dömitz/Malliß, beklagt die fehlende Technik in den Gemeindewehren, um das Areal des Truppenübungsplatzes abzusichern. "Wir sind nur in der Lage, die Ortschaften zu schützen", sagt er.

Auch der Lübtheener Gemeindewehrführer Friedhelm Matz hofft, dass nichts passiert. "Wir bekommen tagsüber nur maximal 15 Mann zusammen", sagt er. Zudem seien die wasserführenden Fahrzeuge zu klein und würden nicht für das Gelände taugen. Er weiß, dass "die Kommunen in der Pflicht sind". Aber von Land und Landkreis müsste Unterstützung kommen. Wenn er jetzt durch den Wald geht, knacke es überall. Alles sei trocken auf dem nährstoffarmen Boden. "Das kann sich schnell entzünden", sagt er. Phosphor-Reste und Glasscherben erhöhten die Gefahr.

"Fakt ist, nicht eine Wehr hat die Technik."

"Fakt ist, nicht eine Wehr hat die Technik, um sich außerhalb der festen Wege zu bewegen", sagt Bernd Skobel, zuständig für die Feuerwehren im Lübtheener Rathaus. Die angrenzenden Ortschaften könnten aber abgesichert werden. Um das Problem in Lübtheen zu lösen, war Bürgermeisterin Ute Lindenau schon im Innenministerium in Schwerin. Der Staatssekretär hätte Unterstützung in Form von Sonderbedarf oder Ähnlichem zugesagt. "Wir müssten es nur begründen", sagt sie. Dann tagte die Arbeitsgruppe Brandschutz des Landkreises, "ohne uns einzuladen". Und die Bürgermeisterin sei sehr verwundert über deren Fazit gewesen. Dass Hilfe nötig ist, sei da nicht rausgekommen. Deshalb hätten sie jetzt von einem Antrag auf Unterstützung abgesehen. Die Region bräuchte aber ein taugliches Fahrzeug. Wenn es auch nicht für die Lübtheener Stützpunktwehr selbst sei. 250 000 Euro kostet nach Schätzungen der Stadt ein solches Gefährt. "Aus eigener Kraft können wir das nicht finanzieren."

Kreiswehrführer Heiko Dübel bestätigt auf Nachfrage, dass die jetzigen Fahrzeuge zwar für den Brandschutz generell, nicht aber für die speziellen Bedingungen auf dem Platz geeignet sind. Das Land stehle sich aus der Verantwortung. "Wir können nicht das leisten, was die hauptamtliche Wehr konnte." Aber man habe alles getan, was möglich sei: eine spezielle Ausrückeordnung für umliegende Wehren, Belehrungen und Schulungen für das Munitionsgebiet...

Im jährlichen Budget des Ludwigsluster Verbandes mit 13 Amtswehren sei speziell für Lübtheen kein Extra-Geld vorgesehen, sagt Dübel. Aber: "Sofern eine Gemeinde mit Bedarf kommt, werden wir versuchen zu unterstützen."

Das Warnsystem ist unterdessen abgesichert. Das Forstamt Jasnitz überwacht das Areal. Es ist zuständig für die Forstämter Lübtheen, Ludwigslust und Karbow. "Alles was mit der Auslösung der aktuellen Warnstufen zu tun hat, koordinieren wir, damit die zuständigen Stellen ihre Vorkehrungen treffen können", sagt Amtsleiter Dietmar Schoop. In seinem Haus in Jasnitz befindet sich die Waldbrandzentrale, in der die aktuellen Informationen der Kameras, die auf sechs Türmen in der Region stehen, zusammenlaufen. Die digitalen Augen besitzen eine sehr hohe Auflösung. Dadurch ist es möglich, dass die diensthabenden Mitarbeiter im Forstamt einen Waldbrand erkennen, um dann die notwendigen Maßnahmen zum Löschen einleiten zu können. Bei Waldbrandwarnstufe IV gilt der Dienst in der Zeit von 10 bis 20 Uhr. Im Land können knapp 50 Prozent des Waldbestandes auf diese Weise überwacht werden.

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