POLZ : Bleibt Storchennest künftig leer?

Merkwürdiges Verhalten der Vögel in diesem Jahr beschäftigt auch noch Monate nach dem Abflug viele Polzer

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25. November 2014, 07:00 Uhr

Das Storchennest in Polz ist seit Ende August verwaist. Eine normale Sache, denn um diese Zeit fliegt Adebar bereits in südlichere Gefilde. Dennoch beschäftigt Günter Neef und seine Nachbarn das merkwürdige Verhalten der Vögel in diesem Sommer. Die Störche haben einfach nicht gebrütet, und Günter Neef, der seit 30 Jahren die Polzer Störche beobachtet, befürchtet, dass fehlendes Nahrungsangebot dafür verantwortlich sein könnte. „Meine Frau und ich gehen immer in den Wiesen hinter unserem Haus spazieren. Dieses Jahr war kein Frosch-Gequake zu hören –nichts!“, gibt der Polzer seine Beobachtungen wieder.

Er habe darüber mit dem Storchenbeauftragten des Landkreises, Helmut Eggers aus Lübtheen gesprochen. Der bezweifele, dass dies die Ursache für die fehlende Lust auf Nachwuchs sei, so Neef. Nicht wenige Polzer befürchten, dass Adebar in dem Dorf ausbleiben könnte. In einem Video hat der Storchenfreund herrliche Bilder festgehalten, wie in diesem Jahr sechs Störche zur gleichen Zeit auf den Dächern um das Nest herum saßen. Im Frühjahr ließ sich alles spannend an. Der Storch mit der Ringnummer H5678 erschien am 21. März im Dorf. Er gilt als sicherer Brutvogel, der übrigens auch bereits in Israel festgestellt worden sein soll. Nun war er jedenfalls aus dem Nahen Osten zurück in Mecklenburg, nur, um kurze Zeit darauf wieder zu verschwinden. Am 27. März kehrte der Storch zurück, zwei Tage später erschien Adebar Nr. 2. „Beide begannen sofort mit dem Liebesspiel, alles schien also in schönster Ordnung zu sein“, sagt Günter Neef. Nur – Eier wurden nicht gelegt. Neef, der die Vorgänge im Nest immer im Okular behielt, staunte am 20. Juli nicht schlecht, als er am Bein des einen Storches die Ringnummer HC475 entdeckte. Das war ein ganz neuer Vogel, der bisher gar nicht in Polz gesehen worden war. Zu dem Zeitpunkt hätten bereits die Jungen im Nest sein müssen, weil sich im August die Störche bereits auf den Weg in die Wärme machen. Zwar seien die Vögel auch schon mal bis September geblieben, aber die Zeit für die Aufzucht sei auf jeden Fall zu knapp, so Günter Neef.

Er hat an seinem Grundstück eine Tafel angebracht, auf der steht: „Dem Storch eine Zukunft heißt Lebensraum erhalten“. Darin ist aufgelistet, wie viele Storchenjunge seit 1991 ihren Lebenskreis im Polzer Nest begonnen haben – 64 an der Zahl. Ein wenig Hoffnung bleibt den Polzern aber noch: 2011 war schon einmal so ein Jahr, in dem es keinen Storchennachwuchs im Dorf gab. Die Vögel sind trotzdem wieder hergekommen.

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