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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 22:54 Uhr

Dömitz : Bilder bewegender Momente

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausstellung „Weggehen, Ankommen, Flucht + Aufbruch in Europa“ in den Räumen von „atelier + kantine“ auf der Festung Dömitz eröffnet

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 19:00 Uhr

Ein großformatiges Porträt einer syrischen Frau hängt an der Wand in den Ausstellungsräumen von „atelier + kantine“ auf der Festung Dömitz. Es ist das Porträt von Majd Faraj Alabd.

Das Foto gehört zu den Aufnahmen von renommierten Fotografinnen und Fotografen, die unter dem Titel „Weggehen, Ankommen, Flucht + Aufbruch in Europa“ beeindruckende und emotional bewegende Momente im Bild festgehalten haben. Am vergangenen Sonnabend fand in Dömitz die Vernissage statt, die Exposition ist bis zum 29. Mai in den Räumen von atelier + kantine dömitz zu sehen.

Fotografinnen und Fotografen haben genau hingeschaut: Sie dokumentieren die Situation in den Herkunftsländern ebenso wie den langen Weg nach Europa, das Warten und Bangen, das Ankommen und sich Zurechtfinden in einer neuen Welt. Eine Ausstellung, die in Kooperation mit dem Berufsverband der deutschen Fotojournalisten Freelens e.V. entstand. Dr. Renate Ruhne und Andreas Herzau haben die Fotoausstellung in ihren Kulturbetrieb in der Hauptwache der Festung geholt. „Weggehen und Ankommen gehören zusammen. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Mit dieser Ausstellung bietet sich die Möglichkeit, bewusst die übergroßen Porträts der geflüchteten Menschen zu betrachten, ihnen ins Gesicht zu sehen“, so Dr. Renate Ruhne in ihren einführenden Worten. „Wir hoffen, dass wir mit dieser Ausstellung auch andere Besucher anregen, sich mit dem Thema konkret und bewusst auseinander zu setzen.“

Weggehen, Ankommen - das hat auch Majd Faraj Alabd (52) erfahren. Sie lebte bis zum November 2015 in Damaskus (Syrien), floh dann aus Angst vor dem stärker werdenden Kriegsgeschehen über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Seit Dezember 2015 lebt sie gemeinsam mit vier weiteren Frauen in einer Übergangswohnung in Malliß. Ihr Ziel ist Hamburg, wo einer ihrer Söhne, ein ausgebildeter Zahnarzt, lebt.

All das ist dem Text an der Wand neben dem Foto zu entnehmen. Majd Faraj Alabd größter Wunsch für die Zukunft: „Letzte Woche habe ich meinen Sohn in Hamburg besucht. Wir haben die Stadt angeschaut und eine Hafenrundfahrt gemacht, die ich mit meinem Handy dokumentiert habe, genauso wie ich es mit vielen Erlebnissen während der Flucht gemacht habe. Ich sehe mir die Filme an und spüre wieder die Enge des Schlauchboots, die Kälte des Bodens, auf dem wir saßen, weil in Notunterkünften und Zelten keine Stühle da waren. Ich hoffe, dass ich bald einen Ausweis, einen Aufenthaltsitel bekomme, um dann nach Hamburg zu meinem Sohn gehen zu können.“

In Malliß ist sie, wie viele andere Flüchtlinge, gut aufgenommen worden. Obwohl die Gemeinde, wie es Bürgermeister Volker Sielaff am Rande der Ausstellungseröffnung berichtete, mit der immer größer werdenden Zahl an aufzunehmenden Flüchtlingen überfordert schien. „Fünf bis sechs Familien schaffen wir, zu betreuen, aber nicht 120 Personen“, verwies Volker Sielaff auf die schwierige Situation der Gemeinde. „Da mussten zum Beispiel Ehrenamtler mit den Kindern der Flüchtlingskindern nach Dömitz fahren weil dort vom Landkreis DaZ-Klassen (DaZ - Deutsch als Zweitsprache - d.Red.) eingerichtet wurden, obwohl wir vor Ort eigene Schulen haben. Inzwischen haben wir es aber geschafft, die DaZ-Klassen zurück nach Malliß zu holen“, so Volker Sielaff. Aber wenn es auch an die Grenzen der Belastbarkeit der Ehrenamtlich Tätigen von Gemeinde, Kirchgemeinde, aus Schule und Sportverein ging, die Menschen in Malliß und den Ortsteilen haben mit ihrer Hilfe und Unterstützung von der Einrichtung von Kleiderkammer und der Einrichtung der Wohnungen bis zu Sprachkursen und Sportangeboten gezeigt: Wir schaffen das!

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