Sanierung Schloss Ludwigslust Teil 5 : Bild und Locke von der Zukünftigen

Rückseite einer Miniatur mit Locke
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Rückseite einer Miniatur mit Locke

Brautwerber nahmen Miniaturen mit – Böses Erwachen war allerdings nicht ausgeschlossen

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01. März 2016, 08:00 Uhr

Noch 5 Tage: Der Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses wird am 6. März nach Sanierung und Restaurierung wieder eröffnet. SVZ gewährt bis dahin täglich einen Blick hinter die Fassade.

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Einen interessanten Einblick in einen besonderen Sammlungsbereich geben knapp 100 Bildnisminiaturen. Sie stammen zum größten Teil aus der großherzoglichen Kunstsammlung, die nach 1918 in den Museumsbesitz übernommen wurde. Weitere Bestände der Miniaturensammlung sind ein umfangreicher Aufkauf von Helga Imme und die Schenkung von Dr. Reinhold Woock.

Als Gegenpol zur repräsentativen Malerei großer Formate entwickelte sich in der Renaissance in den wirtschaftlich und kulturell bedeutsamen Metropolen die Miniaturmalerei. Sie entsprach dem Bedürfnis, das Bildnis eines geliebten Menschen immer bei sich zu tragen: Ein Porträt in Miniatur war leicht mit sich zu führen und milderte den Schmerz der Trennung von dem Geliebten, der Braut oder den Eltern. Aber auch in der Brautwerbung spielte die Miniatur eine Rolle. So wurden den Brautwerbern Miniaturen mitgegeben, auf dass sich der oder die Zukünftige schon „ein Bild machen konnte!“. Ein böses Erwachen beim ersten realen Treffen war nicht ausgeschlossen, waren doch viele Porträts sehr idealisiert ausgeführt.

Die Grenzen zwischen Miniatur und kleinem Gemälde sind fließend, die geringe Größe war nicht entscheidend. Meist sind sie kaum größer als zehn Zentimeter. Im 18. Jahrhundert, der Blütezeit der Miniatur, galt der Aquarellmalerei auf Elfenbein der Vorrang. Sie ermöglichte zarte Strukturen und feinste Nuancen auf dem hauchdünnen und lichtdurchlässigen Täfelchen. Um die Brillanz der Malerei weiter zu steigern, hinterlegte man diese mit einer Silberschicht oder farbigen Seiden; teilweise wurden sogar kunstvoll drapierte Locken des Dargestellten auf der Rückseite sichtbar hinterlegt. Von Frankreich aus entwickelte sich eine Sonderform der Miniaturmalerei, die Emaille-Malerei. Sie war im Gegensatz zur Elfenbeinminiatur wesentlich haltbarer.

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