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Ludwigsluster Tageblatt

24. September 2017 | 01:47 Uhr

Ludwigslust : „Besser spät als nie“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Gesellenfreisprechung: 32-jähriger Matthias Dörper ist „Bester der Besten“

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2017 | 07:18 Uhr

Wieder ist die Überraschung geglückt. Auch dieses Jahr wusste keiner der 43 Lehrlinge bei der Gesellenfreisprechung, wer am Ende als bester Prüfling nach vorn gerufen wird. Und am wenigsten geahnt hat es wohl Matthias Dörper. Der 32-jährige Maler und Lackierer aus Greven hielt auch noch nach der Feierstunde gestern in der Aula der Berufsschule zitternd die Urkunde in der Hand. „Das kam jetzt echt unerwartet“, sagte er. Seine Lehrerin Heike Stapelfeldt hatte fest die Daumen gedrückt. „Ich wusste, dass es klappen könnte.“

Als einziger der 51 Prüflinge hatte Matthias Dörper die diesjährige Sommerprüfung der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg Süd mit der Note 1 abgeschlossen. Acht Lehrlinge haben die Prüfung nicht bestanden. 31 schafften die Note 3 und 4, elf die Note 2. „Ihr habt Euer selbstgestecktes Ziel erreicht. Mein Respekt“, so Dirk Flörke, Bürgermeister aus Parchim, gestern Nachmittag in seiner Festrede. „Anspannung und Prüfungsstress sind nun Vergangenheit. Jetzt wartet die Zukunft.“

Ein bisschen neidisch sei er schon. Auf die Zeit, die vor den Gesellen liegt. Und auf die Möglichkeiten, die sich ihnen heute bieten werden. „Fachkräfte sind gefragter denn je. Euer Handwerk ist ein sicheres Fundament für die Zukunft. Genießt die Vorzüge und tröstet euch, wenn Ihr abends geschafft ins Bett fallt. Denn im Gegensatz zu mir in der Verwaltung, könnt Ihr jeden Tag das Ergebnis Eurer Arbeit sehen.“

Bürgermeister Flörke, der bis zu seiner Amtszeit als Gymnasiallehrer in Parchim gearbeitet hat, freute sich vor allem auf das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Schüler Simon Degel. Er gehörte zu den Prüfungsbesten in der Fachrichtung „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. „Früher hast du oft geknurrt, wenn wir Lehrer euch gefordert haben“, sagte Flörke zu Simon. „Sieht ganz so aus, als hätte es sich gelohnt.“

Der Prüfungsbeste Matthias Dörper übrigens hatte die Schule mit dem Hauptschulabschluss nach der neunten Klasse beendet und erst eine Lehre zum Bauten- und Objektbeschichter absolviert. Irgendwann dann sei der Knoten geplatzt. „Ich wollte nicht mehr austauschbar sein“, sagt er. Bei Wilfried Mudra in Zarrentin ging er das zweite Mal in die Lehre. Gern wäre er geblieben. Doch sein Chef Mudra geht zum Jahresende in die Rente und so musste sich Matthias Dörper arbeitslos melden. Zu tun hat er trotzdem: Seit Anfang September fährt er jeden Abend nach Schwerin ins Gymnasium. „Besser spät als nie“, sagt er. In drei Jahren will er am Fridericianum das Abitur machen.

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