Ludwigslust : Beratung weiter notwendig

Rolf Christiansen, Heidrun Dräger und Caroline Bockmeyer (v. l.) informierten über die Betreuung der Flüchtlinge. Fotos: muen / archiv
Rolf Christiansen, Heidrun Dräger und Caroline Bockmeyer (v. l.) informierten über die Betreuung der Flüchtlinge. Fotos: muen / archiv

Landrat Rolf Christiansen und Caroline Bockmeyer, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes, informierten über Betreuung von Flüchtlingen

von
29. Juni 2016, 21:00 Uhr

Sie waren oft Monate lang auf der Flucht, haben die Grauen des Krieges erlebt und kommen in eine für sie fremde Welt, deren Sprache sie nicht verstehen: Flüchtlinge und Asylbewerber. Weit über 1000 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Fast 800 von ihnen sind dezentral in Wohnungen untergebracht und werden im Auftrag des Landkreises von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betreut.

Vor diesem Hintergrund informierten am Mittwoch Landrat Rolf Christiansen und die Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes, Caroline Bockmeyer, sowie die Leiterin des Büros für Chancengleichheit beim Landkreis, Heidrun Dräger, über die aktuelle Situation. In MV erstattet das Land die Kosten u. a. für die Unterbringung von Asylbewerbern so lange, bis sie einen Aufenthaltstitel erhalten. Danach fallen die Schutzsuchenden in den Zuständigkeitsbereich der Jobcenter. Laut Vertrag mit dem Landkreis betreute die Awo dementsprechend die Asylbewerber bis zum Erhalt dieses Titels, unterstützte sie u. a. bei Wohnungs- und Behördenangelegenheiten.

„Trotzdem bleibt aber natürlich der Betreuungsaufwand auch nach Erteilung eines Aufenthaltstitels weiter bestehen“, so Landrat Rolf Christiansen. „Um die weitere Betreuung zu gewährleisten, haben wir deshalb den Vertrag (gilt bis Ende 2016) – d. R.) dahingehend geändert, dass die Flüchtlinge, die einen Aufenthaltsstatus haben, auch weiterhin von der Awo betreut werden, die für uns ein kompetenter Partner ist.“

Dr. Caroline Bockmeyer bestätigt: „Wir betreuen seit Dezember 2013 Flüchtlinge ohne Aufenthaltstitel, die dezentral untergebracht sind. Derzeit sind es 783 Menschen, die keinen Titel haben, und etwa 700 mit Titel. In den Jahren hat sich gezeigt, dass auch jene Personen, die einen Aufenthaltstitel erhalten, dringend Beratung benötigen. Entsprechend wurde der Vertrag mit dem Landkreis dahin gehend erweitert und wir betreuen seit 10. Mai auch jene Flüchtlinge mit einem Aufenthaltstitel.“

Denn neben den oft noch ungenügenden Sprachkenntnissen fehlen den Zugewanderten auch Kenntnisse, wie z. B. Verwaltung und Behörden funktionieren.

Wie Christiansen betonte, sei es für den Landkreis eine Riesenchance, wenn die Zugewanderten im Landkreis blieben und sie mit Familien hier gebunden werden könnten. Obwohl viele der in den Landkreis gekommenen Flüchtlinge inzwischen in Ballungszentren gezogen sind, wo oft Familienangehörige leben, zeichnet sich jetzt offenbar etwas anderes ab. Heidrun Dräger: „Inzwischen kehren manche von ihnen zurück, weil sie lieber hier ihre Chance suchen wollen.“ Dabei spielt offenbar auch eine Rolle, dass in den Ballungszentren viele Großfamilien oft eng zusammengedrängt in Wohnungen gemeinsam leben.

Wie Landrat Rolf Christiansen betonte, müsse jetzt aber mit dem Land ein wichtiges Problem gelöst werden. Denn bevor die Flüchtlinge einen Aufenthaltstitel erhalten, wird ihre Betreuung, wie erwähnt, durch das Land finanziert. Mit Erhalt des Titels sind Landkreis bzw. Jobcenter zuständig. Der Landkreis stellt dieses Jahr 200  000 Euro für die Anschlussbetreuung bereit. Hier müsse jetzt, so Rolf Christiansen, auch für die Zeit darüber hinaus eine Lösung gemeinsam mit dem Land gefunden werden. Dazu seien in sehr naher Zukunft Gespräche vorgesehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen