Seltener Gast im Dömitzer Hafen : Beluga II mit Protest auf der Elbe

Die Beluga II der Umweltorganisation Greenpeace hatte nach der Protestfahrt auf der Elbe in Dömitz fest gemacht. Foto: Harald Schulz
Die Beluga II der Umweltorganisation Greenpeace hatte nach der Protestfahrt auf der Elbe in Dömitz fest gemacht. Foto: Harald Schulz

Das Greenpeace-Schiff Beluga II machte für eine Nacht im Dömitzer Hafen fest. Die Umweltschützer legten nach den Castor-Protesten im Wendland eine Pause ein. Am Mittwoch ging es dann weiternach Hamburg.

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10. November 2010, 09:13 Uhr

Dömitz | Ein seltener Gast hatte bis gestern Mittag im Dömitzer Hafen festgemacht: der Greenpeace-Klipper Beluga II. Dieses Motorschiff mit Mast-Aufbauten wurde von der Fridtjof-Nansen-Werft in Wolgast gebaut und kann mit einem Tiefgang von 1,40 Meter Küstengewässer und Flüsse befahren. So auch geschehen im Verlauf des am Dienstag beendeten Castor-Transports ins wendländische Gorleben. Mit der Stammbesatzung Uwe Linke und Birte Lohmann sowie den eigens angeheuerten Binnenschiffskapitän Heinz Heusel - man ist per Du - und weiteren Greenpeace-Aktivisten, lief das Schiff in die Elbehäfen Hitzacker und Gorleben ein. Der Zweck der Reise vom Heimathafen Hamburg war zwischen zwei Masten weithin lesbar.

Wie mit dem Vorgängerschiff Beluga haben auch die Besatzungen Beluga II in der Vergangenheit immer wieder für öffentliche Aufmerksamkeit für Proteste gesorgt. Mit der Schiffstour unterstützt Greenpeace den friedlichen Widerstand der vielen tausend Menschen gegen die Atompolitik, erläuterte der völlig übermüdete Uwe Linke. Probleme mit der Wasserschutzpolizei von der Flussseite aus gab es nicht, Gespräche aber auch nicht.

Um wieder ein wenig zu Kräften zu kommen, hatte die Besatzung im Dömitzer Hafen übernachtet. Nachdem die Masten heruntergenommen waren, weil es sonst beim Passieren der Dömitzer Elbebrücke nicht gepasst hätte, hieß es gleich wieder "Leinen los" und Abfahrt mit Ziel Heimathafen.

Zur Ruhe sind auch wieder viele Kraftfahrer aus dem Kreisgebiet gekommen, die täglich die Dömitzer Brücke passieren müssen: Nachdem die Ludwigsluster Polizisten, die eine Lkw-Umleitung an der Kreuzung B195/B191 bei Dömitz Freitag wie Sonnabend geregelt hatten, wieder verschwunden waren (SVZ berichtete), weil der Verkehr reibungslos lief, brach Montagabend ab 19 Uhr das Chaos einige Kilometer weiter westlich am Abzweig Quickborn/Damnatz aus. Die Castorstrecke war hermetisch abgeriegelt. Es hieß nur noch: "Gesperrt für alle Fahrzeuge!" Wenn die vielen Brummi- und Autofahrer vor oder an der Straßensperre in Höhe Quickborn irgendeine Information erreicht hätte, wie sie denn weiter voran kommen könnten, dann hätte sich zumindest der Polizist, der sich stur hinter seinen Auftrag versteckte und sich nicht ausweisen wollte, kräftige Worte vieler Fragender erspart. So begann aber für hunderte Fahrzeuglenker eine Irrfahrt in die Nacht. Glück für die, die mit Navigation unterwegs waren.

Diese chaotischen Zustände, mit Blechlawinen durch davon sonst kaum berührte Dörfer, setzte sich auch am Dienstag fort. Wohl jeder, der morgens auf dem Weg zur Arbeit war, musste ab dieser Straßensperrung erkennen, dass er an diesem Tag viel zu spät ankommt.

Der Straßentransport der Castoren verlief hingegen reibungslos, alles war geregelt, die Strecke stand fest, eine Ausweichstrecke ebenso und alle Kräfte informiert. Allerdings kam dieser Castor wie die Arbeitnehmer in ihren Fahrzeugen auch viel zu spät ans Ziel.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) spricht nach dem Castortransport 2010 von 20 Mio. Euro, mit dem das Land belastet werde. Das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern korrigierte den finanziellen Aufwand für den noch vor Weihnachten geplanten Castorentransport nach Lubmin derweil auf deutlich über 4 Mio. Euro. Betrachtet man Gorleben-Erfahrungen: eine Rechnung mit äußerst spitzem Bleistift gezeichnet.

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