Dömitz : Beim Computerspiel entspannen

Inga Millon zieht es an die Elbe und auf den Spielplatz. Aber auch auf ihrer Couch ist sie gern.
Inga Millon zieht es an die Elbe und auf den Spielplatz. Aber auch auf ihrer Couch ist sie gern.

Pastorin Inga Millon fühlt sich immer dort zu Hause, wo sie arbeitet.

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17. Februar 2018, 07:00 Uhr

„Ich möchte, dass die Menschen ein bisschen mehr zusammenkommen, sich treffen und nicht jeder isoliert zu Hause sitzt.“ Mit diesem Ziel hatte Inga Millon vor rund einem Jahr ihre Stelle als Pastorin für die Kirchengemeinden Dömitz und Neu Kaliß angetreten. Und auf diesem Weg ist sie nach eigener Aussage schon vorangekommen. Im Oktober trafen sich Frauen und Männer während einer Themenwoche zum Reformationsjubiläum zum Tanzen, zum Basteln und zum mittelalterlichen Kochen. Im Dezember gab es zum ersten Mal einen lebendigen Adventskalender. „Teilweise sind rund 50 Leute zu den Angeboten gekommen“, so Inga Millon. Künstler, Geschäftsleute, Tourismus-Info und andere Einwohner aus Dömitz und Umgebung hatten dazu ihre Türen geöffnet. Jetzt würde die junge Pastorin in der Dömitzer Winterkirche und der Kalisser Kirche gern regelmäßig Kirchenkino anbieten mit Filmen, die sie über die Nordkirche leihen kann. „Das nächste Kino ist doch sehr weit weg. Und gemeinsam Filme zu schauen, macht doch mehr Spaß.“ Inga Millon fühlt sich angenommen und angekommen in Dömitz und Neu Kaliß. „Aber das geht bei mir auch schnell. Dort, wo ich arbeite, fühle ich mich zu Hause.“ SVZ-Redakteurin Kathrin Neumann beantwortete sie die Fragen zum Wochenende.

Was würden Sie in Dömitz anpacken, wenn Sie Bürgermeisterin wären?

Ich bin froh, dass ich nicht Bürgermeisterin bin. Ich glaube, das ist teilweise eine ganz schöne Bürde. Aber vielleicht würde ich versuchen, den Tourismus zu stärken, zum Beispiel ein paar neue Cafés eröffnen. Denn hier ist durch Festung und Elbe ein total schöner Flecken Erde. Das ist jedoch nicht so einfach, wie man sich das immer denkt. Schade ist auch, dass in der Altstadt so viele Häuser kaputt sind. Aber daran kann ein Bürgermeister in vielen Fällen auch nicht viel ändern.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Dömitz?

Ich bin gern in meiner Kirche, um dort zu sitzen und nachzudenken. Ich mag es aber auch, an der Elbe spazieren oder mit meinen beiden Töchtern (drei und sechs Jahre, d. Red.) auf den neuen Spielplatz zu gehen. Und ich bin auch sehr gern auf meiner Couch.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient und wofür haben Sie es ausgegeben?

Bei Burger King in Rostock habe ich an der Kasse gearbeitet. Ich habe auf meinen Führerschein gespart, den ich im ersten Anlauf allerdings nicht bekommen habe.
Was stört Sie an anderen?
Rechthaberei und Ignoranz mag ich gar nicht. Und wenn Leute versuchen, ihren Lebensentwurf anderen aufzudrücken. Was ich zum Glück hier gar nicht erlebt habe.
Was würden Sie gern können?
Ich bin gerade dabei, Klavier spielen zu lernen, denn das würde ich gern können. Anders als bei der Gitarre – das habe ich mir selbst mithilfe von Youtube-Videos beigebracht – nehme ich dafür aber richtig Unterricht.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Lebenslustig.
Wie sieht der perfekte Tag für Sie aus?

Wir frühstücken gemeinsam, dann bringe ich meine Kinder in den Kindergarten. Nach der Arbeit habe ich noch zwei, drei Stunden Zeit, um mit meinen Töchtern zu spielen. Und abends treffe ich mich mit Freunden auf ein Glas Wein. Ja, Arbeit gehört für mich zu einem perfekten Tag dazu. Es ist doch toll, wenn am Sonntag zum Gottesdienst viele Leute kommen, zuhören und dann auch noch etwas davon haben.
Welches Buch lesen Sie gerade?

„Wiesenstein“ über Gerhart Hauptmann, der kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges mit seiner Frau nach Schlesien zurückkehrt. Ich finde es sehr spannend.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich habe keinen Fernseher.

Wo ist für Sie Heimat?

Ich bin in Gelbensande aufgewachsen und habe in Rostock studiert. In Rostock fühle ich mich auch heute noch sehr wohl, aber leben möchte ich dort nicht mehr. Heimat ist für mich immer da, wo ich gerade wohne. Als ich mein Vikariat in Wittenburg gemacht habe, war es Wittenburg. Und jetzt bin ich in Dömitz.
Mit welchem Lied verbinden Sie schöne Erinnerungen?

Das „Ave verum“ von Mozart ist mein Lieblingsstück. Das haben wir auch im Wittenburger Chor gesungen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich gern und von wem haben Sie es bekommen?

Meine Kinder haben mir zum Geburtstag Ohrringe mit Schmetterlingen geschenkt. Die haben sie selbst ausgesucht. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
Gibt es etwas, was kaum einer von Ihnen weiß?

Dass ich zur Entspannung „Spider Solitaire“ spiele. Und es gibt bestimmt noch mehr, aber man muss ja nicht alles erzählen…
Welchen Traum möchten Sie sich erfüllen?
Ich würde noch in viele Länder reisen wollen. Aber aktuell ist mein größter Traum, dass wir in Dömitz eine Orgel haben, die so klingt, wie eine Orgel klingen sollte.
Und was werden Sie als Rentnerin machen?

Jungen Pastoren auf die Nerven gehen, was sie anders machen könnten? Auf jeden Fall würde ich ganz viel lesen, ins Theater und in die Oper gehen. Und ich würde in einer großen Stadt leben. Im Alter stelle ich mir das Leben auf dem Lande schwierig vor. Leipzig oder Köln wären dann vielleicht schön. Aktuell finde ich aber den kleinstädtischen Kontext hier sehr schön. Man kennt sich, spricht mit den Menschen auf der Straße, es ist nicht so anonym. Das ist fürs Arbeiten schön. Allerdings muss ich auch immer mal für einen Tag raus nach Hamburg.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Unserer Organistin Inge Harras. Sie ist eine unglaublich faszinierende Frau. Oder Sabine Strutzke, der Vorsitzenden vom Verein „Leben und Kultur“. In Dömitz gibt es viele interessante Menschen.

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