Ludwigslust : Bei Unfallflucht: Dieser Mann ermittelt

Thomas Kröger verfolgt unter anderem Unfallfluchten.
Thomas Kröger verfolgt unter anderem Unfallfluchten.

Verkehrsermittler Thomas Kröger vom Kriminalkommissariat Ludwigslust klärte schon zahlreiche Fälle auf

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19. März 2015, 07:00 Uhr

Die Holzwand war auf knapp zwei Meter Länge beschädigt, in rund 80 Zentimetern Höhe klebten Lackreste. Der Schaden betrug rund 1000 Euro. Ein zunächst unbekanntes Auto hatte im Februar eine Wand des Parkdecks im Ludwigsluster Lindencenter beschädigt und war einfach weiter gefahren: Eine Unfallflucht und damit ein Fall für Thomas Kröger. Der Kriminalhauptmeister ist Verkehrsermittler im Kriminalkommissariat Ludwigslust und auch für solche Fälle zuständig. Er ermittelt aber auch bei ganz „normalen“ Unfällen, bei Alkohol- und Drogendelikten im Straßenverkehr oder bei Kennzeichenmissbrauch.

„Bei Unfallfluchten haben wir mehrere Möglichkeiten, den Verdächtigen auf die Spur zu kommen“, verrät Kröger. „Zum Beispiel können am Unfallort zurück gebliebene Teile von Seitenspiegeln, Scheinwerfern oder Rückleuchten wertvoll für unsere Ermittlungen sein. Wir haben Datenbanken, die helfen, diese Teile bestimmten Automarken und Typen zuzuordnen. Auch das Baujahr des Fahrzeugs lässt sich eingrenzen.“

Im Fall der Unfallflucht im Lindencenter bekam Thomas Kröger entsprechende Spuren und Beweismittel auf den Tisch, darunter auch blaue Farbreste. „Dank dieser Spuren und weiterer Ermittlungen sind wir schnell auf den Fahrzeugtyp gekommen: Alles wies auf einen blauen Chrysler Van hin, der auf der rechten Seite erhebliche Beschädigungen haben musste“, erläutert Kröger. „Wir konnten auch das Baujahr in einen bestimmten Zeitrahmen einordnen.“

In Zusammenarbeit mit dem Kraftfahrt-Bundesamt ermittelte der 46-jährige Kripobeamte, dass im Raum Ludwigslust elf derartige Fahrzeuge zugelassen sind. Natürlich hätte der Chrysler auch von ganz woanders stammen können. Doch Kröger tat das Naheliegende und begann, die in der Nähe wohnenden Fahrzeughalter eines Chryslers aufzusuchen. Schon der dritte Besuch an jenem Tag ergab einen Treffer. „Der Chrysler hatte genau jene Beschädigungen, die das unfallverursachende Fahrzeug haben musste. Nach derzeitigem Ermittlungsstand kommt dieser Wagen als mutmaßliches Verursacherfahrzeug in Frage. Der Fahrer gab in einer ersten Befragung an, gewusst zu haben, dass etwas passiert war. Er will aber nicht mitbekommen haben, irgendetwas beschädigt zu haben“, sagt Verkehrsermittler Kröger. Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Verursacher wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort dauern noch an.

Übrigens sind Unfallfluchten durchaus keine Seltenheit. Im Bereich der Polizeiinspektion Ludwigslust sind rund 15 Prozent aller Verkehrsunfälle, die jährlich registriert werden, Unfallfluchten. Das sind im Jahresdurchschnitt immerhin etwa 1000 bis 1200 Fälle. Etwa 30 Prozent davon können jedes Jahr aufgeklärt werden.

Nicht immer handelt es sich bei diesen Verkehrsunfällen um welche mit so genannten Blechschäden. Besonders in Erinnerung blieb Thomas Kröger ein Fall vor wenigen Jahren. Damals fuhr ein Autofahrer zwischen Wöbbelin und Neustadt-Glewe einen Radler um, flüchtete und ließ ihn mit lebensgefährlichen Verletzungen liegen. Auch hier blieben Fahrzeugteile am Tatort zurück, u. a. eine Plast-Kappe. „Auch hier konnten wir aufgrund der Spuren den Fahrzeugtyp ermitteln, von dem es schließlich 170 Autos in der Region gab“, erinnert sich Kröger. „Weil auf der Strecke damals kaum Fremde unterwegs waren, gingen wir auch hier davon aus, dass der Unfallfahrer aus der Umgebung stammen könnte. Schon nach kurzer Zeit konnten wir den Verursacher ermitteln, der inzwischen versucht hatte, die Spuren an seinem Wagen ziemlich unprofessionell zu beseitigen.“

Weil andere Autofahrer den schwer verletzten Radfahrer rechtzeitig fanden, überlebte er und bedankte sich später bei Thomas Kröger, dass der Täter ermittelt werden konnte.

Unfallflucht wird als Straftat verfolgt und kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe geahndet werden.

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