Dömitz : Bei Nichtzahlung „Festnahme“

Polizeisprecher Klaus Wiechmann
Polizeisprecher Klaus Wiechmann

Telefonbetrüger gab sich gegenüber einer Rentnerin als Polizist aus und forderte 40 000 Euro „Transfergebühr“

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07. Juni 2016, 18:00 Uhr

Zum Glück ließ sich die alte Dame nicht überlisten. Ein gemeiner Betrüger meldete sich am Montagnachmittag telefonisch bei der Seniorin in der Dömitzer Region: „Hier ist die Polizei in Hamburg“, behauptete der Anrufer, der hochdeutsch gesprochen haben soll. Die Frau sollte umgehend 40  000 Euro auf ein bestimmtes Konto überweisen. Würde sie das Geld nicht überweisen, müsse sie mit ihrer Festnahme durch die Polizei rechnen.

Doch die 78-Jährige fiel nicht auf den Anruf herein, beendete das Gespräch und alarmierte die richtige Polizei. „Der Anrufer hatte gegenüber der Rentnerin gesagt, sie habe bei einem Gewinnspiel ein Auto im Wert von 220  000 Euro gewonnen. Sie müsse die verlangten 40  000 Euro als Transfergebühr bezahlen“, sagte Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust. Laut Polizei erkundigte sich der Anrufer nebenbei auch noch zur finanziellen Situation seines potenziellen Opfers.

Zuletzt war ein ähnlicher Fall in Neustadt-Glewe bekannt geworden. Hier hatte sich ein Anrufer als Rechtsanwalt ausgegeben und von einer Rentnerin rund 600 Euro verlangt (SVZ berichtete). Polizeisprecher Klaus Wiechmann: „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine organisierte Tätergruppe handelt, die insbesondere ältere Menschen am Telefon belästigt.“

Laut Polizei könne es sich bei den Anrufern um ein- und dieselbe Person oder verschiedene Mitglieder einer organisierten Gruppe handeln. „Die Hintermänner sitzen nicht selten im Ausland und suchen ihre Opfer gezielt in elektronischen Telefonbüchern. Dabei schauen sie konkret nach alten deutschen Vornamen und rufen dann diese Personen an in der Hoffnung, sie leichter einschüchtern zu können“, so Klaus Wiechmann.

Der Wohnort der potenziellen Opfer spiele dabei keine Rolle, sondern nur die telefonische Erreichbarkeit. Im April hatte es innerhalb weniger Stunden in Ludwigslust mindestens zehn Anrufe bei älteren Frauen gegeben, bei denen sich ein Betrüger als Kripobeamter ausgab. Er wolle sie vor Einbrechern schützen, behauptete er damals. Die meisten Angerufenen hatten als Vornamen „Ilse“ und „Hannelore“, was damals ebenfalls auf ganz gezielte Anrufe hindeutete.

Polizeisprecher Klaus Wiechmann: „Bei dieser Betrugsmasche gibt es sehr unterschiedliche Facetten. Allerdings haben die Täter inzwischen weniger Erfolg damit als noch vor Jahren. Unsere lebensälteren Menschen sind nicht zuletzt dank zahlreicher Präventionsveranstaltungen und auch Veröffentlichungen in den Medien deutlich vorsichtiger und aufmerksamer geworden.“

Auch angesichts der jüngsten Fälle warnt die Polizei weiterhin vor dieser perfiden Betrugsmasche. „Keinesfalls sollten Angerufene Bargeld überweisen oder an sogenannte Boten übergeben. Im Zweifelsfall sollten Betroffene sich an Familienangehörige oder an die Polizei wenden“, so Klaus Wiechmann.

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