Greven : „Bei der Milch komplett versagt“

Zu seiner Verabschiedung waren Bauern und Weggefährten nach Greven gekommen.  Fotos: mayk
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Zu seiner Verabschiedung waren Bauern und Weggefährten nach Greven gekommen. Fotos: mayk

Geschäftsführer des Bauernverbandes Harald Elgeti appellierte zum Abschied aus dem Berufsleben in Greven an die Politik

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02. Juni 2016, 18:48 Uhr

Harald Elgeti, das Sprachrohr der Bauern in der Region, ist sich auch an seinem letzten Berufstag treu geblieben. Einem politischen Vermächtnis gleich arbeitete er aus dem Kopf heraus gleich eine ganze Agenda an landwirtschaftlichen Themen ab, die es zu bearbeiten gelte. Und er war vor seinen mehr als 100 Gästen offen und ehrlich wie immer. „Wir müssen auch mit Fehlern offen umgehen, beim Thema Milch haben wir als Bauernverband komplett versagt. Jetzt darf sich die Politik nicht heraushalten.“ Die Landwirte seien die geborenen Naturschützer der Region, weil sie in Generationen denken würden. Gerade bei der Milch müsse man aufpassen, dass jetzt nicht die geschaffene Kulturlandschaft verloren gehe. „Der schönste Landkreis soll auch in Zukunft so bleiben, doch dafür braucht man die Bauern“, erinnerte Elgeti an einen der Lieblingssprüche des Landwirtschaftsministers, der an diesem Tag in Greven leider verhindert war.

Mit ihm und vielen anderen hat sich der begnadete Rosenzüchter immer wieder auch öffentlich gerieben. Doch auch seine Gegner bescheinigten Elgeti fachliche Kompetenz. Der Musikfan wusste eben worüber er sprach, er war in seinen zehn Jahren als Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes hervorragend verdrahtet.

Es war natürlich der Abend der Dankesworte an die Kollegen und Partner. Er habe in all den Jahren nichts tun und vertreten müssen, was gegen seine Überzeugungen gegangen sei. Und das sei ja am Ende des Arbeitslebens auch viel wert.

Und auch Harald Elgeti bekam davon viel Gutes zu hören, zum Beispiel von seinem Chef, dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Dietrich Groth. Harald habe seine eigene Art gehabt, es sei eine angenehme Zeit mit ihm gewesen und gemeinsam habe man viel erreicht.

Berichtet wurde vom Kampf gegen die drohenden Kappungen und Degressionen bei den Agrargenossenschaften in der Region. Erfolgreich habe man sich auch dagegen gewehrt, dass die Tierschutzverbände kein Verbandsklagerecht erhalten haben. Elgeti hatte auch in vielen Gesprächen mit der Schweriner Volkszeitung nie ein Hehl daraus gemacht, dass er mit dem „institutionalisierten Tierschutz“ von heute, der seinem Selbstzwecke diene, nie viel anfangen konnte.

Es gäbe aber auch viele Dinge, mit denen der Bauernverband nicht zufrieden sein könne. Elgeti zählte da die aus seiner Sicht verheerende Bodenpolitik der BVVG auf. Oder den immer schlimmer werdenden bürokratischen Aufwand, vor allem bei Beantragungen von Vorgängen mit der Europäischen Union. Mit der drohenden Aufgabe vieler Landwirte drohe auch eine Entwertung des Agrarlandes. Das hätte Auswirkungen auf große Teile der Landbevölkerung, die sich mit Verpachtung der Flächen ihre Renten aufbessern werden. Und so blieb der Eindruck, dass der kämpferische Ex-Geschäftsführer des Bauernverbandes es auch noch gut ein paar Jahre auf seinem Posten ausgehalten hätte. Seine Nachfolgerin Nicole Gottschall, die schon seit Monaten in ihr Amt eingearbeitet wurde, kann weiter mit seinem Rat rechnen.

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