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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 15:17 Uhr

Eisvogel : Bedroht: Ein fliegender Edelstein

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Geschützte Pflanzen und Tiere der Roten Liste im Landkreis Ludwigslust-Parchim: Der Eisvogel

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 15:54 Uhr

Der Eisvogel (Alcedo atthis) wird auch als fliegender Edelstein bezeichnet. Der Grund dafür ist seine blaue schillernde Gefiederfarbe, die schon fast tropisch anmutet. Das Brustgefieder ist rot- orange und leuchtet in der Sonne. Beide Geschlechter sehen gleich aus. Der Eisvogel ist im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein regelmäßer Brutvogel, ein regelmäßiger Durchzügler und auch Wintergast. Auffallend sind der große Kopf und der lange klobig wirkende Schnabel. Der Schwanz ist sehr kurz. In der zweiten Fassung der Roten Liste von 2003 der Brutvögel für Mecklenburg-Vorpommern ist die Art als Gefährdet (RL 3) angegeben.

Hiervon gibt es noch weitere zehn Vogelarten, die ebenfalls zusammen mit dem Eisvogel auf dieser Liste stehen. Das Vorkommen des Eisvogels ist an Wasser gebunden. Er bevorzugt Fischteiche ebenso wie langsame Fließgewässer und manchmal auch Gartenteiche. Oft wird als Ansitz dabei ein Schilfhalm benutzt um nach seiner Beute wie kleinere Fische Ausschau zu halten. Der Eisvogel ist ein Stoßtaucher. Dabei sitzt er stundenlang unbewegt auf seinem Ansitz (Foto). Der Eisvogel hat eine Gesamtlänge von 16 bis 18 cm, eine Flügelspannweite von 25 bis 30 cm und ein Gewicht von 23 bis 25g. Er ist ein schneller Flieger, der dicht über der Wasseroberfläche seinen markanten Ruf, ein langgezogenes „tiht tiht“ ertönen läßt. Deshalb sehen wir ihn eher selten, sondern hören ihn nur. Eisvögel brüten an klaren Flüssen, Bächen und Seen. Fehlen sie, läßt dies auch Rückschlüsse über den Zustand eines Gewässers zu. Sie graben eine Brutröhre und benötigen hierzu Steilufer. Er kann sich hierbei auch bis zu 1,5 km von der Brutröhre entfernen, um Futter für seine Jungen herbei zuschaffen. Diese Brutröhre muß nicht unbedingt am Wasser liegen, aber immer in dessen erreichbaren Nähe.

Zum Anlegen einer Brutröhre und zum Nestbau im März ist eine überhängende oder senkrechte Steilwand erforderlich, die aus weichem Material sein muss. Auch die Schaffung von künstlichen Abruchkanten kann hilfreich sein und zum Erfolg führen, da diese immer weniger vorhanden sind. Zielgerichtete Projekte des NABU wurden hierzu schon durchgeführt, besonders in unseren Nachbarbundesländern. Die Röhre ist eine 50 bis 100 cm lange, gerade oder leicht ansteigende Höhle, an dessen Ende das Weibchen sechs bis sieben weiße Eier legt. Als Polsterung reichen einige Federn aus. Das ganze ist dann ein backofenförmiger Nestkessel. Die Eier werden von beiden Elternteilen abwechselnd 19 bis 21 Tage bebrütet. Die bis zu neun Jungvögel verlassen nach 23 bis 27 Tagen das Nest. Es finden zwei bis drei Jahresbruten statt. Gefüttert werden kleine Süßwasserfische, wie Gründlinge, Elritzen, Stichlinge, Flußbarsche‚ Plötze, Rotfedern, Insekten, Frösche und deren Kaulquappen. Der Fisch wird im Schnabel gedreht, so das er mit dem Kopf nach vorn in den Schlund gleiten kann. Wenn die Eisvögel füttern, wird der Fisch nur umgekehrt getragen. Diese kleinen Fische sind meist 4 bis 7cm lang. Gelegentlich ist auch eine Bachforelle darunter.

Langfristig ist der Bestand des Eisvogels stark zurückgegangen, jedoch lokal unterschiedlich. Besonders dezimieren Kälteperioden die Bestände. Es dauert ca. bis zu sechs Jahre bis sich eine Population erholt hat. In Europa wird diese auf 66 500 Paare dokumentiert. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim konnten 40 bis 60 Brutpaare ermittelt werden. Zum Vergleich wird in der Avifauna Mecklenburgs von 1987 ein Gesamtbestand von 400 bis 600 Brutpaaren für Mecklenburg angegeben. Das Vorkommen des Eisvogels im Landkreis ist an Waldseen im Norden und Nordosten, die Warnow ab dem Barniner See, die Elde von Parchim bis Plau und deren Randgebiete gebunden. Von den Beringern aus dem Landkreis sind drei Fremdfunde bekannt, aus Schweden, Brandenburg und Neubrandenburg.




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