Ludwigslust : Bedroht Corona das Abitur?

Auch am Ludwigsluster Goethe-Gymnasium bleiben die Türen geschlossen – wie an allen Schulen im Land.
1 von 2
Auch am Ludwigsluster Goethe-Gymnasium bleiben die Türen geschlossen – wie an allen Schulen im Land.

Eine Betrachtung von Thies J. Hansberg vom Goethe-Gymnasium Ludwigslust Abiturienten in Sorge um ihren Abschluss

von
16. März 2020, 05:00 Uhr

Es ist 13.19 Uhr. Eine Minute vor Schulschluss. Am Freitag, dem 13.. Ekkehard Detenhoff, Schulleiter des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums, macht eine Durchsage. Freundlich teilt er Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften mit, dass die Schule ab Montag geschlossen bleibe, bis auf Weiteres. Wie lange die Osterferien wirklich verlängert würden, stehe noch nicht fest. Man solle dies den Medien entnehmen.

Angesichts der steigenden Zahlen an Corona-Infizierten war so etwas zu erwarten. Und für viele der rund 700 Schüler mag es eine frohe Botschaft gewesen sein. Wer hat nicht gern schulfrei? Da kommen auch „Corona-Ferien“ gelegen. Doch es gibt auch Sorge und Ärger, besonders bei den Abiturienten. Soeben hat man ihnen mitgeteilt, dass die traditionelle Motto-Woche ausfallen muss, dass der „Chaostag“ abgesagt ist. Überraschend ist ebendieser 13. März zum letzten Schultag ihres Lebens geworden. Das hatten sie sich anders vorgestellt.

Während einige um den Abiball am 12. Juni bangen, ist viel mehr Sorge für die Abiturprüfungen selbst geboten, die eigentlich am 30. März mit dem Fach Geschichte ihren Anfang nehmen sollten. Wie soll das jetzt noch gehen? Einmal im Leben macht man Abitur, und dann findet man sich auf einmal in so einer Ausnahmesituation wieder: inmitten einer Pandemie. Derzeit hat Mecklenburg-Vorpommern, anders als Nordrhein-Westfalen, noch keinen Notfallplan für die Prüfungen erarbeitet. Sowohl im Netz als auch in den Medien kursieren diverse Ausweichmöglichkeiten: Wird das Abitur in die Sommermonate verschoben? Oder in den Herbst, nach den Sommerferien? Oder wird das Abitur trotz Schulschließungen geschrieben, entgegen der empfohlenen Sicherheitsbestimmungen? Auch die Termine, die eigentlich für „Nachprüfungen“ vorgesehen waren, sind angeblich im Gespräch. Doch solche Maßnahmen würde die Lebensplanung von tausenden Absolventen des Gymnasiums sprengen: Zwangsläufig müsste man den Start der Hochschulsemester nach hinten verschieben, Termine für den Ausbildungsbeginn neu setzen, Auslandsaufenthalte – absagen?

„Es muss eine bessere Lösung geben“, schreibt mir Johann, 19 Jahre, aus Ludwigslust. Er ist Abiturient und hat ab August ein Auslandsjahr in Buenos Aires, Argentinien, geplant. „Wenn das Abitur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird, habe ich die Möglichkeit, entweder mein Auslandsjahr abzubrechen oder das Abitur nicht zu machen. Letzteres kommt für mich nicht infrage, ich fände es überaus schade, wenn ich diese Chance nicht wahrnehmen dürfte.“ Auch andere Abiturientinnen, die ins Ausland gehen wollen, seien betroffen.

Einen anderen, unkonventionellen Vorschlag machte vor einigen Tagen Henry Tesch (CDU), Direktor des Carolinums Neustrelitz und Bildungsminister a.D.: Er schlug vor, sein Gymnasium zu schließen und dass die Abiturienten in eine freiwillige „Bildungsquarantäne“ gehen. So soll einerseits deren Gesundheit und andererseits „noch effektiverer Unterricht“ ermöglicht werden, also eine noch bessere Vorbereitung auf das Abitur.

Dort liegt auch die Sorge einiger Ludwigsluster Schülerinnen und Schüler: Mit der Schließung der Schule sind sie jetzt bis zu den Prüfungen auf sich allein gestellt, viele Möglichkeiten zum Üben und für letzte Erklärungen seitens der Lehrkräfte bleiben nicht. Diese widrigen Umstände dürfen in keinem Fall dazu führen, dass die Leistungen der Abiturienten darunter leiden. Auf Instagram machen mehrere ihrem Frust Luft: Sie würden mit zu wenig Informationen versorgt, genaue Termine gebe es nicht, man habe ihnen die Planung zunichte gemacht. Kurzum: Schwerin ließe sie im Unklaren. Die Landesregierung steht vor einer schwierigen Aufgabe und muss jetzt wohl überlegtes und schnelles Krisenmanagement beweisen: Einerseits muss eine dauerhafte gesundheitliche Sicherheit der Schüler und Lehrkräfte gewährleistet werden. Andererseits muss das Abitur als höchster deutscher Schulabschluss mit absoluter Sicherheit geschrieben werden können. Was für die 108 Abiturienten bleibt, ist die Ungewissheit, obwohl viele wissen: Es sind Viren, die ihnen da ihren Alltag diktieren, und die sind nicht einmal Lebewesen! Das haben sie im Biologieunterricht gelernt – vor dem Coronavirus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen