Balow : „BB1“ kommt langsam in Fahrt

Vanessa (li.) on Tour. Das letzte Mal fuhr der „BB1“ die Kinder zum Puppenspiel ins Nachbardorf.
Vanessa (li.) on Tour. Das letzte Mal fuhr der „BB1“ die Kinder zum Puppenspiel ins Nachbardorf.

Nach Anlaufschwierigkeiten fährt Mecklenburgs erster Bürger-Aktiv-Bus Kita-Kinder, Sportler und Kegelgruppen übers Land

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26. März 2015, 07:01 Uhr

Holpriger Start für Balows Bürger-Aktiv-Bus: Die im Herbst so groß gefeierte landesweite Premiere des Bürgerbusses ist nur langsam in Gang gekommen. Knapp 1400 Kilometer zeigt der Tacho nach einem halben Jahr. „Nicht besonders viel“, findet Bürgermeisterin Kriemhild Kant. Der Bus stand im Winter länger herum als ihr lieb war. „Aber vielleicht haben wir für den Modell-Start auch einfach nur den falschen Zeitpunkt gewählt“, sagt sie. „Wer steigt schon gern in der dunklen kalten Jahreszeit in einen neuen Kleinbus?“

Der Bürger-Aktiv-Bus gehört dem Balower Dachverein „Dörfliche Begegnungsstätte“. Die Gemeinde hatte ihn mit Zuschüssen aus dem Leader-Programm im vergangenen Jahr gekauft. Wer Mitglied im Dachverein ist, kann den Bus zu guten Konditionen nutzen. Das betrifft Vereine und Institutionen, wie Volkssolidarität, Kita, Schule, Schützenverein, Kinderjugendrat, Sportverein, Feuerwehr, Kirche, Jugendwehr und die Gemeinde selbst. Aber auch jeden einzelnen Balower. „Gerade für die Älteren im Dorf soll der Bus mehr Mobilität schaffen“, sagt Kriemhild Kant. „Damit sie auch an Tagen, an denen kein Linienbus fährt, nach Grabow oder Ludwigslust zum Arzt oder Einkaufen kommen.“

Der Bus, ein Acht-Sitzer, steht meistens auf dem Hof von Ewald Buchholz. Der Rentner, erst vor kurzem nach Balow gezogen, fährt ihn ehrenamtlich und kümmert sich um Wartung und Pflege. Montags und mittwochs, wenn sich die Rentner zum Rommé- und Dominospielen im Dorfzentrum treffen, holt Buchholz zwei ältere Damen, die weiter außerhalb wohnen und nicht mehr gut zu Fuß sind, ab. Platz ist genug. Rollatoren werden hinten im Laderaum verstaut. Für die Senioren gibt es eine Einstiegshilfe.

„Wir sind noch ganz am Anfang“, sagt Bürgermeisterin Kant. „Vereine nutzen den Bus schon oft und gern. Senioren können hier ruhig noch aktiver werden.“ Für Henning Bombeck, Professor am Institut für Management ländlicher Räume, ist das ein normaler Prozess. „Gerade die ältere Generation muss sich an dieses neue Angebot erst gewöhnen. Dazu müssen wir sie an die Hand nehmen. Sie erkennen die Vorteile am besten, indem sie den Bus nutzen.“ Das brauche Zeit. Für ihn ist der Bürgerbus auch eine Möglichkeit, die Dörfer mehr untereinander zu verbinden. Der Balower Bus fährt zum Beispiel im April erstmals die Senioren zum Frühlingsfest ins benachbarte Kolbow.

Mit einem Flyer will die Gemeinde den Bürgerbus jetzt bekannter machen. „So haben die Leute im Dorf Adressen, Telefonnummern, Preise und festen Routen auf einen Blick“, sagt Kant. Der Bus sei ein Modellversuch. „Wir machen es vor und testen, ob die Idee funktioniert.“ Deshalb stehe auf dem Nummernschild auch BB1. Kant: "Vielleicht fährt irgendwann ja mal der BB2."

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