Heftige Windböe fällte Baum in Ludwigslust : Baum stürzt auf Einfamilienhaus

<fettakgl>Ludwigslust: Feuerwehrleute und Dachdecker</fettakgl> beseitigen gröbste Schäden am Dach.
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Ludwigslust: Feuerwehrleute und Dachdecker beseitigen gröbste Schäden am Dach.

Annemarie Weißer glaubte an ein Erdbeben, als durch den Sturm ein Baum auf das Dach ihres Hauses in Ludwigslust stürzte. Auch in anderen Landesteilen hinterließ das Tief "Lennart" eine Schneise der Zerstörung.

svz.de von
31. Januar 2013, 07:49 Uhr

Ludwigslust | Im ersten Schock glaubte Annemarie Weißer an ein Erdbeben. Doch schnell wurde klar, dass nicht die Erde bebte, sondern gerade ein Baum auf ihr Haus gestürzt war.

Gestern morgen gegen 6.30 Uhr an der Friedrich-Naumann-Allee in Ludwigslust. Die gelernte Krankenschwester will gerade aufstehen, als sie einen heftigen Aufprall spürt. "Ich dachte an alles, aber nicht an einen Baum", berichtet Annemarie Weißer. Doch als sie aus dem Fenster schaut, entdeckt sie das Malheur. "Ich wunderte mich noch darüber, dass der Baum plötzlich so nah am Haus war." Kein Wunder. Eine heftige Sturmböe hatte einen Baum vor dem Haus knapp über dem Erdboden gefällt. Der Baum fiel ausgerechnet in Richtung Zweigeschosser der Weißers. Die Äste schlugen ins Dachgeschoss, genau dort, wo Töchterchen Emma (6) in ihrem Zimmer schläft. "Ich rannte sofort eine Etage höher in Emmas Zimmer", sagt Mutti Annemarie. Erleichtert stellte sie fest, dass Emma nichts passiert war. Die Tochter wunderte sich nur, dass sie so einen "komischen Bumms" gehört hat und ein Regal umgefallen war.

Ebenso ging es dem Ehemann, der gerade im Bad war, und dem Sohn. Paul (9) schlief ebenfalls in einem Dachgeschosszimmer, aber in der hinteren Haushälfte.

Glück im Unglück: Die dicken Äste haben das Dach nicht völlig durchschlagen. Emmas Zimmer blieb unbeschädigt. Noch am Vormittag räumten Feuerwehrleute mit schwerer Technik den Baum. Dachdecker beseitigten die gröbsten Schäden. Dachdecker Marco Friehl von der Dietmar Friehl GmbH Ludigslust: "Mehrere Dachziegel gingen zu Bruch, dazu einige Latten. In der Folie klaffte ein fingerdickes Loch. Auch die Dachrinne ist beschädigt." Das wichtigste aber: Es gab keine Verletzten. Froh ist Annemarie Weißer auch über die Auskunft eines Statikers, dass für das Haus keine Gefahr besteht. "Trotzdem schläft Emma erstmal nicht in ihrem Zimmer."

Familie Weißer hat das Einfamilienhaus gerade erst gekauft, zog vor einem Monat hier ein. Der Stamm des umgestürzten Baumes war offenbar morsch. Das ist am Baumstumpf zu sehen. Nicht nur Annemarie Weißer fürchtet jetzt, dass auch andere Bäume in der Allee morsch sind. "Wäre der Nebenbaum auf unser Haus gestürzt, wäre es wohl nicht so glimpflich abgegangen", sagt sie.

Der Sturm hatte bereits Mittwochabend begonnen und Schäden sowie Verkehrsunfälle verursacht. Polizeisprecher Klaus Wiechmann : "Am Mittwochabend beschädigten herunterfallende Dachziegel in Parchim ein parkendes Auto. Zahlreiche Äste und Bäume mussten Freiwillige Feuerwehren über Nacht von Fahrbahnen räumen. So unter anderem auf der B 195 zwischen Greven und Gallin und auf der Landesstraße 083 bei Groß Godems. Auf der Kreisstraße 21 zwischen Rom und Lancken brach ein Telefonmast ab und stürzte auf die Straße."

In der Nacht hatte eine Windböe auf der BAB 24 zwischen Ludwigslust und Hagenow einen PKW-Anhänger auf die Seite gekippt. Gemeinsam mit der Polizei wurde der Anhänger wieder aufgerichtet, so dass der Fahrer die Fahrt fortsetzen konnte. Auf der B 5 bei Grabow kippte am Donnerstagmorgen ebenfalls ein leerer PKW-Anhänger wegen des Sturms um. Die B 5 musste an der Unfallstelle halbseitig gesperrt werden.

Sturm stürzt Lkw-Hänger und Bäume um

Das Sturmtief „Lennart“ hat in Mecklenburg-Vorpommern vor allem im Osten für Verkehrsbehinderungen und mehrere Unfälle gesorgt. Eine 48-jährige Autofahrerin wurde schwer verletzt, als auf der Autobahn 20 nahe Gützkow ein leerer Lkw-Anhänger umstürzte. Wie die Polizei mitteilte, konnte die Fahrerin dem im Gegenverkehr umstürzenden Hänger nicht mehr ausweichen. Der Anhänger blockierte die Fahrbahn nach Süden (Stettin) für mehr als fünf Stunden.

In Torfbrücke bei Rostock kippte ein 20 Meter hoher Baum in eine Telefonleitung, die abriss. Beim Bremsen fuhren zwei Autos ineinander. Dabei erlitt eine 19 Jahre alte Autofahrerin einen Schock.

Das Sturmtief erreichte auf Hiddensee Windgeschwindigkeiten bis zu 110 Stundenkilometer, sagte Thomas Globig vom privaten Wetterdienst Meteomedia. Landesweit wurden zahlreiche Bäume umgeknickt, wobei die Region im Norden Vorpommerns am stärksten betroffen war. Im Stralsunder Stadtteil Grünhufe blies der Wind eine Straßenlampe um, in Wolgast stürzte ein Baugerüst ein. Die Landstraße zwischen Binz und Prora auf Rügen wurde von einem Baum blockiert.

In Westmecklenburg wurde in der Nacht zum Donnerstag die Autobahn 14 zwischen Raben-Steinfeld und Leezen durch gleich drei Bäume und dicke Äste blockiert. Herunterfallende Dachziegel beschädigten in Parchim ein parkendes Auto. Zahlreiche Äste und Bäume mussten Freiwillige Feuerwehren über Nacht von den Straßen entfernen.

Sturm reißt Bäume und Masten um

Gerade noch Glück gehabt. Einen halben Meter vor zwei umgestürzten Bäumen kam in der Nacht zum Donnerstag ein Milchlaster zwischen Warin und Qualitz zum Halten. Kurz nach Mitternacht rückten zehn Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Warin aus, um die Barriere von der Straße zu holen. Ihr Einsatzgebiet lag schon außerhalb des Stadtgebietes im Landkreis Rostock, doch dafür sind die Wariner Kameraden seit Anfang diesen Jahres auch vertraglich zuständig, erklärte gestern Wehrführer Timo Untrieser.

Auch den Brüeler Feuerwehrleuten bescherte der Sturm, der in der Nacht zum Freitag über das Land fegte, einen Einsatz. Auf der L09 kurz hinter der Abfahrt Kobande in Richtung Crivitz war ein Telefonmast abgebrochen und auf der Fahrbahn gefallen. „Eigentlich war es ein Fall für die Crivitzer Feuerwehr“, sagt Mathias Ohms von der Brüeler Wehr. Die Brüeler, die kurz vor fünf Uhr alarmiert wurden, beseitigten das Hindernis.

Die Polizei in Nordwestmecklenburg meldete bis zum gestrigen frühen Morgen sechs Einsätze, die durch den Sturm verursacht wurden. In der Ortslage Sülsdorf auf der B 105 zwischen Dassow und Selmsdorf einen Verkehrsunfall, bei dem ein Fahrzeug gegen einen herabgefallenen Ast fuhr. Dadurch entstand ein Sachschaden von ca. 500 Euro am Auto. Gegen 2.35 Uhr entdeckte ein Funkstreifenwagen der Polizei auf der Raststätte der A 20 Mölenbarg zwischen den Anschlussstellen Wismar-Mitte und Bobitz in Fahrtrichtung Lübeck, dass ein Pfosten mit mehreren Verkehrszeichen abgeknickt waren.

Torfbrücke: Umgestürzter Baum löst Verkehrsunfall aus

Ein 20 Meter hoher Baum ist gestern Vormittag auf der L 22 in der Ortschaft Torfbrücke auf die Straße gestürzt. Dabei wurde auch die Leitung eines Telefonmastes mit abgerissen. Unmittelbar vor dem auf der Straße liegenden Baum kam es in der Folge zu einem Auffahrunfall. Zwei Kleinwagen, ein Ford und ein Seat, erkannten das Hindernis auf der Fahrbahn zu spät und fuhren davor ineinander. Die 19-jährige Seatfahrerin erlitt einen Schock. Die 52-jährige Fahrerin des Pkw Ford und auch die Beifahrerin (33) blieben unverletzt. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehr als 3.000 Euro.

In Warnemünde wurden die Hafenrundfahrten durch den Sturm abgesagt. Für die Ostsee hatte der Südweststurm allerdings auch ein Gutes: Das morsche Eis aus den Küstenregionen wurde auf die offene Ostsee hinausgetrieben, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt in Rostock mit.

Gelbe Säcke vom Winde verweht

Stürmische Winde mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 85 Stundenkilometern wirbelten in der Nacht zu Donnerstag in der Stadt Rehna so einiges durcheinander. Unzählige gelbe Säcke rollten über die Straßen. Nicht wenige der dünnwandigen Transportbehälter wurden beschädigt und folglich verteilten sich die gesammelten Wertstoffe zum Ärger zahlreicher Anwohnern im Stadtgebiet. „Ursprünglich war die Abholung der gelben Säcke planmäßig am Mittwoch vorgesehen. Die Abfuhr durch das zuständige Unternehmen Alba erfolgte aber erst am Donnerstag“, sagt Bernd Karnatz, Leiter Haupt- und Ordnungsamt. Nach seinen Angaben lag ein technischer Defekt am Fahrzeug vor. „Das Unternehmen hat uns entsprechend informiert und bittet um Verständnis“, so Karnatz.

Die Stadt Rehna will den durch den Sturm im Stadtgebiet verteilten Müll bis zum Wochenende von den öffentlichen Grundstücken mit Unterstützung des Amtshofes einsammeln. Grundstücksbesitzer werden gebeten, den verwehten Müll erneut einzusacken und am nächsten Abholtermin bereitzustellen.

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