Hilfsprogramm : Bauern enttäuscht von Brüssel

Kämpferische Stimmung der Milchbauern aus der Region in Brüssel. Am Ende sind sie tief enttäuscht von den Ergebnissen der europäischen Agrarministerkonfernez wieder nach Hause gefahren.
Kämpferische Stimmung der Milchbauern aus der Region in Brüssel. Am Ende sind sie tief enttäuscht von den Ergebnissen der europäischen Agrarministerkonfernez wieder nach Hause gefahren.

Europäische Agrarminister beschließen Hilfsprogramm, das hiesigen Landwirten nicht nützt. Nicht alle werden durchhalten

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18. September 2015, 07:00 Uhr

Die Agrarminister Europas haben in Brüssel ein Hilfsprogramm für die Bauern beschlossen. Deutschland soll 70 Millionen bekommen. Helge Dieckmann von der Agrargenossenschaft Brunow schätzt, dass für seinen Betrieb der Milchpreis um 0,2 Cent gestützt werden könnte. Das nützt nichts, wenn mindestens 12 bis 15 Cent nötig wären.

Dieckmann war jetzt vier Mal in Brüssel, um mit Landwirten aus ganz Europa für ihre Interessen zu demonstrieren. Aber auch eine Woche danach sitzt die Enttäuschung tief. So frustrierend wie diesmal war es noch nie, sagt er. „Wir waren 6000 Bauern, aber niemand von den Politikern hat sich mit uns unterhalten“, ist sein ernüchterndes Fazit. „Wir wurden regelrecht vorgeführt.“

Von Hausbanken zum Protest aufgefordertDieckmann billigt nicht die Ausschreitungen, die am Rande der Demonstration stattfanden. Aber er gesteht, dass er den Frust der Bauern verstehen kann. Er hat sich mit Landwirten aus Belgien unterhalten. „Die sind von ihren Hausbanken aufgefordert worden, an der Demonstration teilzunehmen. So dramatisch ist die Lage“, schildert er.

Der Milchpreis, den die Landwirte bekommen, befindet sich im freien Fall. Lag er im August für die Brunower bei 25 Cent, ist er in diesem Monat wieder um einen Cent gefallen. „Wie weit soll das noch gehen?“, fragt er sich. Übrigens: Der Weltmarktpreis liegt gegenwärtig bei 17,5 Cent. Bei einem solchen Preis gehen angesichts der hohen Qualitätsstandards in Deutschland die Lichter in den Betrieben aus. „Wir müssen jetzt durchhalten und hoffen, dass die Zeiten wieder besser werden“, sagt Helge Dieckmann. Erste Konsequenz: Seit dieser Woche ist der Schweinestall zugeschlossen, die Mast eingestellt. Der Verkauf des Futtergetreides soll in die Liquidität des Betriebes fließen.

Akut bedroht sind die Leistungen des Betriebes für das Dorf. Der Brunower Bauernmarkt ist ein beliebter Treffpunkt in der Ortsmitte. Jahrfeiern, Erntefeste – das und mehr ist bis jetzt selbstverständlich in Brunow. Helge Dieckmann fürchtet, dass das in Zukunft nicht so bleiben kann. Mit einem Tag des offenen Milchhofes in der Milchviehanlage Löcknitzer Straße wollen die Brunower die Menschen für ihre Arbeit sensibilisieren. Morgen von 9 bis 13 Uhr sind die Türen offen. „Wir freuen uns auf anregende Diskussionen mit Konsumenten, Landwirten, Umwelt- und Tierschützern, mit kritischen Bürgern“, lädt Helge Dieckmann zum Kommen ein.

Hilfspaket geht an Produzenten vorbei

Nicht nur er ist der Auffassung, dass das Hilfspaket der Agrarminister an den Interessen der Produzenten vorbei geht. Auch Harald Elgeti, der Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, sieht die Reduktion der Milchmenge als einzige Alternative. Dazu braucht es nach seiner Meinung staatliche Regularien. Die sieht er gegenwärtig nicht. Er sagt: „Ich sehe im Moment keinen Weg, wie es weitergehen könnte.“

Helge Dieckmann schüttelt ebenfalls den Kopf. „Wir wollen keine Unterstützung auf Kosten des Steuerzahlers“, unterstreicht er. „Eine Überproduktion darf gar nicht erst entstehen. Dafür brauchen wir das System der  Mengenregulierung. Dafür sind wir nach Brüssel gefahren.“

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