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Ludwigsluster Tageblatt

23. August 2017 | 23:27 Uhr

Baustelle : Bagger rollen auf Parchims Airport

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Das Vorfeld auf dem Flughafen wird saniert und erweitert. Auflagen zur Munitionsbergung bescheren Investoren Zeitverzug und Mehrausgaben

Reger Baubetrieb zur Winterszeit auf dem Parchimer Airport. Das Vorfeld, quasi der Parkplatz für Flugzeuge, wird erweitert. Bagger heben Betonplatten vom alten Vorfeld aus den 1930er-Jahren auf und zertrümmern diese. Das Material wird später zerkleinert und wieder im Schotter als Untergrund der neuen Betonflächen verwandt. „Das ist Qualität. Da ist viel Zement drin“, sagte am Mittwoch Thomas Dvorak aus der Bauleitung. So lange es keinen Wintereinbruch gibt, kann weiter am Vorfeld gearbeitet werden. Um Frischbeton zu verarbeiten, brauche man allerdings Plusgrade.

Werner Knan, Berater des chinesischen Flughafeninvestors Jonathan Pang, führt über die Baustelle auf dem Vorfeld, das auf einer Fläche von 40 000 Quadratmetern vergrößert wird. Ist hier bislang Platz für zwei große Flugzeuge, sollen hier künftig fünf gleichzeitig parken können. Zur Vergrößerung des betonierten Areals werden auch bisherige Rasenflächen benötigt. Im Erdboden sind etliche Löcher gebuddelt: Hier waren Spezialisten der Munitionsbergung an der Arbeit.

Die Suche nach möglichen Blindgängern erweist sich als keinesfalls unproblematisch. Gegenüber anderen Bundesländern gebe es in Mecklenburg-Vorpommern eine Prozedur, die von den Kosten und vom Aufwand her nicht zu rechtfertigen sei, erklärte am Mittwoch Werner Knan. Er verweist auf die Landesbehörde, die vorschreibt, was alles eine lizenzierte Firma zu machen hat. „Wir dürfen nur bezahlen“, so Knan. Bis die Unstimmigkeiten kurz vor Weihnachten endlich beseitigt waren, gab es drei Wochen Verzögerung, so Knan. Allein diese Verzögerung habe den Investor rund 100 000 Euro gekostet.

In dieser Woche begannen die Experten, das Baugelände mit einem Scanner abzusuchen. Ein müßiges Unterfangen: Dauernd piepste es, weil sich überall Überreste aus Jahrzehnten früherer Nutzung fanden. Hier steckte ein Nagel im Untergrund, dort ein Stück vom alten Spaten, ein Rest vom Autowrack oder ein Verschluss vom alten Kanonenofen. Zutage kam aber auch ein Druckluftbehälter eines Flugzeugs aus dem zweiten Weltkrieg. Wenn man das ganze Flughafengelände allerdings weiter nach dieser Methode untersucht hätte, würde man in drei Jahren noch nicht fertig sein, meinte Knan. Mittlerweile gibt es die Erlaubnis, dass der obere Bodenaushub abgeräumt werden darf und nach dem Zwischenlagern näher untersucht wird. Anschließend soll der Untergrund noch einmal in der Tiefe gescannt werden. Die Behörde forderte kurzfristig allerdings noch, dass der Baggerfahrer hinter Panzerglas sitzt. Dazu musste erst Spezialgerät besorgt werden. „Wieder ein Tag Verzug“, ärgerte sich Knan. Für ihn sind die Unstimmigkeiten zwischen Behörde und einer Firma, die seit 20 Jahren in der Munitionsbergung tätig ist, unerklärlich.

Übrigens: Als noch unter einem anderen Eigentümer der erste Teil des Vorfeldes auf dem Parchimer Airport gebaut wurde, war man offenbar weniger pingelig. Knan liegt nach eigenen Worten ein Dokument des Munitionsbergungsdienstes vor, wonach damals der Bau des Vorfeldes überhaupt nicht durch die Behörde frei gegeben war.

Sowohl für die Betonarbeiten am Vorfeld als auch an der Start- und Landebahn wurde eine Mischanlage auf dem Flugplatz installiert. Die Sanierung der Landebahn, die ebenfalls in diesem Jahr erfolgen soll, kostet laut Knan allein 30 Millionen Euro. Hinzu kommen fünf Millionen für Befeuerung und andere Technik. Ebenfalls möglichst noch in diesem Jahr soll der Bau von neuer Abflughalle einschließlich Covention Center mit Hotelzimmern und Konferenzräumen beginnen. Die Finanzierung sei sicher gestellt, so Knan. „Wir werden keine Fördermittel für den Ausbau des Flughafens beantragen.“ Es handele sich um ein rein privates Investment. Der vom Investor mit Planung und Umsetzung des Flughafenausbaus beauftragte Knan spricht zudem von einer „sehr, sehr guten Zusammenarbeit“ mit dem Landkreis. „Wir glauben, der Landkreis hat erkannt, welches Potenzial im Flughafen steckt.“

 

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erstellt am 09.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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