Autobahn 24 : Bagger knabbert Brücke weg

Mit einer Kraft von rund 150 Tonnen in den Backenspitzen „beißt“ die Abbruchschere zu und trägt die alte Brücke nach und nach ab.
Mit einer Kraft von rund 150 Tonnen in den Backenspitzen „beißt“ die Abbruchschere zu und trägt die alte Brücke nach und nach ab.

Bauarbeiter schieben am Wochenende Nachtschichten, um das Bauwerk über der Autobahn 24 abzureißen. Ein neues Kreuz entsteht in der Nähe.

svz.de von
09. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Mit einem dumpfen Knarzen pressen sich die Greifbacken der riesigen Zange in den Beton. Der Bagger neigt sich leicht nach hinten, dann nach vorn und wieder nach hinten. Doch der Stahlbeton des Brückenüberbaus gibt nicht nach. Die hydraulische Abbruchschere öffnet sich und beißt einen halben Meter entfernt wieder zu. Der Baggerarm drückt nach oben und nach unten, dann löst sich ein Brocken aus dem Überbau der Brücke. Das tonnenschwere Teil stürzt mehrere Meter nach unten – doch es landet weich. „Um die Fahrbahnen zu schützen, wurde eine rund einen Meter starke Schicht aus Sand aufgeschüttet“, erklärt Dirk Dannenberg, Bauleiter vom Straßenbauamt Schwerin. Von der Seite rollt ein weiterer Bagger heran, der das Betonstück greift und ein paar Meter weiter wieder abwirft. „Der Schutt bleibt zunächst im Baufeld und wird erst nach Ende der Abrissarbeiten abtransportiert“, so Dannenberg. „Die Zeit drängt. In elf Stunden soll der Verkehr hier wieder rollen.“

Der Abbruch der Brücke, die die A 14 am Dreieck Schwerin nahe Dreenkrögen über die A 24 geführt hatte, läuft in mehreren Phasen. Möglich ist das, weil das 1984 aus Fertigteilen errichtete Bauwerk eine Vier-Feld-Brücke ist – für jede Richtungsfahrbahn der A14 eine selbstständige Teilbrücke mit zwei Feldern. Nachdem vor Tagen bereits äußere Teile abgerissen worden waren, folgen nun die vier Felder, die sich direkt über der A 24 befinden. Dafür war die A 24 am Freitagabend, 20 Uhr, in Richtung Hamburg voll gesperrt worden. In Richtung Berlin rollt der Verkehr – mit begrenzter Geschwindigkeit – weiter. Winkelstützwände aus Stahl, Wellblech und Gerüstschutznetze trennen die Fahrbahn vom Abbruchfeld. Der ursprüngliche Plan, den entstehenden Staub mit Wasser zu binden, wurde verworfen. „Das wäre bei den jetzigen Temperaturen zu gefährlich gewesen“, erklärt Dirk Dannenberg. Probleme gibt es trotzdem nicht. Der Wind treibt den Staub in die andere Richtung.

Die insgesamt 16 Männer von der Abbruch Büchert GmbH aus Rostock und der Papenburg Verkehrswegebau GmbH, die an diesem Wochenende Nachtschichten schieben müssen, arbeiten ohne Unterlass. Punkt 10 Uhr am nächsten Morgen muss die gesperrte Richtungsfahrbahn wieder frei sein. Bis dahin müssen rund 500 Kubikmeter Schutt und der Sandberg beiseite geschafft sein. Doch es sieht gut aus. Nach gut zwei Stunden haben die beiden Bagger, die sich von zwei Seiten durch die Brücke knabbern, schon mehr als die Hälfte des Überbaus geschafft. „Noch etwa eine Stunde für den Überbau und dann noch die sechs Stützen. Wir liegen im Zeitplan“, sagt Firmenchef Martin Büchert gegen Mitternacht, während er den nächsten „Biss“ der Abbruchschere beobachtet. Mit einer Kraft von 150 Tonnen an den Backenspitzen und 400 Tonnen weiter oben packt sie zu.

Der Abbruch der insgesamt rund 60 Meter langen Brücke ist Teil des Bauprojekts „Umbau des Autobahndreiecks Schwerin zum Autobahnkreuz“, für das die Firma Papenburg den Zuschlag bekommen hatte. Das Investitionsvolumen beträgt rund 25 Millionen Euro. Die Abrissarbeiten vom Wochenende – in der Nacht zum Sonntag folgte der Abbruch der Felder über der Richtungsfahrbahn Berlin – hätten auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen können. „Das Kreuz entsteht an anderer Stelle“, erläutert Dirk Dannenberg und weist in die Dunkelheit. „Auf der Südseite der A 24 läuft bereits die Tiefgründung für die südlichen Widerlager der neuen Brücken.“ Geplant sind vier Teilbauwerke – für zwei Richtungsfahrbahnen und zwei Verteilerfahrbahnen. Diesmal allerdings nicht in Fertigteilbauweise, sondern mit Hilfe von Spannbeton.

In einem Jahr sollen die Bauwerke fertig sein. Dann kommen Autofahrer wieder auf direktem Weg von der A 14 auf die A 24. Viel weiter in Richtung Süden aber noch nicht. Fertigstellungstermin für die Verkehrseinheit 7 vom ehemaligen Dreieck Schwerin bis zur künftigen Anschlussstelle Grabow, zu der auch das neue Autobahnkreuz gehört, ist erst im Dezember 2015. Der eigentliche Straßenbau hat in diesem Bauabschnitt gerade erst begonnen.

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