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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 15:25 Uhr

Ludwigslust : Bäume fielen – ohne Käferlarven

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Landschaftsökologe begleitete Fällaktion am Kirchenplatz zum Schutz des Eremiten. Nur eine einstige Höhle des Rosenkäfers gefunden

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Entwarnung für den Eremiten: Beim Fällen von drei Linden am Kirchenplatz sind gestern keine Larven des streng geschützten Käfers gefunden worden. Nando Schult von der Grabower Baumpflege hatte die Bäume, die laut einem Gutachten nicht mehr bruch- und standsicher waren (SVZ berichtete), unter den kritischen Blicken von Paul Blei Stück für Stück abgetragen. Der Landschaftsökologe hielt nach Spuren des Eremiten Ausschau und stieß dann tatsächlich auf etwas Verdächtiges. „Auf einmal kam eine Höhle mit Mulm zum Vorschein, wie sie der Eremit für die Brut nutzt “, berichtete Paul Blei. „In diesem abgestorbenen Holzmaterial entwickeln sich die Larven über vier Jahre, ehe sie sich verpuppen.“ Der Landschaftsökologe untersuchte den Mulm genau, siebte ihn durch und entdeckte schließlich kleine Kot-Pillen. „Deren Größe verriet mir dann aber, dass die Höhle vom Rosenkäfer genutzt worden war“, so Paul Blei. „Sie muss aber schon sehr lange verlassen gewesen sein, weil sich keinerlei Reste von Käfern fanden.“

Der Blick auf die Linde verriet dem Landschaftsökologen aber noch etwas Anderes. „Der Stamm ist von Weißfäule durchsetzt, es sind keine Jahresringe mehr erkennbar“, so Paul Blei. Und eine kleine schwarze Linie zeige, dass er auch vom Brandkrustenpilz befallen war. „Der Baum wäre in den nächsten Jahren abgängig geworden.“

Für Stadtförster Karl August Ihde steht fest: „Das, was im Baumgutachten stand, hat sich voll bestätigt.“ Insgesamt 47 Linden am Kirchenplatz waren darin als nicht mehr bruch- und standsicher bewertet worden. Bei den anderen 44 wird ab kommender Woche die Krone abgenommen, um der Verkehrssicherungspflicht genüge zu tun. Mit diesem Kronensicherungsschnitt wird ein sofortiges Fällen verhindert, das zu dieser Jahreszeit in der Regel nicht mehr erlaubt ist. Wann die Stämme endgültig gefällt werden, steht laut Karl August Ihde noch nicht fest. Zudem sollen bei weiteren Linden am Kirchenplatz die Kronen um zwei Meter eingekürzt bzw. ein normaler Kronenschnitt zur Totholzbeseitigung gemacht werden.

Linden können zumindest in der freien Landschaft, abseits von Straßen und Industrie, unter guten Bedingungen laut Stadtförster ein Alter von bis zu 400 bis 600 Jahren erreichen. Die Bäume am Kirchenplatz sind erst 140 bis 150 Jahre alt. „Sie waren aber zu Herzogs Zeiten mal gekappt worden“, erklärte Karl August Ihde. „Ein Kappen führt aber dazu, dass die neuen Äste nicht mehr die Anbindung ans Kernholz bekommen und deshalb zum Ausbrechen neigen.“

Als gestern der letzte Stamm gefallen war, stieß Paul Blei durch Klopfen erneut auf einen verdächtigen Hohlraum. Durch einen Spaltschnitt kam er an den Mulm. „Ohne Befund, im Mulm war nichts drin“, sagte der Landschaftsökologe. „Die Höhle war von der Außenwelt abgekoppelt.“

 

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