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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 08:35 Uhr

Auszubildende sind "Mangelware"

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erstellt am 14.Aug.2012 | 10:15 Uhr

Ludwigslust | Die ersten Schulabgänger haben ihre Berufsausbildung begonnen. Andere starten erst Anfang September. Aber viele Betriebe werden dann ohne Azubis dastehen. "Eine Bewerberflut wie noch vor wenigen Jahren gibt es nicht mehr", beschreibt Anja Rosemann von der Agentur für Arbeit, zuständig für die Arbeitgeber im Landkreis Ludwigslust-Parchim, die derzeitige Situation. Vor allem das sinkende Bildungsniveau spielt hierbei eine tragende Rolle und dass, obwohl die Arbeitgeber ihre Ansprüche bereits abgesenkt haben, erläutert Rosemann. Dabei mangelt es den zukünftigen Lehrlingen nicht nur an Schulwissen, sondern häufig auch an der sozialen Komponente. "Pünktlichkeit, Disziplin und die Auffassung `die Arbeit zu erledigen und nicht das zu machen, auf was ich Bock habe’ sind die Hauptkritikpunkte der Arbeitgeber " verdeutlicht die Mitarbeiterin der Arbeitsagentur, "viele wissen nicht einmal, dass man guten Tag sagt".

Auch wenn nicht alle Ausbildungsplätze bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind, stehen doch im Geschäftsstellenbereich Ludwigslust seit Beginn des Berichtsjahres 265 Berufsausbildungsstellen lediglich 233 Bewerber gegenüber. Noch drastischer wird die Zahl, betrachtet man die aktuell unbesetzten Ausbildungsstellen. Diese liegen mit 119 fast doppelt so hoch wie die derzeit noch 61 unversorgten Bewerber.

Einer der betroffenen Arbeitgeber ist Elektromeister Hans-Werner Beutell aus Ludwigslust, der noch einen Lehrling zum Energie- und Gebäudetechniker sucht. "Bewerbungen hatte ich genug und auch einige Vorstellungsgespräche", berichtete Beutell, "aber es gab immer verschiedene Auffassungen. Häufig waren die Umstände und die Art der Arbeit der Grund." Ähnlich sind die Erfahrungen von Siegfried Lange, der eine Schweißtechnik und Metallbau Firma in Ludwigslust betreibt, auch wenn die wenigen Bewerber nicht sein Hauptkritikpunkt sind. "Ich habe zwar zwei Bewerber eingestellt, aber man merkt, dass es weniger Lehrlinge werden, die einen Beruf erlernen, in dem sie wirklich arbeiten müssen."

Und auch im Betrieb der Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten sind Lehrlinge Mangelware. "Unsere sechs ausgeschriebenen Stellen sind noch nicht besetzt", so eine Mitarbeiterin der Personalabteilung, die im negativen Leumund des Fleischerhandwerks die Ursache des Bewerbermangels sieht. "Wir nehmen natürlich noch gerne Bewerbungen an, sollten diese allerdings nicht eintreffen, bleiben die Lehrstellen unbesetzt. Weniger Probleme, passende Azubis zu finden hat das Landratsamt Ludwigslust Parchim. "Wir haben alle unsere sechs Ausbildungsstellen zum Verwaltungsfachangestellten mühelos besetzen können", teilte Nannett Koslowski auf Anfrage mit, führt aber auch gleich möglich Gründe an. "Natürlich hatten wir früher deutlich mehr Bewerber, aber der öffentliche Dienst ist immer noch attraktiv und viele junge Leute wollen auch in der Region bleiben."

So viel Glück haben längst nicht alle Betriebe im Landkreis. Besonders in der Tourismusbranche und im Hotel- und Gaststätten-, sowie im Handwerksbereich gibt es noch viele offene Lehrstellen. Allerdings "gibt es kein Gesetz, welches den Betrieben vorschreibt, wann die Ausbildung beginnt", veranschaulicht Anja Rosemann. Und dennoch storniert sie täglich mehr Ausbildungsstellen, als besetzt werden. Trotzdem appelliert Rosemann an alle Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz haben, sich bei ihr zu melden. "Wenn jemand wirklich will, finde ich für ihn den passenden Ausbildungsplatz."

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