Zoff in Dömitz um DDR-Spielzeug : "Ausstellungstitel nicht treffend"

<strong>Aus vier von fünf Schaufenstern </strong>wurde der Schriftzug 'DDR' nachträglich entfernt, weil die Ausstellung auch Spielzeug aus Zeiten vor der Gründung und nach der Wende zeigt, heißt es vom Festkomitee der Stadt Dömitz.<fotos> Harald Schulz</fotos>
Aus vier von fünf Schaufenstern wurde der Schriftzug "DDR" nachträglich entfernt, weil die Ausstellung auch Spielzeug aus Zeiten vor der Gründung und nach der Wende zeigt, heißt es vom Festkomitee der Stadt Dömitz. Harald Schulz

So recht hat niemand vom Festkomitee der Stadt Dömitz zum Stadtjubiläum mit diesem Ungemach gerechnet. Der tragende Titel der Ausstellung "Spielzeug aus DDR-Zeiten" fand nicht die Zustimmung des Gremiums.

svz.de von
01. Juni 2012, 10:09 Uhr

Dömitz | So recht hat niemand vom Festkomitee der Stadt Dömitz zum 775-jährigen Stadtjubiläum im kommenden Juni mit diesem Ungemach gerechnet. Der tragende Titel "Spielzeug aus DDR-Zeiten", einer von privater Hand initiierten und mittlerweile in Schaufenstern in der Friedrich-Franz-Straße zu sehenden Ausstellung, fand nicht die Zustimmung des Festgremiums. Als Folge blieb nur noch ein Schaufenster mit dem Schriftzug "DDR-Spielzeug" übrig. Was ebenfalls bleibt, ist die Enttäuschung von Sabine Schinkel, der eigentlichen Ideengeberin, und zahlreichen älteren Dömitzern; sowie das Unverständnis seitens des Festkomitees über die Aufregungen. Die Runde sieht diese Ausstellung nicht als ein zentrales Ereignis im Vorfeld und für die Feierlichkeiten. Der Vorsitzende des Festkomitees Herbert Vollbrecht empfindet das Ausstellungsthema im Sinne von "Kinderspielzeug aus vergangenen Tagen" durchaus gut gewählt. Der nur auf Spielzeug aus DDR-Zeiten hinweisende Titel sei jedoch "nicht treffend", was auch die Exponate aufzeigen würden. "Wir waren uns im Festausschuss einig, dass der Schriftzug DDR ersetzt werden muss. Das 775-jährige Stadtjubiläum beinhaltet weit mehr als die Entwicklung von Dömitz innerhalb der DDR-Geschichte."

Wie Vollbrecht in diesem Zusammenhang betont, gehe es ihm darum, das Jubiläum als besonderes Fest für die Stadt zu organisieren und Dömitz den Gästen und Touristen an diesen Festtagen von seinen schönsten Seiten zu präsentieren. Ein Bild, das in der Öffentlichkeit haften bleibt und der Stadt weiterhilft, so Herbert Vollbrecht für das Dömitzer Festkomitee.

Dass es doch ernste Gespräche hinter verschlossenen Türen gegeben haben muss, davon zeugt das Stillschweigen der Vorsitzenden des Dömitzer Vereins "Leben und Kultur" (LuK), Mandy Botzler. Sie war auf Anfrage der SVZ zu keiner Stellungnahme bereit, verwies ausschließlich auf den Festausschuss.

Selbst Mitglied im LuK-Verein, hatte Sabine Schinkel auf die Unterstützung aus dieser Gemeinschaft gesetzt. Die Idee war der Herstellerin von Kindermöbeln bereits zu Jahresbeginn in den Sinn gekommen. Sie rief auch in der SVZ dazu auf, altes DDR-Spielzeug in ihrem Dömitzer Unternehmen abzugeben. Aus der Idee wurden fünf Schaufenster in der Friedrich-Franz-Straße, die der LuK-Verein vornehmlich mit Spielzeug aus der DDR bestückte.

In einem persönlichem Vier-Augen-Gespräch einigten sich Vollbrecht und die Dömitzerin Christel Fuhrmann über ein anders gelagertes, jedoch ebenfalls eng mit der DDR verbundenes Ereignis: Die Zwangsaussiedlungen. Als Kind von dem gewaltsam erzwungenen Abtransport ihrer Eltern betroffene Zeitzeugin wird die 85-Jährige eine kleine Ausstellung in der Nähe ihres Wohnhauses präsentieren; selbst dazu Hintergründe und Augenzeugenberichte beitragen. Als Vorsitzender meinte Vollbrecht, dass auch diese Zeit Platz in der Dömitzer Geschichte haben müsse.

Allerdings sei sein Ziel für die Jubiläumstage, die Stadt von den positiven Seiten zu zeigen. Doch akzeptiere er solche Beiträge im Rahmen des Gesamtkonzeptes.

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