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dömitz : Aus! Schicksal des Dömitzer Kaufhauses besiegelt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wahrzeichen der Elbestadt fällt Dauerstreit des Besitzers Kai Hagen mit dem Finanzamt zum Opfer

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Die Glocken der Dömitzer Johanneskirche läuten in den trüben Spätvormittag. Es klingt wie ein letzter Gruß an das gegenüberliegende Kaufhaus der Elbestadt. Noch sind die Fenster erleuchtet, aber schon bald ist es vorbei damit. Am morgigen Freitag fällt der Hammer. Das hat der Besitzer des Hauses, der Düsseldorfer Unternehmer Kai Hagen, den drei Nutzern des Kaufhauses mitgeteilt. Es ist die letzte noch verbliebene Immobilie des Geschäftsmannes im Mecklenburgischen. Hagen hatte einst das Erbe seines Vaters Friedrich Hagen angetreten, der als alter Vielanker etwas für seine Heimat tun wollte. Der Sohn trat in seine Fußstapfen, erbaute das Vielanker Brauhaus und machte es zur angesagten Adresse der Gegend. Hagen klotzte ran mit etlichen Projekten – eines war die Wiederbelebung des Dömitzer Kaufhauses.

Bonjour, Tristesse! Das befürchten in Übereinstimmung die Kaufhaus-Nutzer und auch Bürgermeisterin Renate Vollbrecht. Die großen Schaufenster werden wieder zugenagelt werden müssen, damit der Vandalismus nicht leichtes Spiel bekommt. Ein Wahrzeichen wird wieder eingemottet. Ein Stückchen weit damit auch das Zentrum des malerisch gelegenen Elbestädtchens, denn im Sommer fanden insbesondere viele Fahrradtouristen den Weg zum Kaufhaus, um sich hier umzuschauen und auch etwas einzukaufen. Im Bücherladen von Martin Larsen, in der Poststelle von Andreas Hüttmann, dem neuen Besitzer des Vielanker Brauhauses, und bei Ursula Beller-Wolter, die Möbel und Mode anbietet.

Bürgermeisterin Renate Vollbrecht ist enttäuscht. „Ich hätte mir die letzten Monate meiner Amtszeit als Bürgermeisterin auch anders vorgestellt“, gesteht sie. „Im Moment bemühe ich mich darum, für die jetzigen Nutzer des Kaufhauses andere Ladenflächen in der Stadt zu finden“, so Renate Vollbrecht. Dabei sah es Ende des letzten Jahres noch sehr gut für den Standort Kaufhaus aus. Weitere Nutzer standen in den Startlöchern, eine Eisdiele war sogar im Gespräch, es hätte eine richtig gute Geschichte für Dömitz hinzukommen können. Der Vertrag mit dem Düsseldorfer Geschäftsmann war fertig, die Bürgermeisterin hat ihn im Dezember unterschrieben an den Rhein geschickt. Als auch bis Mitte Januar kein Zeichen aus Düsseldorf kam, ist Renate Vollbrecht immer unwohler geworden, wie sie gesteht. Schließlich hat sie angerufen und die bedrückende Neuigkeit erfahren. Bestürzend auch für Ursula Beller-Wolter, die nun 130 Quadratmeter adäquate Ladenfläche in der Elbestadt finden muss. Und das von jetzt auf gleich. „Ein neues Geschäft muss erst hergerichtet werden. Das wird ein paar Wochen dauern“, sagt sie und hat den Eigentümer parallel dazu anwaltlich aufgefordert, die Frist bis zur Schließung des Hauses zu verlängern.

„Es tut mir wahnsinnig Leid, sowohl für die Dömitzer als auch speziell für die Bürgermeisterin, die sich so engagiert hat“, sagt Kai Hagen im SVZ-Gespräch. Er soll 400 000 Euro Umsatzsteuer für die Dömitzer Hafengastronomie an das Finanzamt Hagenow nachzahlen. Hagen als Privatmann hatte die Immobilie an eine seiner Gesellschaften verpachtet, um zunächst mietgemindert wirtschaften zu können. Als Anschub-Bonus, wie auch in anderen Fällen üblich. „Sonst wäre die Hafengastronomie schnell pleite gewesen“, sagt Hagen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung steht an. „Ich möchte das Gleiche nicht mit dem Kaufhaus erleben und muss die Notbremse ziehen“, so der Geschäftsmann. Kosten deckend zahlen, das kann dort nämlich niemand adäquat erwirtschaften. Das Kaufhaus verkaufen will der Düsseldorfer zunächst nicht. „Wir werden es konservieren und die gerichtliche Auseinandersetzung abwarten. Dann sehen wir weiter“, sagt Kai Hagen.

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