Neustadt-Glewe : Aus Pappeln werden Skulpturen

Cornelia Schmidt (l.) und Elisabeth Rosenkranz malen vor Beginn der Holzarbeiten ein Modell ihrer Skulptur.
Cornelia Schmidt (l.) und Elisabeth Rosenkranz malen vor Beginn der Holzarbeiten ein Modell ihrer Skulptur.

Kreativ-Projekt auf der Burg in Neustadt-Glewe gestartet / Holzarbeiten sollen biblische Geschichten mit der Gegenwart verbinden

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04. März 2014, 07:00 Uhr

Axt, Säge, Beitel und Stemmeisen sind gegenwärtig Werkzeuge, die auf der Burg in Neustadt-Glewe gebraucht werden. Jeden Dienstag treffen sich hier zehn Frauen, Männer und Kinder aus der Lewitzstadt, um Holz zu bearbeiten. Doch es geht nicht darum, das Holz einfach nur zu bearbeiten. Im Ergebnis ihrer Arbeit sollen Holzskulpturen entstehen.

Die Idee zu dem Projekt hatte Pastorin Silke Draeger. „Ziel ist es, Skulpturen zu schaffen, die einen Bezug zwischen biblischen Geschichten und der heutigen modernen Lebenswelt haben. Denn die biblischen Geschichten sind durchaus übertragbar auf die Gegenwart. Die Themen sollen auch dazu beitragen, über die Tiefe des Lebens nachzudenken.“

Insgesamt fünf Paare arbeiten an dem Projekt, an dem sowohl Menschen verschiedener Stadtteile Neustadt-Glewes und der Region als auch unterschiedlichen Alters beteiligt sind. Deshalb sieht Pastorin Silke Draeger die Arbeit auch so, dass sie verschiedene Generationen verbinden soll. Durchgeführt wird das Projekt vom Förderverein der Stadtkirche Neustadt-Glewe e. V. gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde. Unterstützung gibt es von der Stadt. „Sie hat uns die zu bearbeitenden Baumstämme (Pappeln, die wegen Altersschäden abgeholzt werden mussten – d. R.) zur Verfügung gestellt, ebenso den Innenhof und die Räumlichkeiten der Burg“, sagt Silke Draeger. „Für die Unterstützung möchten wir uns herzlich bedanken.“ Die Arbeit kostet rund 6000 Euro. An der Finanzierung beteiligen sich der Kirchenkreis Mecklenburg und die Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin.

Natürlich sind die Ausführenden nicht unbedingt Kunsthandwerker. Deshalb hat der bekannte Bildhauer Christian Wetzel die künstlerische und handwerkliche Begleitung übernommen.

Vor wenigen Tagen begann jetzt die praktische Umsetzung. Jedes Paar hat seine Idee für die eigene Skulptur entwickelt. Cornelia Schmidt und die Schülerin Elisabeth Rosenkranz aus Neustadt-Glewe zum Beispiel befassen sich mit dem Thema „Maria – Welche Belastungen müssen Frauen heute tragen“. Im Ergebnis dessen werden sie eine Skulptur gestalten, die eine Frau darstellt und eine Lastenschale trägt.

Bei der Gestaltung der Skulpturen ist auch Geduld gefragt. Denn aus dem Baumstamm in einem Zuge eine Skulptur zu gestalten, geht nicht. Für Cornelia Schmidt ist das Ganze dann auch ein Lernprozess. Sie fühlt sich an den alten Straßenkehrer Beppo aus dem Buch „Momo“ erinnert, der von einer langen Straße spricht, die man vor sich hat. „...die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen... und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr.“ Das Geheimnis, dass Beppo verrät, ist, dass man nie an die ganze Straße denken darf, sondern die Arbeit immer Schritt für Schritt machen darf. Für Cornelia Schmidt ist dieses Geheimnis durchaus übertragbar auf die Arbeit an der Skulptur.

Die Holzarbeiten sollen ab Pfingstsonnabend, dem 7. Juni, neben der Stadtkirche ausgestellt werden. Silke Draeger: Zuvor sind alle Interessenten jeden Dienstag ab 17 Uhr eingeladen, den Fortgang der Arbeiten auf der Burg zu verfolgen.

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