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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 22:45 Uhr

Neustadt-Glewe : Aus Feinden wurden Freunde

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Polnische Überlebende des ehemaligen KZ-Außenlagers Neustadt-Glewe zu Gast in der Regionalen Schule „Karl Scharfenberg“

von
erstellt am 01.Mai.2014 | 19:00 Uhr

Sie spricht sehr leise, anwortet in ihrer Muttersprache und wartet geduldig, bis der Dolmetscher ihre Worte übersetzt hat. Janina Iwanska ist Überlebende des ehemaligen Außenlagers Neustadt-Glewe des Frauen-KZ Ravensbrück.

Am Mittwoch besuchte die heute 84-jährige Polin die Regionale Schule „Karl Scharfenberg“ in Neustadt-Glewe. Im Atrium hatten sich mitttags die Schülerinnen und Schüler der beiden 10. Klassen versammelt. Sie sind heute etwa so alt wie Janina Iwanska im Mai 1945, als das Neustädter Lager befreit wurde.

Sie hatten viele Fragen, die Janina Iwanska alle beantwortete. Zum Beispiel die nach der Verpflegung und der Situation damals im Lager. „Es gab zwei Mahlzeiten am Tag“, erzählte Janina Iwanska. „Morgens 100 Gramm Brot und zehn Gramm Margarine, mittags eine Kartoffel und eine Kräutersuppe. Wir Kinder durften einmal in der Woche zum Waschen. Zum Schlafen gab es für sechs bis acht Personen eine Decke.“

Ob sie nach der Befreiung Kontakt zur Neustädter Bevölkerung gehabt hätte, wollte ein Schüler wissen. „Nein. Wir kamen zwar in die Stadt, aber fast alle Menschen waren weg und die Häuser zumindest zeitweise leer. Wir haben uns dort Lebensmittel und Kleidung genommen, damit wir die KZ-Kleidung los wurden.“

Welche Meinung sie vom deutschen Volk habe, war eine weitere Frage. „Der Krieg und die Leiden haben mich so geprägt, dass ich nie deutsch lernen und auch nie wieder nach Deutschland wollte“, erinnert sich die Überlebende. „Doch heute bedauere ich das, denn sonst könnte ich mich hier besser mit Euch verständigen.“

Denn seit sie Anfang des neuen Jahrtausends erstmals wieder nach Neustadt-Glewe und damit nach Deutschland kam, habe sich vieles in ihr verändert. „Ich wurde sehr herzlich empfangen. Das Bild von den Deutschen veränderte sich zum positiven. Ich sah, dass diejenigen, die mir soviel Leid angetan hatten, nicht mehr da waren und die heutigen Deutschen nicht mehr mit denen von damals zu vergleichen sind. Das Bild des Deutschen änderte sich für mich vom Feind zum Freund.“

Für die Jugendlichen waren die anderthalb Stunden am Mittwoch lehrreicher als jede Unterrichtsstunde. Patrick Becker aus der 10 a: „Es ist sehr interessant und wichtig, einen Zeitzeugen zu hören, der aus eigenem Erleben berichtet.“

 

 

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