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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 01:21 Uhr

Ludwigslust : Aus Fehlern anderer lernen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Drogenpräventionsprojekt am Goethe-Gymnasium

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2015 | 08:53 Uhr

„Ich habe unter anderem wegen Körperverletzung, Raub und Diebstahl im Gefängnis gesessen. Ich war ein Idiot“, sagt Frank Plamp und schaut den Schülern der 9. Klassen des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust in die Augen. Auch Jacqueline Witt und Stanley Heller berichten aus ihrem Leben, in dem sie früher aufgrund von Drogen- und Alkoholkonsum die Kontrolle über sich verloren hatten. Die Gründe für ihre Vergangenheit erzählen die drei den Jugendlichen bei ihremProjekt zum Thema Sucht in der Schule.

„Wir wollen unsere Schüler auf das Leben vorbereiten“, sagt Ramona Stein, Sozialarbeiterin und Sportlehrerin des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust. Drogen und Alkohol seien ihrer Meinung nach in allen sozialen Schichten vertreten und aus diesem Grund sei es wichtig, die Schüler schon früh auf die Gefahren hinzuweisen.

Bereits zum sechsten Mal wird das Projekt in den neunten Klasse des Gymnasiums durchgeführt. Den Schülern werden in drei Modulen je 90 Minuten die theoretischen Grundlagen zum Thema Sucht vermittelt. So werden Hintergründe zu den Suchtmitteln „Alkohol und Nikotin“ sowie „illegale Drogen“ nähergebracht.

Anschließend können sich die Schüler die Erfahrungsberichte der ehemals Süchtigen anhören: So erzählt Stanley Heller (26) aus Dresden, dass er von der Droge Crystal abhängig war. Ein falscher Freundeskreis, der Rausschmiss während seiner ersten Ausbildung und die Trennung von seiner Freundin ließen ihn unter anderem zu der Droge greifen.

Irgendwann habe er sich dann durch kriminelle Handlungen Geld beschaffen müssen, um so weiter konsumieren zu können. „Doch dann kam der Punkt, an dem ich bemerkt habe, dass ich so nicht weiter machen kann“, sagt Heller. Er brach den Kontakt zu seinem alten Freundeskreis ab und begab sich zur Therapie in die Fachklinik für Drogenabhängige „Schloss Tessin“.

Auch Jacqueline Witt (25) aus Rostock wird momentan dort behandelt. Ihr fehlte der Halt aus ihrem Elternhaus: „Geborgenheit und ein Glücksgefühl, das Eltern eigentlich vermitteln müssten, gab es in meiner Kindheit nicht“, so Witt. Sie lebte eine Zeit im Heim, kam dann zu einer Pflegefamilie. Später brach sie die Schule ab, dealte mit Drogen, um an Geld zu kommen und wurde mit 18 Jahren obdachlos. „Ich wollte Anerkennung bekommen, deshalb hab ich Drogen genommen“, sagt Witt.

Zusammen mit Olaf Saretzki, Lehrer in der Klinik, stellten Stanley Heller und Jacqueline Witt sich anschließend den vielen Fragen der Neuntklässler: „Haben ihre Eltern nicht eingegriffen?“, „Hatten Sie Angst durch die Drogen zu sterben?“ und „Wird man bei einem Rückfall aus der Klinik geworfen?“

Anschließend erzählt auch Frank Plamp seine Lebensgeschichte: fehlende Liebe der Eltern sowie Gewalt bestimmten seine Kindheit. „Ich wusste als Kind wie es sich anfühlt, ein Opfer zu sein“, sagt Plamp. Mit zwölf Jahren kam er das erste Mal mit Alkohol in Berührung, er verfiel der Sucht und wurde zum stadtbekannten Schläger. Dann klickten kurz darauf die Handschellen, wie er es beschrieb. „Ich habe erst später gemerkt, dass ich ein Idiot war“, sagt er.

Während er seine Lebensgeschichte erzählt, gibt er den Schülern Ratschläge auf den Weg: „Wer sich richtig in der Gegenwart verhält, muss auch keine Angst vor der Zukunft haben“ und „Gute Freunde sind da, wenn es dir auch mal nicht so gut geht und die Brieftasche leer ist.“

Die neunten Klassen hören den Rednern gespannt zu, ab und zu ging auch ein Tuscheln durch den Raum. „Ich finde es interessant, was die Menschen über die Sucht zu erzählen haben“, sagt Lena (15). Auch Lucas (15) findet es spannend zu erfahren, wie die Betroffenen es geschafft haben, wieder aus ihrer Abhängigkeit herauszukommen und jetzt ihre Ziele zu verfolgen.

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