Neustadt-Glewe : Aus der Tiefe kommt der Erfolg

Das Heizwerk in Neustadt-Glewe
Das Heizwerk in Neustadt-Glewe

Erdwärme Neustadt-Glewe GmbH erstmals mit Gewinnausschüttung an Gesellschafter

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23. Juni 2017, 07:00 Uhr

„Wir haben hier mit 99 Grad das kälteste Wasser, Island und Bayern beispielsweise haben deutlich wärmeres Wasser“, lacht Christian Rosenkranz, Aufsichtsratsvorsitzender der Erdwärme Neustadt-Glewe GmbH. Was wie ein Scherz klingt, ist aber wahr. Denn es geht um das Thermalwasser, über 2000 Meter tief unter Neustadt-Glewe. Seit über zwei Jahrzehnten wird es an die Oberfläche gepumpt und sorgt dafür, dass die Stadt mit Heizwärme aus Geothermie versorgt wird.

Auch wenn das Wasser mit knapp unter 100 Grad gegenüber erwähnte Quellen in Island und Bayern relativ „kalt“ ist und somit die „Produzenten“ der Heizwärme vor entsprechende Herausforderungen stellt, ist Christian Rosenkranz zufrieden. „Erstmals in der 25-jährigen Geschichte des Unternehmens wird es jetzt eine Gewinnausschüttung an die Gesellschafter geben“, sagt er. Der Aufsichtsrat habe, so Rosenkranz, einen Grundsatzbeschluss gefasst, wonach künftig – beginnend mit 2016 – 80 Prozent des Jahresgewinns an die Gesellschafter (Stadt Neustadt-Glewe, Wemag, Erdwärme Neubrandenburg) ausgeschüttet wird.

2016 machte das Unternehmen ein Plus von rund 453  000 Euro. Entsprechend des Beschlusses werden rund 362  600 Euro ausgeschüttet. Die Stadt Neustadt-Glewe, die als Gesellschafter 47 Prozent der Anteile hält, bekommt etwa 170  000 Euro vor Steuern.

Christian Rosenkranz, der auch CDU-Fraktionsvorsitzender in der Stadtvertretung ist, sagt: „Es gibt unter den Fraktionsvorsitzenden und der Stadtverwaltung Überlegungen, in Neustadt-Glewe eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, die verschiedene Projekte initiiert. Das Geld aus den Ausschüttungen könnte in diese Stiftung fließen.“ Rosenkranz hofft, dass es gelingt, in dieser Frage bis zum Herbst zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Erdwärme Neustadt-Glewe GmbH wurde am 1. Januar 1992 gegründet, versorgt heute 70 Prozent der Einwohner im Stadtgebiet. Allein im vergangenen Jahr wurden 547  000 Kubikmeter Thermalwasser gefördert und im Heizwerk 863 Megawatt Energie produziert.

Das fast 100 Grad heiße Wasser wird aus rund 2300 Metern Tiefe gepumpt und dortigen porösen Gesteinsformationen entzogen (Förderbohrung). Knapp 1400 Meter von dieser Bohrung entfernt wird das Wasser per Injektionsbohrung wieder in die Tiefe geleitet. Zwischen beiden Bohrungen wird das Wasser zuvor im Heizkraftwerk durch den Wärmeaustauscher in das Fernwärmenetz geleitet, so dass Wohnhäuser und Gewerbe mit umweltfreundlicher Heizenergie versorgt werden. Hat das Wasser des Netzes seine Wärme zum Teil abgegeben und ist nur noch rund 50 Grad warm, wird es im Wärmeaustauscher erwärmt und nochmals in des Fernwärmenetz eingespeist. Anschließend gelangt es über die Injektionsbohrung zurück in die Tiefe.

Den Erfolg des Unternehmens, für den auch der Gewinn aus dem Vorjahr spricht, begründet Christian Rosenkranz unter anderem so: „Seit 25 Jahren wird sehr konservativ und wirtschaftlich gearbeitet. Es gibt keine Schulden, dafür aber eine hohe Eigenkapitalquote.“

Rosenkranz hofft, dass die umwelt- und kostenschonende Erdwärme künftig von noch mehr Gewerbetreibenden, Einwohnern und Einrichtungen genutzt wird. „Es gibt einen grundsätzlichen Konsens der Fraktionen für einen Anschluss und Benutzerzwang hinsichtlich der Erdwärme“, so Christian Rosenkranz. Dies sei auch deshalb geboten, weil das Unternehmen Sicherheit brauche beispielsweise hinsichtlich weiterer Investitionen in das Leitungsnetz.

Mit der immer umfangreicheren Nutzung der Erdwärme kommt Neustadt-Glewe auch der angestrebten CO2-Neutralität näher, das heißt, es wird immer weniger Kohlendioxid ausgestoßen.

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