Alt Krenzlin : Aus der Situation das Beste machen

Alt-Krenzliner Gemeindevertretung will bei Windkraft wegen fehlenden Mitbestimmungsrechts pragmatisch handeln

von
07. Juni 2016, 07:00 Uhr

Die Gemeindevertretung Alt Krenzlin sieht sich mit lautstarkem Protest von Bürgern aus der Gemeinde gegen ein Windeignungsgebiet auf ihrem Territorium konfrontiert. Den Vorwurf, dass sie die Einwohner hintergehen würde und aus welchen Gründen auch immer befangen sei, dass wollen die allesamt ehrenamtlichen Gemeindevertreter nicht auf sich sitzen lassen. Die überwiegende Mehrheit der Gemeindevertretung hatte sich deshalb im Alt-Krenzliner Dorfgemeinschaftshaus zusammengefunden, um ihre Position gegenüber der SVZ noch einmal deutlich zu machen. Und da beginnt die unterschiedliche Interpretation in der Kommune gleich bei den von der Alt-Krenzliner Bürgerinitiative „Gegenwind“ ins Feld geführten drei Umfragen, nach denen sich eine Mehrheit gegen Windkraft in der Gemeinde ausgesprochen hatte.

„Als die letzte Befragung 2014 durchgeführt wurde, hatten wir noch eine ganz andere Situation“, erinnert Gemeindevertreter Jörn Bludovsky. „Da hatten wir als Gemeinde noch das Vetorecht. Wenn wir Nein gesagt hätten, wären auch keine Windkraftanlagen auf unserem Territorium gebaut worden. 2015 war die Situation schon anders.“ Und die ist bekanntlich der Situation geschuldet, dass MV ehrgeizige Ziele bei der Energiewende hegt. Also soll momentan überall dort gebaut werden, wo die Kriterien Windeignungsgebiete zulassen. Gemeindewille hin oder her. „Also ist es doch vernünftig, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Bürgermeister Rainer Schmidt. „Außerdem: Atomkraft wollen wir nicht, Kohlekraftwerke auch nicht. Also müssen wir uns doch was einfallen lassen, wo der Strom denn herkommen soll.“

Auf Gemeindegebiet gibt es momentan in der Tat ein vom Regionalen Planungsverband ausgewiesenes Windeignungsgebiet – Änderungen nicht ausgeschlossen, denn es ist bereits von 250 auf 150 Hektar reduziert worden. „Wir werden wahrscheinlich Ende Oktober dieses Jahres zu einer Informationsveranstaltung einladen“, so Schmidt weiter. Dann würden auch die Planungsfirmen „Enercon“ und „Naturwind“ dabei sein und Zahlen nennen können, die den Nutzen für die Gemeinde widerspiegeln würden. Denn dem Alt-Krenzliner Gemeindehaushalt geht es nicht anders als vielen anderen auch. Die Gemeinde befindet sich in der Haushaltskonsolidierung, das heißt, sie muss sparen. „Sollen wir unsere Dorfgemeinschaftshäuser verkaufen? Dann würden wir Treffpunkte für die Bürger in unseren Ortsteilen aufgeben. Das wollen wir nicht“, unterstreicht der Bürgermeister.

Also haben sie sich bereits mit dem Thema Windkraft beschäftigt und Kontakt nach Schlalach aufgenommen. In dem brandenburgischen Dorf südwestlich von Berlin gibt es bereits Erfahrungen mit der Teilhabe an einem Windpark. „Wir sind gewählt worden, um alles für das Wohl der Gemeinde zu tun“, sagt Gemeindevertreter Michael Mehnert. „Ob ein Windpark bei uns entsteht, das haben wir sowieso nicht zu entscheiden. Also können wir doch wenigstens beeinflussen, was geht“, ergänzt der zweite stellvertretende Bürgermeister Frank Model.

Das Thema Windkraft ist in der Gemeinde Alt Krenzlin omnipräsent. Es gibt eine heftige Gegnerschaft, wie sich auf der letzten Sitzung der Gemeindevertretung im Ortsteil Klein Krams deutlich zeigte (SVZ berichtete). Die Einwohner Karl-Heinz Woelk, Heidrun Friedrichs und Erich Bechmann hatten mit Hilfe der Kommunalaufsicht des Landkreises und des Amtes Ludwigslust-Land durchgesetzt, dass sich die Gemeindevertretung trotz einer ursprünglichen Ablehnung noch einmal mit einem Bürgerantrag gegen die Ausweisung von Windeignungsgebieten, der 41 Unterschriften trägt, beschäftigen musste. Dabei war deutlich geworden, dass die Gräben in der Gemeinde zwischen Windkraftgegnern und -befürwortern, die sich schon vor Jahren aufgetan haben, inzwischen sehr tief sind.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen