neustadt-glewe : Aus der Erinnerung lernen

Neustadt-Glewe begeht 72. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers / Zeitzeugen haben ihr Kommen angekündigt

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25. April 2017, 21:00 Uhr

…„Würden wir uns ein Auslöschen dieser Erinnerung wünschen, dann wären wir selbst die ersten Opfer einer Selbsttäuschung. Denn es ist vor allem unser Interesse, aus der Erinnerung zu lernen. Die Erinnerung gibt uns Kraft, weil sie Irrwege vermeiden hilft.“ (Aus der Ansprache von Bundespräsident Roman Herzog zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am 19. Januar 1996.).

„Wenn ich gefragt werde, welche Bedeutung das Gedenken zum Jahrestag der Befreiung für mich hat, erinnere ich mich stets an diese Aussage des damaligen Bundespräsidenten“, sagt Britta Kley, Museumsleiterin auf der Burg in Neustadt-Glewe.

Britta Kley bereitet in diesen Tagen das würdige Gedenken an die Befreiung des Außenlagers des Frauen-KZ Ravensbrück in Neustadt-Glewe durch sowjetische Soldaten am 2. Mai 1945 vor. Für Britta Kley ist in diesem Zusammenhang der Kontakt zu Zeitzeugen wichtig. „Deshalb freue ich mich, dass auch in diesem Jahr wieder Gäste aus Polen zu uns kommen werden: Janina Iwanska sowie die beiden Schwestern Josefa Baranska und Hanna Gontarszyk. Sie waren 13, 14 und 15 Jahre alt, als sie befreit wurden.“ Ebenso freut sich Britta Kley, dass sich erneut auch Gäste aus Frankreich angesagt haben: Sophie und Jean-Pierre Roder sowie Florenz Metra. Die Mütter der beiden Frauen waren Häftlinge in Neustadt-Glewe. Zum Gedenken Anfang Mai hat auch Tonny Meyer aus den Niederlanden, deren Schwiegervater als 18-jähriger Fremdarbeiter nach Neustadt-Glewe kam und in den Dornierwerken arbeiten musste, ihre Teilnahme zugesagt.

Den Auftakt der Veranstaltungen anlässlich des 72. Jahrestages der Befreiung des Außenlagers in Neustadt-Glewe bildet am kommenden Dienstag, dem 2. Mai, die Kranzniederlegung mit einem Stillen Gedenken. Ort ist das ehemalige Lagergelände am Flugplatz Neustadt-Glewe. „Dazu sind um 9.30 Uhr alle Bürger und Interessenten eingeladen“, sagt Britta Kley. Stadtpräsidentin Silvia Weinaug wird die Teilnehmer begrüßen. Schüler und Schülerinnen der Regionalen Schule „Karl Scharfenberg“ werden das Gedenken musikalisch und mit Rezitationen begleiten. Dem schließt sich auf dem Neustädter Friedhof ein Gedenken für 46 Ermordete des Konzentrationslagers sowie weitere 20 Opfer des Faschismus an. Wie Britta Kley weiter informiert, nehmen Vertreter der Stadt sowie Gäste danach an der Gedenkveranstaltung des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V. an der Gedenkstätte des ehemaligen Lagergeländes an der L 072 teil, ebenso an der Einweihung der Gedenkstätte im Neu-Lüblower Wald.

Ein Zeitzeugengespräch mit dem Bildhauer Wieland Schmiedel ist ebenfalls am 2. Mai ab 16.30 Uhr in der Galerie der Neustädter Burg geplant. Schmiedel präsentiert hier derzeit seine Ausstellung „Erinnern heute für morgen“ (SVZ berichtete). Wer an dem Gespräch teilnehmen möchte, kann sich unter Tel. 038757-500  64 oder -65 anmelden.

Britta Kley betont, dass es ehemaligen Häftlingen wie auch deren Angehörigen sehr wichtig sei, mit Menschen hier ins Gespräch zu kommen. „Gleiches trifft aber beispielsweise auch für unsere Schüler zu“, so Britta Kley. „Direkter Kontakt zu Zeitzeugen bringt ihnen die Geschichte besser als Zahlen aus Büchern näher.“ Genau diesem Zweck dient ein Zeitzeugengespräch am 3. Mai in der Karl-Scharfenberg-Schule.



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