Silvesterschmaus aus Weselsdorf : Aus dem Teich frisch auf den Tisch

Diesen kapitalen Karpfen fing Daniel. Wer in Weselsdorf angelt, kann zwischen Angelteich und Kiloteich wählen.
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Diesen kapitalen Karpfen fing Daniel. Wer in Weselsdorf angelt, kann zwischen Angelteich und Kiloteich wählen.

Hochbetrieb am Angelteich: Bei Egbert Ide in Weselsdorf können sich Gäste aussuchen, ob sie die Fische selbst fangen oder fangen lassen

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27. Dezember 2017, 20:45 Uhr

„Wollt Ihr angeln?“, fragt Egbert Ide den Vater, der mit seinem kleinen Sohn die Hütte am Angelteich betritt. „Nein heute nicht“, antwortet der. „Heute brauchen wir schnell etwas fürs Mittagessen.“ Ide schnappt sich den Kescher, läuft mit den Gästen über den Steg zu den Hälterbecken. Hunderte Forellen tummeln sich darin. Ein gezielter Griff ins Becken reicht und in Ides Kescher zappeln sechs Regenbogenforellen.

Für diese Ausbeute muss Harry schon länger warten. Seit 8 Uhr morgens sitzt der 82-Jährige am Ufer des Forellenteiches. In den ersten zwei Stunden haben fünf Forellen angebissen. „Das reicht für die Familie und die Nachbarn.“ Harry gehört zu den Stammgästen der Weselsdorfer Angelteiche. Zwei Mal in der Woche ist er mindestens hier. „Frische Luft, Ruhe, Natur und guten Fisch. Was will man mehr“, sagt er. Die Anlage hat das ganze Jahr über geöffnet. Selbst am Silvestertag können sich die Besucher ihr Festessen noch selbst angeln oder von Egbert Ide keschern lassen.

Egbert Ide hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit 2001 betreibt der ehemalige Tiefbauer die Angelteiche in Weselsdorf.
Hennes
Egbert Ide hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit 2001 betreibt der ehemalige Tiefbauer die Angelteiche in Weselsdorf.
 

Der leidenschaftliche Angler hat sich mit den Angelteichen einen Traum erfüllt. Jahrelang war er als Tiefbauer und Baggerfahrer für die Arbeit durch ganz Deutschland gereist. „Irgendwann war es genug und ich wollte das machen, was ich wirklich liebe“, sagt er. „ Mein Hobby ist jetzt mein Beruf. Da guckt man dann auch nicht mehr auf die Uhr und arbeitet sogar auch in der Nacht gern.“ Morgen muss er um 4 Uhr aufstehen. Noch im Dunkeln wird er Karpfen und Forellen keschern, sie ins mit Sauerstoff versetzte Wasserbecken seines Fischwagens setzen und damit nach Ludwigslust zum Supermarkt in die Klenower Straße fahren. Dort können sich die Kunden ab 7 Uhr ihren Silvesterschmaus aussuchen, den Ide dann einfängt und vor Ort ausnimmt. Übermorgen fährt Ide zu selben Zeit nach Malliß. Meistens, sagt er, sind die Fische in nur zwei Stunden alle verkauft.

Die Zeiten, in denen man den Karpfen zuhause noch in der Badewanne schwimmen ließ, damit er den modrigen Geschmack verliert, sind lange vorbei. „Das ist schlimme Tierquälerei“, sagt Ide. Außerdem: Modrig hätten seine Karpfen noch nie geschmeckt. Der Teich, in dem sie aufwachsen, diente früher als Kiesgrube für den Schienenbau und war danach lange Zeit ein sauberer Bagger-Badesee.

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