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Ludwigsluster Tageblatt

18. Dezember 2017 | 21:11 Uhr

Ludwigslust : Aufbruch aus der Sprachlosigkeit

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

In Vorbereitung von MVs kommunalem Flüchtlingsgipfel suchen Sozialministerin und Landrat das Gespräch mit Betroffenen

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 07:00 Uhr

Herr D. ist Syrer und voller Angst um seine Familie. Seine Frau und die zwei Töchter hat er mitten im Kriegsgebiet zurücklassen müssen. Vor zwei Monaten ist er nach Deutschland gekommen, um das Leben für seine Familie hier vorzubereiten. Das wirkliche Problem: Die Unkenntnis der deutschen Sprache.

So schwierig hatte Herr D., der in Hagenow gelandet ist, sich das nicht vorgestellt. Immerhin spricht er fließend Englisch. Was er nicht ahnen konnte: Bei der Ausländerbehörde und in den anderen kommunalen Amtszimmern des Landkreises Ludwigslust-Parchim beherrscht so gut wie niemand diese Sprache. Daraus entstehen schier unüberwindliche Hürden. Ganz zu schweigen von den Formularen, des deutschen Beamten liebstes Kind, die auch nur in Deutsch abgefasst sind. Dabei ginge es anders. Elaheh Fakherynik aus dem Iran hat es durch eine einfache Internetrecherche herausgefunden. „Bei der deutschen Botschaft in Beirut gibt es die gleichen Formulare in Arabisch“, sagt sie.

Sozialministerin Birgit Hesse, der die beiden das erzählen, verhehlt nicht, dass sie angesichts der Flüchtlingsschicksale sprachlos ist – jedenfalls gegenwärtig. Am 16. Februar soll es einen Flüchtlingsgipfel bei Ministerpräsident Sellering geben. Die kommunale Ebene ist mit von der Partie. Hesse und Landrat Rolf Christiansen sind zur Vorbereitung des Treffens in das neue Büro der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Ludwigsluster Alexandrinenplatz gekommen. Und da sitzen sie ihnen gegenüber: Herr D. aus Syrien, Elaheh Fakherynik, die liebevoll Elli genannt wird, die Schülerin Israa Khaled Salem aus Palästina und die Roma-Frau aus Serbien mit ihren beiden Töchtern.

Vier unterschiedliche Schicksale, die zum Teil sehr betroffen machen. Die aber gleichzeitig auch Mut stiften können. Elli, die sechs Sprachen spricht, auch fließend Deutsch, arbeitet seit kurzem bei der Awo. Israa geht in die neunte Klasse der Lennéschule Ludwigslust. Sie spricht fließend Deutsch und ist integriert, macht gegenwärtig ein Schülerpraktikum bei der Awo. Sie gehören zu denen, die andere, die neu hierher kommen, bei ihrer Integration in die Gesellschaft helfen können. Eine Hilfe, die gern angenommen würde. Das allein allerdings wird nicht genügen, da sind sich die Sozialministerin, der Landrat und Dr. Caroline Bockmeyer, Geschäftsführerin der Awo Ludwigslust, einig.

Deutlich wird immer wieder: Mit der Sprache steht und fällt alles. Das weiß auch Kerstin Finger. Die Awo-Mitarbeiterin betreut Flüchtlinge und Asylsuchende. Und sie weiß, dass die Lage alarmierend ist. Die Hilfesuchenden würden plötzlich vor der Tür stehen, und ihnen müsse schnell geholfen werden. Es gibt vieles, was zu klären ist. Vor allem natürlich die Sprachfrage. Integrationskurse an Schulen wären nötig, pensionierte Lehrer für den Deutschunterricht gelte es zu gewinnen. Zwölftklässler geben bereits Deutschunterrricht in der Gemeinschaftsunterkunft. Auch viele andere Probleme gilt es zu klären. Eines ist deutlich: Die Integration von Ausländern befindet sich erst am Anfang.

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