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Seiteneinsteiger als Lehrer : Auf Umwegen vor die Klasse

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Seiteneinsteiger Bernd Wolle besteht seine Abschlusslehrprobe und hofft damit auf eine entfristete Anstellung als Lehrer in Malliß

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2016 | 11:47 Uhr

Englisch mit der Fünften. Besser hätte es Bernd Wolle mit seiner Abschlusslehrprobe nicht treffen können. „Die Kids aus der Fünften sind engagiert, kreativ und leise“, sagt er. „Trotzdem. Ich geb’s zu, ich war aufgeregt. Man weiß ja nie vor einer Stunde, ob es wirklich so läuft, wie man sich das als Lehrer vorgestellt hat.“

Es lief. Noch am selben Tag gratulierten Wolles Mentorin Evi Westphal, der Betreuer für Seiteneinsteiger Jörg Upahl und die Schulleitung dem 56-Jährigen zur bestandenen Lehrprobe.

Zwei Wochen ist das jetzt her. Mit dem „Zeugnis“ könnte Bernd Wolle ab nächstem Jahr unbefristet als Deutsch- und Englisch-Lehrer an der Mallißer Regionalschule weiterarbeiten. „Der Antrag dafür liegt beim Schweriner Schulamt“, sagt Schulleiterin Rosemarie Quade. „Wir hoffen, dass es klappt. Schließlich haben wir ihn an unserer Schule ja auch mit aufgebaut.“

Wolle hat Anglistik und Germanistik studiert, sich später in der IT qualifiziert und lange Zeit in einer Hamburger Internet-Firma gearbeitet. Später war er Vertriebsmitarbeiter und Controller.

Zum Lehrerberuf fand er eher durch Zufall. Ein alter Freund, der Schulleiter in Hamburg war, bat ihn am Gymnasium in Deutsch und Englisch auszuhelfen. „Schon nach drei Monaten habe ich gemerkt, dass mir das liegt“, sagt Bernd Wolle. „Und das Wichtigste: Es machte auch noch Spaß.“ Es folgten weitere Vertretungen. Immer befristet. „Mehr als einen Ein-Jahresvertrag bekommt man nicht als Aushilfe“, sagt Wolle. Weil in Hamburg keine Lehrer-Fortbildung für Seiteneinsteiger möglich ist, hat er es in MV versucht. „Die Bedingungen hier sind gut“, sagt er. Beim Institut für Lehrerfortbildung (IQMV) habe er in Tageskursen in Schwerin, Rostock und Rehna Grundlagen von Methodik, Didaktik, Schulrecht, Medienpädagogik und Sonderpädagogik vermittelt bekommen. „Komprimiert, aber ausreichend.“

Eines hat Bernd Wolle schnell gemerkt: „Egal nach welcher Methodik, egal mit welchen Medien man unterrichtet. Ob ein Lehrer erfolgreich ist, steht und fällt mit der Person.“ Gut ausgebildete Lehrer müssten nicht zwangsläufig auch gute Pädagogen sein. Dass Wolle ein guter Pädagoge ist, davon ist sein Betreuer Jörg Upahl von der IQMV überzeugt. „Es hat Freude gemacht, ihm beim Unterrichten zuzusehen. Er hat ein Händchen dafür.“ Wie Bernd Wolle haben in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern 60 Seiteneinsteiger den Weg in den Lehrerberuf gefunden. „Nur ganz wenige steigen aus“, sagt Upahl. „Die das machen, wollen das auch.“

Bernd Wolle freut sich auf den neuen Lebensabschnitt als Lehrer. Auch wenn noch viele Fortbildungsstunden vor ihm liegen und er erst in fünf Jahren den Antrag auf Anerkennung der Lehrbefähigung stellen darf. Die bestandene Prüfung gibt ihm Recht: „Für Neues ist es nie zu spät.“

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