Ludwigslust : Auf Suche nach dem Stammlager

Anja Fischer und Ramona Ramsenthaler (r.) hoffen, dass es Menschen gibt, die noch etwas über das Stalag II E und das Schicksal der Menschen, die in die Arbeitskommandos gezwungen wurden, wissen.
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Anja Fischer und Ramona Ramsenthaler (r.) hoffen, dass es Menschen gibt, die noch etwas über das Stalag II E und das Schicksal der Menschen, die in die Arbeitskommandos gezwungen wurden, wissen.

Interesse aus dem Ausland lässt ein Stück unaufgeklärte Geschichte um das „Stalag II E“ wieder in den Mittelpunkt rücken

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05. April 2017, 07:00 Uhr

Am 27. Mai wird es in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin ein ganz besonderes Treffen geben. Joseph René Dailler aus Frankreich kommt gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Sohn, und er ist bereit, aus dem Tagebuch seines Vaters vorzulesen. Der Besuch beleuchtet ein ganz eigenes Kapitel des Zweiten Weltkrieges, das in Westmecklenburg geschrieben worden ist. Im Mittelpunkt steht dabei das Stammlager (Stalag) II E, das seinen Standort in Schwerin hatte, und in dem unter anderem französische Kriegsgefangene interniert und in Arbeitskommandos aufgeteilt waren. Der Vater von Monsieur Dailler gehörte zu ihnen.

Pastorin Anja Fischer aus Schwerin hat schon einiges über dieses Stück Vergangenheit herausgefunden. Ausgangspunkt ist ihre persönliche Geschichte. Ihre Großmutter hatte in Ostpreußen gewohnt. Auf der Flucht wurden sie und ihr französischer Partner getrennt. Er galt als umgekommen. Doch Anja Fischer hat nicht aufgegeben und konnte schließlich über den Verein „Coeur sans frontières“ (Herz ohne Grenzen) Kontakt zur Familie ihres Großvaters aufnehmen, der allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben war. Doch mit der Familie ist sie bis heute befreundet. Anja Fischer weiß, dass es bezüglich des Schicksals der Kriegsgefangenen noch einiges aufzuarbeiten gilt.

Monsieur Dailler möchte viel wissen. Wo zum Beispiel die Baracke im Stalag II E stand, in der sein Vater einige Monate gelebt hat, bevor er zu Bauern nach Alt Meteln kam. Er möchte auch Rubow besichtigen, wo die Zwangsarbeiter 1945 untergebracht waren, ehe sie in die Heimat zurückkehren durften. Das Interesse aus dem Ausland lässt wieder Fragezeichen aufstehen, die mit dem Stammlager II E zusammenhängen.Anja Fischer hat sich an die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin gewandt und in deren Leiterin Ramona Ramsenthaler eine engagierte Unterstützerin gefunden. Doch es werden noch detaillierte Informationen gebraucht.

Im Grünen Tal in Schwerin weist ein Denkmal auf das frühere Stammlager hin. Im Wald bei Stern Buchholz sind die sterblichen Überreste von rund 500 Gefangenen gefunden worden. „Das können nicht alle gewesen sein“, ist Anja Fischer sicher. Es müsse noch mehr Grabfelder geben. Mehrere tausend Kriegsgefangene waren in dem Lager – außer Franzosen auch Russen. Das Lager stand unter dem Befehl der Wehrmacht. Die sei dafür bekannt gewesen, akribisch Unterlagen zu führen. Diese aber sind bis heute nicht wieder gefunden worden. Die Hoffnung ruht auch auf Zeitzeugen, die sich an Begebenheiten um das Stammlager II E erinnern können.

„Das Lager muss seit 1942 mehrere Standorte gehabt haben“, meint Ramona Ramsenthaler. In Betracht kommt der Bereich Stern Buchholz und Neu-Zippendorf. Wo erfolgte die Bestattung der Toten? War jemand an früheren Exhumierungen beteiligt oder hat die Schaffung der Gedenkstätte 1962 erlebt? Gab es Begegnungen mit Kriegsgefangenen oder gibt es Erzählungen von Vätern und Großvätern darüber? Ab 1942 waren die Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft eingesetzt. In welchen Familien waren sie tätig? Wer Auskunft geben möchte, kann sich an Anja Fischer (0157 56124848, afischerschwerin@aol.com) oder an die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin (038753 80792) wenden.

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