Gegner der Dammsanierung unterwegs : Auf Protestfahrt für die Lewitz-Natur

<strong>Vor der heutigen Protestfahrt nach Magdeburg</strong> versammelten sich gestern Organisator Ralf Ottmann (Zweiter von links) und Gegner der Dammsanierung, darunter MdL Silke Gajekt (links), zu einem Protestmarsch entlang des Stör-Kanals. <foto>Harald Schulz</foto>
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Vor der heutigen Protestfahrt nach Magdeburg versammelten sich gestern Organisator Ralf Ottmann (Zweiter von links) und Gegner der Dammsanierung, darunter MdL Silke Gajekt (links), zu einem Protestmarsch entlang des Stör-Kanals. Harald Schulz

„Stoppt diesen Wahnsinn“ steht auf dem Transparent, mit dem 40 Gegner gegen die Fällung von Bäumen bei Neustadt und für die Lewitz-Natur heute vor der Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Magdeburg protestieren.

svz.de von
22. Januar 2013, 05:52 Uhr

Tuckhude | "Stoppt diesen Wahnsinn" steht in roten Lettern auf dem Transparent, mit dem 40 Gegner um Organisator Ralf Ottmann aus Tuckhude heute Vormittag vor der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost (WSD) in Magdeburg gegen die aktuelle Planung der Dammsanierung der Müritz-Elde-Wasserstraße und des Stör-Kanals in Höhe von Neustadt-Glewe protestieren werden. Insbesondere richtet sich der Protest gegen das Fällen von geschützten 270 Stil-Eichen und weiteren knapp 200 Bäumen. Die sollen in Verantwortung der WSD Ost beidseitig entlang des Dammes gerodet werden. Mit dem Bus, den ein Busunternehmer aus Neustadt-Glewe gesponsert hat, ging es nach dem letzten Halt vom Ludwigsluster Alexandrinenplatz non-stopp nach Magdeburg. Die Pressestelle der WSD hat bereits die Zusage mitgeteilt, mit den Protestlern ins Gespräch zu kommen. Es könnte ein fruchtbares Gespräch geben, denn die Protestler sind nicht kategorisch gegen eine Dammsanierung, sondern lehnen das Wie ab.

"Es ist unsere letzte Chance diese Baumaßnahme in der Ausführung zu verändern. Das Planfeststellungsverfahren soll noch in diesem Monat abgeschlossen werden", informierte der ehrenamtliche Lewitz-Ranger und Naturschützer gestern im Verlauf eines Protestmarsches auf der Dammkrone. An dem Marsch beteiligte sich erneut die Landtagsabgeordnete Silke Gajek (Bündnis90/Grüne).

Diese Chance könnte tatsächlich größer sein, als die besagte Nadel im Heuhaufen zu finden, erläuterte Ottmann auf dem Damm. "Die bisherigen Einwendungen der Umweltverbände und durch die Landespartei "Bündnis90/Grüne" habe eine neuerliche Anhörung der Umweltverbände ausgelöst. Dadurch sei das Planfeststellungsverfahren noch nicht festgeschrieben. Ottmann kritisiert: "Durch das Fällen der Bäume gehen Nist- und Brutorte für die Vogelwelt, aber ganz besonders für seltene Arten von Fledermäusen für immer verloren. Der Bauherr hätte bereits mit der Planung sofort Ersatz schaffen müssen; beispielsweise durch Naturwald-Parzellen. Tatsächlich werden als Ausgleich nur 15 Brutkästen angeboten. Ein Unding", rügt Ottmann.

Auch MdL Gajek kritisierte gestern nahe Tuckhude entschieden die Maßnahme: "Durch die Dammsanierung wird eine einzigartige Natur zerstört. Deshalb muss nicht die zweite, sondern die beste Lösung gewählt werden. In einem Land, das ganz besonders auf den Tourismus setzt, müssen geschützte Fledermäuse, Silberreiher, Adler, Biber und auch der Eremit-Käfer als so genannte Botschafter ihren Lebensraum behalten." Das Vorkommen dieses kleinen Juchtenkäfers könnte tatsächlich große Auswirkungen auf die Dammsanierung haben - der Osmoderma eremita ist durch den Artenschutz streng geschützt. Zum gestrigen Protestmarsch war auch Jürgen Gärtner aus Parchim angereist. Er gilt als Spezialist für den Käfer und war Ranger für die Sternberger Seenlandschaft. Der Naturfreund hat am Stör-Kanal im Sanierungsgebiet Kotreste des Tierchens gefunden. Die werden derzeit zur exakten Bestimmung fachkundlich untersucht.

Den Protest unterstützen laut Ottmann aktuell 1700 Menschen per Unterschriftsliste, Landes- und Kreispolitiker, der BUND, Anglervereine, die BI Alt Kenzlin, der Landesjagdverband und die Landespartei Bündnis90/Grüne. Wie Ottmann informierte, habe sich das zuständige Ministerium Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz im Land hingegen für die derzeitige Planung ausgesprochen.

Die WSD Ost vertritt bislang die Auffassung, das im Bereich der MEW, Kilometer 50,600 bis 55,980 und im Bereich der Stör-Wasserstraße die Dämme aus Sicherheitsgründen saniert werden müssen. Die Dämme hätten sich im Laufe der Jahrzehnte gesetzt und sollen wieder auf eine Höhe gebracht werden,

die ca. 50 cm (Freibord) über dem bisher höchsten Wasserstand liegt. Dazu seien Rodungen und Auffüllungen erforderlich. Eine Verbreiterung der Dämme erfolgt zu Sicherung der Bauwerke gegen Hochwasser.

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