Velo Classico Germany 2017 : Auf Holzfelgen zur Genießertour

Mit einem Fahrrad von 1936 ging Andreas Schulze an den Start. Am Stand von Gerhard Pohl suchte er eine Flaschenhalterung.
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Mit einem Fahrrad von 1936 ging Andreas Schulze an den Start. Am Stand von Gerhard Pohl suchte er eine Flaschenhalterung.

Velo Classico Germany 2017 huldigt die alte Fahrradkultur – und macht Werbung für Ludwigslust und die Region

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17. September 2017, 21:00 Uhr

Nebel wabert über den Rasen. Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln durch das Blätterdach. Dahinter lugt noch ein bisschen verschlafen das Ludwigsluster Schloss zwischen den Bäumen hervor. „Das ist eine der schönsten Startkulissen in ganz Europa“, schwärmt René Wasmund, Streckenchef der Velo Classico Germany 2017. „So etwas gibt es weder in Italien noch in Belgien oder Frankreich.“ Es ist kurz nach 7 Uhr gestern Morgen, als er gut 60 Männer und Frauen von der Hofdamenallee aus auf die 150 Kilometer lange Heldenrunde schickt. Zwei Stunden später sind auch die „Liebhaber“ und die „Genießer“ auf ihren 90 bzw. 45 Kilometer langen Touren.

 

Andreas Schulze war schon am Sonnabend mit der ganzen Familie in Ludwigslust angekommen. Auf dem historischen Teilemarkt blieb er am Stand von Gerhard Pohl hängen. „Ich suche eine Flaschenhalterung“, erklärt er und verweist auf sein Rennrad von 1936. Mit Holzfelgen und zwei Gängen – ohne Schaltung. „Ich muss anhalten, die Kette umlegen und dann weiterfahren“, erklärt der 45-Jährige aus Tangerhütte. „Mit so einem Fahrrad fährt man eigentlich nicht, aber ich mache es trotzdem.“ Andreas Schulze ist zum ersten Mal bei der Velo Classico dabei und schon vor dem eigentlichen Start begeistert. „Gut essen, gut trinken, gemütlich Rad fahren und tolle Menschen, die die Veranstaltung passig machen.“

 

Teilehändler Gerhard Pohl aus Cottbus, der in ganz Deutschland unterwegs ist, geht es nicht anders. „Ich bin hellauf begeistert. Super Ambiente, super Stadt. Ich komme auf jeden Fall wieder nach Ludwigslust“, sagt der 65-Jährige, der aktiver Radsportler und bis zur Wende Trainer war. „Als ich den Schlosspark gesehen habe, war ich von den Socken. Und wie die Häuser samt Balkonen restauriert wurden…“ Der Velo Classico sagt der Cottbuser eine rosige Zukunft voraus. „Das wird mal eine richtig große Veranstaltung, aber es dauert immer eine Weile, bis so etwas richtig zum Laufen kommt“, so Pohl.

Cheforganisator Detlef Koepke ist auch gestern schon glücklich. „Wir sind in diesem Jahr mit tollem Wetter gesegnet, die Leute sind entspannt und allmählich setzt sich die Philosophie, dass die Velo Classico kein Radrennen, sondern Radwandern mit Genuss ist, auch durch.“ Auf verborgenen Wegen durch die typisch mecklenburgische Landschaft, mit Raststationen, die die kulinarische Vielfalt der Region zeigen, mit Gleichgesinnten auf historischen Fahrrädern und im Stil der guten alten Zeit gekleidet.

Auch den einen oder anderen Ludwigsluster zieht es am Wochenende auf den Platz vor dem Rathaus. „Ich möchte die Atmosphäre spüren, sehen, was es so alles gibt“, sagt Karin Luckmann. Sie ist aber auch selbst mit passendem Fahrrad samt Handtasche gekommen. „Das Victoria-Damenrad hatte mein Mann in den 1980er-Jahren aus dem Schrott geholt und für mich aufgebaut“, erzählt die Ludwigslusterin. „Dann wurde es gestohlen, doch irgendwann fand es ein Bekannter in einem Keller wieder.“

Knapp zwei Stunden nach dem Start der Genießer-Runde erreicht gestern Jochen Winter nach 34 Kilometern und einer ersten Rast auf dem Forsthof Jasnitz die Goldschmidt Frischkäse GmbH Kummer. „Wir haben schon einen Schluck Rotwein getrunken und Käsepralinen probiert“, sagt der Schöppenstedter. Manfred Kühn, mit dem er sich unterwegs zusammengetan hat, ergänzt: „Wir fahren ganz gern zügig.“ Das hat aber einen Nachteil, wie der Ludwigsluster beim Blick auf seine Stempelkarte feststellt. „34 Kilometer? Dann sind wir ja schon fast da.“ Im Laufe des Nachmittags erreichen die Radler das Ziel in der Schlossstraße – um die Velo Classico bei Swing, gutem Essen und Trinken gemütlich ausklingen zu lassen.  

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