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Ludwigsluster Tageblatt

17. Dezember 2017 | 01:32 Uhr

Ludwigslust : Auf gepackten Kisten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die Caritas-Schulwerkstatt muss wenige Monate nach ihrem Umzug auch aus den neuen Räumen raus. Derzeit wird um zeitlichen Aufschub und eine langfristige Lösung gerungen.

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 12:22 Uhr

Die letzten Kartons waren noch gar nicht ganz ausgepackt, da musste Birgit Schubert schon wieder ans Einräumen denken. Dabei war die von ihr geleitete Caritas-Schulwerkstatt erst Anfang des Jahres aus dem Wasserturmweg in die Lindenstraße 30 gezogen und hatte sich dort unter dem Dach eingerichtet. „Dann hieß es plötzlich, dass wir wieder raus müssen, weil die Räume zum 1. April neu vermietet seien“, erzählt Birgit Schubert. Bis dahin habe sie weder etwas von diesem Termin gewusst noch einen Mietvertrag gesehen. Ansonsten wäre dieser Umzug auch gar nicht in Frage gekommen.

„Die Unruhe und das ganze Durcheinander für nur drei Monate? Das hätten wir unseren Kindern nicht zugemutet“, sagt Birgit Schubert. Schließlich lernen bei ihr und ihren Kollegen Schüler, bei denen zuvor ein Förderbedarf im sozialen oder emotionalen Bereich diagnostiziert worden war und die deshalb vorübergehend keine reguläre Schule besuchen können. Hinzu kommt der Aufwand: rund 3000 Euro für den Umzugsunternehmer, Zeit und Kraft der Lehrkräfte und der Schüler sowie die vielen Stunden ehrenamtlicher Helfer. „Das Geld hätte man lieber in neue Fenster stecken sollen“, sagt der zwölfjährige Justin. „Der Umzug war auch ganz schön Stress. Einige hatten manchmal keine Lust zu helfen, aber die anderen haben weitergemacht.“

Nach neuen Räumen hatte die Schulwerkstatt schon seit längerer Zeit gesucht. „Das Gebäude im Wasserturmweg wurde über Nachtspeicherheizungen geheizt, hatte keine vernünftige Isolierung und alte Fenster“, sagt Birgit Schubert. „Im Sommer war es dort heiß, im Winter wegen der Heizkosten nicht zu bezahlen.“ Und warm war es dann auch noch nicht. „Im Winter haben wir gefroren. Es war eiskalt“, sagt Justin. „Hier haben wir eine schöne Heizung.“

Doch die Räumlichkeiten in der Lindenstraße, die dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gehören, können nur eine Übergangslösung sein. Dort gibt es weniger Räume, keine Küche und vor allem kein Außengelände. Dafür aber Mitmieter in den unteren Etagen. „Da hat es natürlich schon Beschwerden gegeben, auch wenn wir versuchen, so leise wie möglich zu sein“, so Birgit Schubert. Eine Übergangslösung für drei Monate wäre aber nie eine Option gewesen.

„Da sind in unserem Hause verschiedene Planungen parallel zueinander gelaufen, ohne miteinander abgestimmt worden zu sein“, erklärt auf SVZ-Anfrage Kreissprecher Andreas Bonin. Denn auch der künftige Mieter des Gebäudes ist eine kreisliche Einrichtung – das Servicecenter Westmecklenburg, das unter anderem die Behördennummer 115 betreibt. Dessen derzeitige Räumlichkeiten im Landratsamt seien zu klein und für die zu erfüllenden Aufgaben nicht optimal, begründet Andreas Bonin den geplanten Umzug. Allerdings betont der Kreissprecher auch: „Die Schulwerkstatt wird nicht vor die Tür gesetzt, bevor es keine andere, möglichst gute und möglichst langfristige Lösung gibt.“ Bis Ende März muss die Schulwerkstatt demnach nicht ausziehen. Ziel sei es aber, dass das 115-Servicecenter bis Ende Juni seinen Betrieb in der Lindenstraße aufgenommen hat.

Das kreisliche Jugendamt und die Caritas als Träger arbeiten derzeit gemeinsam an einer Lösung für die Schulwerkstatt. „Es sind mehrere Objekte im Gespräch, bei denen mit den Eigentümern geguckt werden muss, wie diese nutzbar gemacht werden können“, so Andreas Bonin. Dazu sei der Landkreis auch mit der Stadt Ludwigslust im Gespräch.

Parallel dazu hört und schaut sich auch Birgit Schubert nach passenden Immobilien um. Ein Außengelände und die räumliche Nähe zur Lenné-Schule als Kooperationsschule wären wichtig, sagt die Einrichtungsleiterin. Sie hätte sich auch eine Mitnutzung von Räumen im Mehrgenerationenhaus Zebef vorstellen können, was aber bereits abgelehnt worden ist. „Unser größter Wunsch wäre der Erhalt der alten Schulwerkstatt und deren Sanierung“, so Birgit Schubert. „Dort ist die Raumaufteilung gut, alle Räume sind ebenerdig und es gibt ein Außengelände.“

Doch die Sanierung müsste die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes bezahlen. „Die wäre allerdings sehr aufwendig“, macht Bürgermeister Reinhard Mach keine großen Hoffnungen. „Und wenn wir Geld in die Hand nehmen wollen, müssten wir die Sicherheit haben, dass die Einrichtung auf lange Sicht Bestand hat.“

Fakt ist: Alle Beteiligten bemühen sich bereits um eine Lösung für die Schulwerkstatt, die in diesem Jahr ihr Zehnjähriges begehen will. Wo sie dann feiert, ist allerdings noch unklar. 

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