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Ansitz-Drückjagd im Forstrevier Klein Laasch mit 70 Jägern : Auf der Spur von Schwein und Reh

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Das Forstamt Ludwigslust hatte am Sonnabend zur Ansitz-Drückjagd eingeladen, und 70 Jäger sind trotz des regnerischen Wetters in ihre derbe Kluft gestiegen und haben sich in den Wald aufgemacht.

Groß Laasch | Es ist trübe am Sonnabendnachmittag in der Ludwigsluster Region. Am Waldrand nahe der Straße, die an Groß Laasch vorbei nach Klein Laasch führt, herrscht geschäftiges Treiben. Männer haben Pfähle in die Erde gerammt und ein Karree geschaffen, das anschließend mit Fichtenzweigen ausgelegt wird. Dies wird später der so genannte Streckenplatz sein, auf dem die Jäger dem Wild die letzte Ehre erweisen werden.

Das Forstamt Ludwigslust hat an diesem Tag zur Ansitz-Drückjagd eingeladen, und 70 Jäger sind trotz des regnerischen Wetters in ihre derbe Kluft gestiegen und haben sich in den Wald aufgemacht. Unterstützt werden sie von 30 Treibern, die die Aufgabe haben, das Wild aus der Dickung zu drücken - deshalb Drückjagd. Der dies dem Laien erklärt, ist Dr. Holger Voß, Leiter des Forstamtes Ludwigslust, das seinen Sitz in Kremmin hat.

Gegen Mittag ist die Jagd beendet,doch keiner der Jäger macht sich auf den Heimweg. Am Waldweg ist eine Gulaschkanone aufgebaut. Ihr entsteigt verführerischer Duft. Es gibt Gulaschsuppe mit viel Fleisch und ein Heißgetränk vom Stand nebenan dazu. Schüsseltreiben heißt das Essenfassen nach der Jagd in der Jägersprache. Die halbmannshohen Balken der Karreeabgrenzung haben inzwischen kleine spitze Hüte aus Kienspänen erhalten, die zunächst mit gelben Säcken abgedeckt die Nässe fern halten sollen. Sie werden später zum offiziellen Abschluss der Jagd entzündet und zusammen mit dem bereits brennenden wärmenden Lagerfeuer dem Bild auf dem Platz etwas Feierliches verleihen.

Nach und nach treffen die Jäger und Treiber am Streckenplatz ein. Autos mit kleinen Anhängern bringen das Wild zum Streckenplatz. Die Jagdausbeute eines Tages nennt der Waidmann Strecke. Das dürfte selbst blutigen Laien bekannt sein, wohl aber weniger, dass die Ausbeute streng getrennt nach Wildarten ausgelegt wird. Das gehört zum jagdlichen Brauchtum, auf das der Forstamtsleiter verweist und das von den Waidmännern hochgehalten wird. Im Laufe des Tages wird es noch viel mehr Einblicke in die Feinheiten des jagdlichen Brauchtums geben. "Man muss es nicht übertreiben", sagt Holger Voß, doch bestimmte Rituale sind schon dem Selbstwertgefühl eines richtigen Waidmannes geschuldet, daran lässt er keinen Zweifel. Eine kleine Begebenheit wird am Lagerfeuer erzählt,von einem Jäger, der ein Rudel Rotwild ziehen ließ, obwohl es ihm direkt vor die Flinte lief. Das Wild war "hochflüchtig", also in schnellem Lauf unterwegs, und da schießt ein richtiger Waidmann nicht. Zu groß ist das Risiko, nicht richtig zu treffen und das Wild nur krank zu schießen statt es zu erlegen. Die Folge wäre, dass sich das Tier Tage lang dahin schleppt, bis es qualvoll verendet, denn nicht immer hat die so genannte Nachsuche der Jäger mit ihren Hunden Erfolg. Ein richtiger Waidmann ist kein schießwütiger Kerl, der in der Gegend herumballert. "Die Achtung vor der Kreatur nimmt einen hohen Stellenwert ein", unterstreicht denn auch Voß. Jäger sind Regulierer des natürlichen Gleichgewichts im Wald. Das Wild gehört dahin, doch es gilt einen Ausgleich zwischen der Natur und dem in Jahrhunderten gewachsenen Interesse des Menschen an der Nutzung der forstlichen Ressourcen zu finden. Und so darf auch an diesem Morgen nicht alles geschossen werden, was sich vor dem Lauf des Jägers sehen lässt. Nur bestimmtes Wild ist freigegeben. Wer gegen das Gebot verstößt, wird empfindlich zur Kasse gebeten. Die Freigabe zur Jagd richtet sich nach der aktuellen Situation. Sind Äcker umgewühlt und die Saat vernichtet oder die Ernte in Gefahr? Dann ist die Wildschwein-Population zu groß geworden. Für den Wald hingegen sind die Schwarzkittel gut, weil sie in Massen Engerlinge und andere kleine Schädlinge vertilgen. Ist die Rinde am jungen Baumbestand abgeschält und dadurch der Zukunftswald gefährdet? Dann muss der Waidmann in die Rot- und Rehwildpopulation eingreifen. Hat der Förster die Spuren von zu vielen Mäusen im Wald entdeckt? Dann muss Reineke Fuchs verschont werden, denn er sorgt in dieser Hinsicht fürs Gleichgewicht im Wald.

Mit Schweißproben auf Jagd nach der Schweinepest

Über solchen Gesprächen am Lagerfeuer geht die Zeit dahin. Inzwischen ist es früher Nachmittag geworden. Der Streckenplatz füllt sich. Immer mehr Schwarzkittel, Rot- und Rehwild werden gebracht. Alle sind aufgebrochen, das heißt, Innereien sind entfernt worden. Die Körper der Tiere dampfen in den diesigen Nachmittag. Sie müssen richtig lüften, damit das Fleisch nicht verdirbt und später schmackhaft zubereitet werden kann. Die Jäger schauen zu, wie Mitarbeiter der Landesforst dem Schwarzwild "Schweißproben" entnehmen, wie das Blut in der Jägersprache heißt. Die Kreisverwaltung möchte berechtigterweise wissen, wie es um die Schweinepest im Revier bestellt ist, erklärt Axel Paul von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises. Schließlich aber ist auch diese etwas langwierige Prozedur - es kommt auf Sorgfalt an - beendet. Die Jagd nähert sich ihrem offiziellen Ende, der noch einmal ein Höhepunkt werden soll. Fast ehrfürchtig sind einige Waidmänner in den letzten zwei Stunden um den Streckenplatz herumgegangen und haben ihre Handykameras klicken lassen. Es sind manche dabei, die haben ihr erstes Stück Schwarz- oder Rotwild erlegt. 80 Prozent derer, die an diesem Tag ihre Jagdflinten angelegt haben, sind Gastjäger, die teils von weit her angereist sind, zum Beispiel auch aus Dänemark und den Niederlanden. Sie alle sind gespannt darauf, wer heute zum Jagdkönig gekrönt werden wird. "Das ist nicht immer derjenige, der das meiste Wild zur Strecke gebracht hat", erklärt der Forstamtsleiter, "sondern die Disziplin bei der Jagd spielt auch eine große Rolle."

Mittlerweile nehmen etwa zehn Jagdhornbläser den Jägern gegenüber am Streckenplatz Aufstellung. Hörnerklang bricht sich an der Waldkante und zieht über das weite Feld. Die Frauen und Männer blasen die Tot-Signale - jede Wildart hat ihr eigenes. Dazwischen begeben sich die an diesem Tag erfolgreichen Waidmänner nach vorn, um entblößten Hauptes den Schützenbruch in Empfang zu nehmen - einen Zweig, der an den Hut gesteckt wird. Nach der Bekanntgabe des Obertreibers, der eine schön gedrechselten Stock erhält, folgen die Bekanntgabe des Jagdkönigs und des Vizes. Als Dank lassen sie kleine und größere Geldscheine im dargebotenen Hut des Obertreibers verschwinden. Es ist der Dank an diejenigen, die mit lautem Rufen und An-die-Bäume-Schlagen das Wild den Jägern vor die Büchsen getrieben haben.

Die Stimmung ist gut im Rund um den Streckenplatz: Es ist niemand zu Schaden gekommen, auch kein Jagdhund verletzt worden. Die Bläser setzen ihre Hörner an und blasen die Signale "Jagd vorbei" sowie das Halali - und die Jagd dieses Tages ist vorbei. Das Wild wird in die Kühlzelle des Forstamtes gebracht, und die Jäger treten den Heimweg an. Die Strecke dieses Tages ist die beste seit langem, auch der Tatsache geschuldet, dass revierübergreifend gejagt wurde, sowohl im Revier Klein Laasch als auch auf Pachtflächen der Grabower Stadtforst.

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erstellt am 05.Dez.2011 | 09:47 Uhr

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