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Ludwigsluster Tageblatt

15. Dezember 2017 | 17:11 Uhr

Techentin : Auf den Spuren von Isegrim

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Der Ehrenamtliche Marcus Cravaak unterstützt das Wolfsmonitoring in MV. Den aktuellen Umgang mit dem Thema sieht er kritisch.

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Wenn Marcus Cravaak einen Ausflug in die Wälder unserer Region unternimmt, hat er stets seinen Rucksack dabei. Darin befinden sich eine Kamera, ein Zollstock, Tüten, Ethanoldosen und Wattestäbchen. Denn der 40-jährige Techentiner ist ehrenamtlicher Wolfsbetreuer. Eine Tierliebe, die in der letzten Zeit viel Kritik ausgesetzt ist.

Schon seit der jüngsten Kindheit verbringt der gelernte Zahntechniker Marcus Cravaak seine freie Zeit am liebsten in der Natur, angelt gerne. Vor einigen Jahren entschied er sich für eine Wolfspatenschaft, um das seltene Tier zu unterstützen. „Nachdem 2006 hier die ersten Wölfe gesehen wurden, merkte ich, dass es mir nicht reicht, nur Wolfspate zu sein“, erklärt der Naturfreund. Also suchte er den Kontakt zu Norman Stier, dem Koordinator des Wolfsmonitorings in MV. Seit 2009 ist Marcus Cravaak offizieller Wolfsbetreuer des Landes, legte auch zwei Schulungen ab. Dazu gehören zwei Tage theoretischer Unterricht sowie ein Tag in der Natur. „Wir verbrachten einen Tag auf dem Truppenübungsplatz in Lübtheen, suchten typische Wolfsspuren und erkundeten den Lebensraum der Wölfe“, so Marcus Cravaak. Durch die Schulung erhielt er einen Ausweis, den er heute oft nutzen muss. „Es ist gut, so eine Bescheinigung in der Hand zu haben. Denn einige Leute reagieren skeptisch, wenn ich irgendwo unterwegs bin“, erklärt der Ehrenamtliche.

Wenn er sich heute in seiner Freizeit oder am Wochenende auf Spurensuche begibt, hält er nach zwei eindeutigen Indizien für den Wolf Ausschau. „Das sind einmal der Kot und die Pfotenspuren“, erklärt Marcus Cravaak. Der Wolf bewegt sich im geschnürten Trab vorwärts, das ist energiesparend. Wölfe setzen dabei ihre Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten. „Das erkennt man am besten, wenn man der Spur einige Meter folgt“, erklärt der Wolfsbetreuer. Manchmal muss er auch zu einem vermuteten Wolfsriss, um Genetikproben zu entnehmen. So auch im Oktober 2016, als in Niendorf an der Rögnitz eine Rinderherde von Wölfen angegriffen wurde. „Das ist aber eher selten, da ja Volker Demmin der zuständige Rissgutachter ist. Aber in Niendorf war ich als Erster vor Ort“, so Marcus Cravaak.

Um über den Wolf auf dem Laufenden zu bleiben, hat Marcus Cravaak den Newsletter der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe abonniert. Doch in letzter Zeit ignoriert er die E-Mails oft. „Es ist teilweise furchtbar, wie das Thema behandelt wird. Hier gibt es nur Schwarz oder Weiß.“ Besonders kritisch sieht er die geforderte beschränkte Abschussfreigabe. Denn ein toter Wolf könne nichts mehr lernen bzw. dem restlichen Rudel nichts mehr beibringen. Sogenannte Problemwölfe gehören seiner Meinung nach aber aus dem Rudel entnommen. „Wölfe, die trotz Schutz Tiere reißen und dem Menschen zu nahe kommen, müssen entnommen werden“, sagt Marcus Cravaak. So wie Wolf „Kurti“, der in der Nähe von Munster in Niedersachsen lebte und Anfang 2016 zum Abschuss freigegeben wurde. Die Wölfe aus unserer Region sieht er aber nicht als Problemwölfe an. „Die Tierhalter müssen ihre Tiere besser schützen, damit es gar nicht zu Angriffen kommen kann.“ Dazu könnten Förderungen des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt in Anspruch genommen werden.

Aber auch beim Land sieht Marcus Cravaak Probleme. „Ich würde mir wünschen, dass beim Thema Wolf mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird. Damit man den Bürgern vor Ort signalisiert, dass man ihre Ängste ernst nimmt“, sagt der Wolfsbetreuer. Außerdem fehle es an Geld, um das Wolfsmonitoring entsprechend auszuwerten. Daher empfindet es Marcus Cravaak als große Hilfe, wenn Menschen Wolfssichtungen an die offiziellen Stellen melden.

„Für mich gehört der Wolf in unsere heimische Tierwelt und man sollte ihm eine Chance geben“, erklärt Marcus Cravaak abschließend.

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