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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 19:07 Uhr

Grabow : Auf den Spuren jüdischen Lebens

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Erster Stolperstein am gestrigen Donnerstag in Grabow verlegt / Erinnerung vor ehemaliger Wohnstätte von Alfred Wolff

von
erstellt am 24.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Für die Stadt ist es eine Premiere: Erstmals wurde am Donnerstag in Grabow ein Stolperstein verlegt. Er hat seinen Platz im Gehwegpflaster am Steindamm, konkret vor dem Haus Nr. 8. Der Stein erinnert an Alfred Wolff , der laut damaliger Akten bis 1939 hier wohnte und am 9. Dezember jenen Jahres als jüdischer Bürger in das damalige Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert wurde, wo er am 16. Februar 1940 im Alter von 63 Jahren starb. Stolpersteine vor Häusern erinnern bundesweit an Gräueltaten gegenüber den jüdischen Bewohnern während der NS-Diktatur.

Donnerstag gegen 13 Uhr: Grabower Einwohner, darunter Bürgermeister Stefan Sternberg, sowie Schülerinnen und Schüler der Regionalschule „Friedrich Rohr“ mit ihrer Geschichtslehrerin haben sich am Steindamm 8 eingefunden. Der Künstler Gunter Demnig setzt den von ihm angefertigten Stolperstein in das Gehwegpflaster ein. Unmittelbar zuvor hatten Mädchen und Jungen der Schule u.a. Daten aus dem Leben Alfred Wolffs künstlerisch vorgetragen.

Bereits seit Jahren sind Klassen der Schule unterwegs zum Thema „Jüdische Spuren in Grabow“. Die Jugendlichen wollen erforschen, was in den Jahren der NS-Diktatur geschah. Vor allem: Was passierte mit den jüdischen Einwohnern? Derzeit beschäftigen sich beide 9. Klassen sowie die 10. Klasse mit dem Thema. Die Schüler durchforsteten Archive in Grabow, stießen dabei auch auf Alfred Wolff. Björn Kluger, Jugendbildungsreferent im Arbeit und Leben e. V., der das Projekt begleitet, sagt: „Es war ein kniffliger Fall, weil es zunächst sehr wenig Informationen zu Alfred Wolff gab.“ Geschichtslehrerin Gabriele Kosub: „20 Schülerinnen und Schüler arbeiten derzeit an dem Projekt. Um weitere Informationen über Wolff zu bekommen, besuchten wir kürzlich die Gedenkstätte des früheren KZ Sachsenhausen. Anhand dortiger Dokumente erfuhren wir unter anderem, dass Alfred Wolff 1940 an ,Herzmuskelschwäche’ starb. Eine Todesursache wie bei so vielen Häftlingen...“

„Die Nazis umschrieben so die eigentliche Todesursache vieler Häftlinge, die an den Folgen von Hunger, Kälte , Entbehrungen und Folter starben“, ergänzt Björn Kluger.

Paul Zischau aus der 10. Klasse beteiligt sich an dem Projekt. „Ich schreibe meine Jahresarbeit in Geschichte, weil sie mich interessiert. Deshalb arbeite ich auch an dem Projekt mit. Ich bin in der Fotogruppe, habe in der Gedenkstätte Sachsenhausen unter anderem Dokumente zu Alfred Wolff fotografiert.“

Die Jugendlichen wollen ihr Projekt fortsetzen und können dabei auf die Unterstützung der Stadt zählen. Bürgermeister Stefan Sternberg: „Wir freuen uns, dass ein erstes Teilziel an historischer Stätte realisiert werden konnte. Die Verlegung des Stolpersteins kann Auftakt für weitere Verlegungen sein.“ Deshalb werden die Jugendlichen weiter forschen, auch das Gespräch mit älteren Bewohnern suchen.

 

 

 

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