Zugvögel in Sückau : Auf dem Weg ins Winterquartier

Frisch mit einem Sender versehen, schwingt sich dieser Storch in die Lüfte.
Frisch mit einem Sender versehen, schwingt sich dieser Storch in die Lüfte.

Störche sind aufgrund der Trockenheit schon wieder auf ihrer großen Reise nach Süden

svz.de von
15. August 2018, 05:00 Uhr

Die Störche in der Region denken wohl, dass die Temperaturen in Afrika auch nicht viel anders sind als momentan in der schönen Elbtalaue. Zumindest wäre das eine Erklärung dafür, dass sich einige der Zugvögel bereits auf der Reise gen Süden befinden. Schon in der letzten Woche sind Daten empfangen worden, die einen Storch, der in Sückau genistet hat, bereits in der Nähe von Breslau orteten. Damit war der Zugvogel bereits gut 500 Kilometer von seiner Brutstätte entfernt.

Hochmoderne Datenlogger helfen

So genau bestimmt konnte dies nur werden, weil seit nunmehr drei Jahren ein Projekt in der Sudeniederung läuft, dass zur Bestimmung der Nutzung der Nahrungsflächen rund um das Storchennest verwendet wird. Mit Hilfe von hochmodernen Datenloggern, die den Störchen als kleiner Rucksack auf den Rücken geschnallt werden, gelingt es, die Nahrungsgebiete der Brutstörche exakt zu lokalisieren.

In diesem Jahr wurden zwei Brutstörche gefangen und besendert. Unter ihnen befindet sich auch der Storch vom Sückauer Nest. Er hat in diesem Jahr fünf Junge aufgezogen. Das ist ein Spitzenwert. War 2018 doch sonst eher mittelmäßig für die Aufzucht von Jungstörchen. Auch die Jungen sind längst flugfähig und sicher auch schon auf den Weg gen Süden, denn meist ziehen die Jungstörche vor den Eltern in Richtung Afrika.

Ersten Störche verlassen die Region

Ihr Elterntier ist bereits am 3. August gen Süden aufgebrochen. Schon an diesem Tag legte der Storch eine Strecke von 235 Kilometern zurück.

Der zweite in diesem Frühsommer besenderte Storch war Brutvogel in Gudow. Im Gegensatz zu dem Sückauer Storch hatte dieser Storch drei Junge zu versorgen. Aus den Bewegungsdaten kann abgelesen werden, dass er ein viel größeres Nahrungsrevier genutzt hat. Oftmals war er im Raum nördlich von Lübtheen unterwegs. Einmal suchte er sogar Nahrung bei Dannenberg. Das liegt 23 Kilometern von seinem Nest entfernt. Diese weiten Nahrungsflüge sind ein Indiz für das knappe Nahrungsangebot in nahen Nestbereichen.

Auch der Gudower Storch hat die Region bereits verlassen. Am 4. August um 9 Uhr startete er von seinem Nest und überquerte um 16.30 Uhr die Oder bei Müncheberg. 262 Kilometer brachte er an diesem ersten Zugtag hinter sich – eine durchaus normale Tagesflugstrecke für einen Storch. Am nächsten Tag (5.8.) hat er diese Flugleistung aber bei Weitem getoppt. Er durchquerte fast ganz Südpolen und übernachtete nördlich von Krakau. Das waren immerhin Luftlinie 417 Kilometer. Für einen Storch als Thermikflieger ist dies im europäischen Raum eine stolze Leistung. Solche Strecken werden eher in südlicheren oder afrikanischen Gefilden erbracht, aber unser Klima ist ja momentan eben fast afrikanisch – heiß und trocken.

Insbesondere die Trockenheit dürfte wohl auch der Grund für das frühe Aufbrechen der Störche sein. Wegen ihr war und ist die Nahrung knapp. So endet dieses eher mittelprächtige Storchenjahr 2018 sehr frühzeitig und gibt Anlass zur Sorge über die weitere Entwicklung der heimatlichen Storchenbestände.

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