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Ludwigsluster Tageblatt

21. September 2017 | 16:20 Uhr

Ludwigslust : Auf dem letzten Weg begleiten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Hospizverein Ludwigslust e.V. feiert sein 15-jähriges Bestehen / Ehrenamtliche helfen Kranken und Angehörigen durch schwere Zeit

Der Umgang mit sterbenskranken Menschen, die Konfrontation mit dem Tod und die schwere Zeit danach für alle Angehörigen - Themen, mit denen die Mitglieder des Hospizvereins Ludwigslust e.V. täglich umgehen müssen. In diesem Monat feiert der Verein, der Kranke hauptsächlich zuhause begleitet, sein 15-jähriges Bestehen. Die Ludwigslusterin Michaela Joachim ist die hauptamtliche Koordinatorin des Vereins.

Insgesamt 25 Hospizbegleiter unterstützen derzeit Kranke und ihre Angehörigen und leisten Sterbebegleitung. Das Alter der Ehrenamtlichen reicht von Anfang 30 bis Mitte 80, darunter Berufstätige und Rentner. Auch einige Gründungsmitglieder des Vereins aus dem Jahr 2002 sind immer noch aktive Hospizbegleiter. Koordinatorin Michaela Joachim hat aber trotzdem ein Problem. „Ich hätte gerne mehr Männer.“ Aktuell gibt es nämlich nur zwei männliche Hospizbegleiter. „Ich kann mir natürlich keinen backen, aber es würde unsere Arbeit unterstützen. Besonders alleinstehende Männer wollen auch mal mit Männern über ihre Krankheit und Probleme reden, brauchen eine Art Kumpel-Typ“, so Joachim weiter.

Wer Mitglied und somit Hospizbegleiter werden möchte, muss eine einjährige Ausbildung absolvieren. Dabei geht es aber nicht nur darum, im Umgang mit den Kranken und ihren Angehörigen geschult zu werden, mit ihnen zu reden oder ihre Körpersprache zu verstehen. Teil der Ausbildung ist es auch, zu hinterfragen, was der Umgang mit dem Thema Tod bei den Ehrenamtlichen persönlich auslöst. „Es ist wichtig, damit umgehen zu können und eine Einstellung zum Tod zu entwickeln“, erklärt Michaela Joachim. Auch ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung gehört zu der Ausbildung. Die 55-Jährige ist selbst gelernte Hospizfachkraft und macht derzeit eine zusätzliche Ausbildung zur Trauerbegleiterin. „Der Unterschied zum Hospizbegleiter ist nicht sehr groß, aber die Trauer der Angehörigen geht über den Tod hinaus. Und wir wollen ja auch den Hinterbliebenen helfen.“ Als Koordinatorin ist Michaela Joachim auch für die Öffentlichkeitsarbeit und die Dokumentation der Vereinsarbeit zuständig, die größtenteils von den Krankenkassen gefördert wird.

Die Arbeit des Vereins wird aber auch durch Spenden unterstützt. „Viele Spender rufen persönlich an und hinterfragen, wie unsere Arbeit aussieht. Vor allem der regionale Bezug ist vielen dabei wichtig“, sagt Michaela Joachim. Beim letzten Teamabend der Hospizvereinsmitglieder, auf dem u.a auch anonymisiert über abgeschlossene Begleitungen aus dem vergangenen Jahr berichtet wurde, erhielt der Verein eine Spende der VR-Bank Neustadt-Glewe. Von dem Geld wurde zunächst ein Drucker für das Büro im Bonhoeffer-Haus angeschafft und auch für das restliche Geld gibt es schon eine Verwendung. „Achtmal im Jahr findet unser Trauer-Café statt. Dafür möchten wir von dem Geld Kaffee, Tee, Kekse und andere Kleinigkeiten besorgen. Denn es ist nicht nur ein Ort des Austauschens, sondern auch ein bisschen ein richtiges Café“, so Michaela Joachim. Das Trauer-Café ist ein offenes Angebot des Hospizvereins und bietet denjenigen einen Raum, die einen geliebten Menschen verloren haben. „Hier kann der Ort sein, um mit der Trauerbewältigung anzufangen. Dabei ist es unser Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten“, erklärt Michaela Joachim weiter.

Auch in diesem Jahr finden wieder die traditionellen Veranstaltungen „Ein Licht geht um die Welt“ in Zusammenarbeit mit der Krankenhausseelsorgerin im Dezember und die Urnenbeisetzung der stillgeborenen Kinder im Mai statt. „Das ist für mich der traurigste Tag meines Berufsalltags“, gesteht Michaela Joachim.

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