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Neustadt-Glewe : Auf dem Hochrad über den Burghof

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neustadt-Glewe feiert 200 Jahre Fahrrad mit einem „Oll-Fohrrad-Treffen“. Fallschirmspringer fliegen Mini-Fahrrad ein.

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erstellt am 21.Aug.2017 | 07:00 Uhr

Mit ihren rostigen Fahrrädern ziehen Doris und Roland Ritter auf der Neustädter Burg die Blicke auf sich – auch mitleidige. Manch’ Besucher des „Oll-Fohrrad-Treffens“ gestern Vormittag sieht noch viel Arbeit vor den beiden Ludwigslustern, um die Mifa-Räder aus den 50er- und 60er-Jahren zum Glänzen zu bringen. Was sie nicht wissen: Das will Roland Ritter gar nicht. Im Gegenteil. Er hat erst dafür gesorgt, dass die Räder ihre Rostschicht bekommen. „Vor ein paar Wochen hatten die Räder noch nicht eine Roststelle“, erzählt der Ludwigsluster. Nach Sandstrahlen und der Behandlung mit Wasser und Salzlösung entwickelte sich der braune Überzug. „So sind sie doch ein Hingucker zwischen all den blitzenden Rädern“, sagt er.

Auf der Neustädter Burg haben sich gestern rund 50 Besitzer historischer Räder und viele neugierige Besucher getroffen, um beim „Oll-Fohrrad-Treffen“ 200 Jahre Fahrrad zu feiern. Im Juni 1817 hatte Karl Drais das Laufrad, den Vorläufer des heutigen Fahrrades, erfunden. Entsprechend war Wolf Karge, langjähriger Leiter des Technischen Landesmuseums, auch mit einem Laufrad gekommen. Allerdings mit einem Nachbau, der auf ein Gefährt zurückgeht, das in Mecklenburg gebaut worden war. Das Gefährt wurde im Jahr 1818 in Ludwigslust an den Großherzog übergeben, wie Historiker Udo Funk im Mecklenburg-Magazin (Nr. 14, 1998) schrieb. „Mit einer schriftlichen Anleitung, wie das Laufrad zu behandeln ist“, erzählt Wolf Karge gestern. „Die erste Bedienungsanleitung für ein Fahrrad, die es in Deutschland, vielleicht sogar in Europa gab.“

Eine Anleitung, wie man auf ein Hochrad aufsteigt, hatte Helmuth Schröder nicht. „Man muss aufpassen, dass man mit dem Schwerpunkt hinter der Achse bleibt“, erklärt der Crivitzer, nachdem er gemeinsam mit Thomas Fitzer ein paar Runden auf dem Burghof gedreht hat. Ihre Hochräder haben sie 1988 gebaut – für den Karnevalsumzug in Crivitz und mit dem für die damalige Zeit üblichen Improvisationsgeschick. So stammt das kleine Hinterrad von einem DDR-Kinderwagen.

Rüdiger Meier war nicht nur mit einem entsprechend alten Fahrrad – einem „Neckermann-Supersport Falt-Fahrrad“ von 1960 gekommen, sondern im englischen Tweed-Sakko auch im Stil der guten alten Zeit gekleidet. „Ich habe 14 alte Fahrräder, sammle aber eigentlich alles von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Wendezeit“, gesteht der 75-Jährige aus Schlemmin bei Plau am See, wo er ein privates Museum hat. Er war mit Roland Suppra vom Burgmuseum Plau am See angereist. „Die haben dort zurzeit eine wirklich tolle Fahrradausstellung zu 200 Jahre Fahrrad“, verrät Rüdiger Meier. Den Ausflug nach Neustadt-Glewe haben die beiden auf keinen Fall bereut. „Allein für den Auftritt der Fallschirmspringer hat es sich schon gelohnt“, meint Roland Suppra nach der Landung der drei Luftsportler.

Jörg Panzer, Vorsitzender des Fallschirmsportclubs Mecklenburg, hatte ein kleines Fahrrad im Gepäck, das er zum Auftakt an Neustadts Bürgermeisterin Doreen Radelow überreichte. Die Fallschirmspringer nutzten die Chance, auf ihr Großereignis hinzuweisen: Am Sonnabend beginnt in Neustadt-Glewe die Deutsche Meisterschaft.

 

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