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Ludwigsluster Tageblatt

24. Oktober 2017 | 04:31 Uhr

Ludwigslust : Auf Bombensuche am Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kampfmittelräumfirma aus Pinnow untersucht derzeit ein rund drei Hektar großes Areal als Baufläche für einen künftigen Pendlerparkplatz. Einschlagtrichter auf Luftbildern zu sehen

Das Bohrgestänge dreht sich langsam in den Boden, gleichmäßig und immer wieder neu an einer anderen Stelle. Kampfmittelräumer sind hier seit Montag auf dem Areal hinter dem Ludwigsluster Bahnhof in der Rudolf-Tarnow-Straße im Einsatz. Mitarbeiter der Firma GFKB - Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung mbH Pinnow bei Schwerin - untersuchen das Baugelände des künftigen Pendlerparkplatzes, der hier entstehen soll. „Das ist eine seit Jahrzehnten tätige Fachfirma, die schon mehrfach in unserem Auftrag solche Arbeiten übernommen hat“, war gestern bei einem Ortstermin von Thomas Cogiel zu erfahren. Er ist der Leiter des Munitionszerlegebetriebes Jessenitz (MZB), der dem Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz, unterstellt ist.

Es handelt sich dabei um das vorsorgliche Absuchen des Geländes nach Abwurfmunition, konkret Bomben, so Thomas Cogiel. „Hier wird auf rund drei Hektar Fläche flächendeckend kontrolliert, bevor alles überbaut wird“, ergänzt der Experte des MZB.

Der Ludwigsluster Bahnhof war Ziel des Bombenangriffs im Februar 1945. Auf Luftbildaufnahmen habe man etliche Einschlagtrichter genau dort gesehen, wo jetzt der Parkplatz gebaut werden soll. „Bei der Sondierung der Flächen orientieren wir uns anhand der alten Luftbildaufnahmen.“ Die Kampfmittelräumer gehen auf der unteren Ebene sechs Meter tief in den Boden, auf der oberen Ebene acht Meter tief. Insgesamt 390 Bohrlöcher werden in die Erde getrieben. Sind die Bohrlöcher fertig, wird eine Sonde hineingelassen und im Anschluss erfolgt dann eine computergesteuerte Auswertung der Sondierungsarbeiten. „Bislang wurde aber noch nichts gefunden“, so Thomas Cogiel, der davon ausgeht, dass die Kampfmittelräumfirma hier auf Bomben mit Langzeitzündern nicht stoßen dürfte.

Im Gespräch mit GFKB-Bauleiter Andreas Dubowski erfuhr Thomas Cogiel gestern am Rande des Gesprächs mit der SVZ, dass im zu untersuchenden Areal noch allerlei an Kabeln liege - die hier so nicht vermutet werden konnten. Leitungen für Strom und Gas, auch Postkabel sind hier von den Männern um Andreas Dubowski geortet worden. „Das bedeutet, dass hier eine zusätzliche Suchschachtung vorgenommen werden muss“, so Thomas Cogiel. „Wir wollen nicht mit schwerem Gerät hineinbohren, um nichts zu beschädigen“, sagte der Kampfmittelexperte, während der Bauleiter und sein Stellvertreter alles ausmessen. „Wir sind auf alles vorbereitet“, so Thomas Cogiel und verweist dabei auch auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Ludwigslust sowie den Ordnungs- und Sicherheitsbehörden für den Fall, das etwas gefunden wird. „Im Dezember des Vorjahres gab es bereits zwei Sitzungen, in dem die Abläufe für den Fall einer Evakuierung festgehalten wurden. Wird etwas gefunden, werden wir nach der Bohrlochsondierung unter meiner Aufsicht eine Entscheidung treffen, wie weiter zu verfahren ist. Müssen wir einen Verdachtspunkt öffnen, dann wird der Tag festgelegt und alles weitere in die Wege geleitet, was zu tun ist. Für den Fall eines Bombenfundes wird es eine Evakuierung geben“, erklärt Thomas Cogiel.

Auf dem Gelände links neben dem Bahnhof erinnert nun nichts mehr an die alte Post. In den letzten Wochen und Monaten hat die Firma MUT Ludwigslust die alten Gebäude im Bereich des Güterbahnhofs abgetragen bis auf den Erdeingriff, nur die alten Fundamente stehen noch.

Der künftige Pendlerparkplatz soll 183 Fahrzeugen Platz bieten. Geplant sind auch 14 Motorradstellplätze und ein großzügiger Fahrradunterstand für 90 Räder. Der neue Parkplatz wird über die Rudolf-Tarnow-Straße erreichbar sein und einen direkten Zugang zum Bahnsteig 1 haben, auf dem der ICE Richtung Berlin hält.

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