Ludwigslust : Auch mit Handicap zu guter Arbeit

Mitarbeiter der  Landschaftspflege des Behindertenverbandes Ludwigslust. Der Zweckbetrieb ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner für viele Firmen in der Stadt.
Mitarbeiter der Landschaftspflege des Behindertenverbandes Ludwigslust. Der Zweckbetrieb ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner für viele Firmen in der Stadt.

Behindertenverband Ludwigslust: Vergabe von Aufträgen für Menschen mit Behinderungen erfolgt aber sehr differenziert

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09. Dezember 2014, 07:00 Uhr

„Ein Handicap spricht nicht gegen gute Leistungen“. Diesen Satz von Dirk Heyden, mit dem sich der Geschäftsführende Leiter der Agentur für Arbeit Schwerin auf den SVZ-Beitrag „Lieber zahlen als einstellen“ bezog, kann auch der Behindertenverband voll und ganz unterstützen. „Diesen Sachverhalt können wir nur unterstreichen“, so Werner Oeding, der Vorsitzende des Behindertenverbandes Ludwigslust e.V. „Und es tut gut, einmal aus anderem Munde zu hören, dass Menschen mit Handicap gute Leistungen abliefern. Gerade für uns als Verein, der diesem Personenkreis unbefristet Arbeit, Lohn und damit soziale Anerkennung garantiert, ist das eine Anerkennung. Dabei meinen wir die gesamte Betreuungs- und Beratungsarbeit genauso wie unseren Zweckbetrieb Landschaftspflege, in dem wir z. Z. zehn Mitarbeitern Beschäftigung und damit soziale Anerkennung bieten“, ergänzt Jochen Hupka, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. „Darüber hinaus gewährleisten wir speziell mit dem Zweckbetrieb Landschaftspflege zu einem sehr großen Teil die vielfältige Vereinstätigkeit, die für alle Bürger unseres Territoriums angeboten wird. Damit leisten wir einen bemerkenswerten Beitrag zur Inklusion.“

Es ist schön, wenn die Agentur für Arbeit in Ludwigslust eine Aktionswoche dazu organisieren will, die Arbeitgeber zum Umdenken zu bewegen. „Das ist ein löblicher Vorsatz, doch reicht dazu nach unserer Erfahrung eine Woche nicht aus. Dies müsste über das gesamte Jahr erfolgen“, erklärt Jochen Hupka. Gerade die Erfahrungen des Behindertenverbandes beweisen, dass sehr differenziert an die Vergabe von Aufträgen für Menschen mit Handicap herangegangen wird. „Einerseits stellen wir mit Genugtuung fest, wie viele Privatpersonen unsere Arbeit in Ludwigslust, Grabow und Umgebung nutzen und anerkennen.“ Dazu gehören die Wohnungsbaugenossenschaft Ludwigslust, Stadtentwicklungsgesellschaft Ludwigslust, Familie Halfpap aus Eldena, Fa. Bofinger, Rechtsanwalt Grabow, die Firma Haar Mecklenburg, Ludwigsluster Fleischwaren, Kreishandwerkerschaft, Autohaus Schur, die Wirtschaftsförderung oder die Ziegelscheune Grabow. „Durch die Vergabe von Aufträgen unterstützen sie uns in unseren inklusiven Bemühungen. Andererseits erfahren wir aber auch, dass davon ausgegangen wird, dass Menschen mit Behinderung nicht anständig entlohnt werden müssten, da sie ja keine vollwertige Arbeit leisten könnten.“ Werner Oeding: „Man verliert Aufträge, wenn man nicht mehr bereit ist, Mitarbeiter mit Handicap weit unter Mindestlohn tätig werden zu lassen. Dazu hat natürlich auch die Politik mit Hartz IV und 1-Euro-Jobs beigetragen.“ Das sollte für Kommunen oder kommunale Einrichtungen aber kein Anlass dazu sein, nicht ihren Anteil an der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben zu leisten.

Jochen Hupka: „Uns als Verein geht es zu allerletzt darum, Fördergelder zu erhalten. Wir benötigen vor allen Dingen Arbeit, durch die sich unsere Mitarbeiter mit Handicap ein durch eigene Leistung gestaltetes Leben aufbauen können. Menschen mit Behinderung sind die letzten, die einem Gewinndenken zum Opfer fallen dürfen. Da wird auch eine Aktionswoche, so gut sie auch gemeint sein mag, nicht den nachhalten Erfolg bringen.“

Der Verein will an dieser Stelle auch einmal die Betriebe, Institutionen und Personen öffentlich benennen und ihnen Dank sagen für ihre Unterstützung. Alle Unterstützer werden Dirk Heyden darin bestätigen können, dass ein Handicap nicht gegen gute Leistungen sprechen würde. Der Verein nutzt den Tag der Menschen mit Behinderung dazu, darauf aufmerksam zu machen, dass es in Ludwigslust einen Verein gibt, der in den zurückliegenden Jahren trotz vieler Widerstände auf eine sehr erfolgreiche inklusive Arbeit verweisen kann. Und der sich seit drei Jahren erfolgreich bemüht, Mitarbeiter der Lewitzwerkstätten gGmbH in den ersten Arbeitsmarkt zu überführen, der zehn Mitarbeitern mit Handicap unbefristete Beschäftigung bietet und dafür sorgt, dass sie im Beruf und im Privatleben zufrieden und selbstbestimmt leben können.

„Wir sind stolz darauf“, so Jochen Hupka, „sagen zu können, dass sich alle unsere Mitarbeit durch gute Arbeit und Zuverlässigkeit auszeichnen, dass sie sich für ihre Arbeit qualifizieren und allen Auftraggebern zuverlässige Partner sind.“


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