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Ludwigsluster Tageblatt

18. Dezember 2017 | 21:37 Uhr

grabow : Auch ein Abend des Nachdenkens

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neujahrsempfang des Amtes Grabow. Bürgermeister Stefan Sternberg: Akte über Schicksal einer jüdischen Frau entdeckt

von
erstellt am 30.Jan.2017 | 07:00 Uhr

Der Festsaal im Grabower Schützenhaus erstrahlte in grünen und violetten Farben, Kronleuchter und Kerzen auf den Tischen sorgten für eine feierliche Atmosphäre: Das Amt Grabow hatte am Freitagabend zu seinem Neujahrsempfang geladen.

Traditionell wurde an diesem Abend an das vergangene Jahr erinnert und ein Ausblick auf das neue gegeben. Dieses Mal wurde es auch ein Abend des Nachdenkens, des Gedenkens, als Bürgermeister Stefan Sternberg (SPD) an das Rednerpult trat und bekannt gab, dass im Rathausarchiv vor wenigen Tagen ein Dokument entdeckt worden ist. Es ist die Akte über die Grabower Jüdin Gertrud Sara Hoffmann. „Sie wurde im April 1938 von ihrem Marktstand weg in Grabow verhaftet und 1939 in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht“, so Stefan Sternberg. Gertrud Sara Hoffmann starb am 2. Juni 1942 in dem Lager. Sie wurde 55 Jahre alt. Bis zuletzt, so erste Erkenntnisse, habe sie um ihre Freilassung gekämpft.

„Wir werden die Akte aufarbeiten und der Frau in Grabow die Würde zurückgeben, die ihr gebührt“, versprach der Bürgermeister.

Traditionell wurden auf dem Neujahrsempfang wieder Menschen mit der Ehrennadel des Amtes geehrt, die ehrenamtlich aktiv sind. Kein Zufall, dass zu ihnen auch Frieda Bohrenfeldt aus Balow gehört, die sich im Handarbeitszirkel engagiert. Und nicht nur dort. Bürgermeisterin Kriemhild Kant, die auch Amtsvorsteherin ist: „Frieda Bohrenfeldt ist immer hilfsbereit, ohne dass sie sich in den Vordergrund schiebt. Sie stellt auch schon mal einen Eimer mit Äpfeln an den Straßenrand, damit die Leute sie mitnehmen können. Stehen Veranstaltungen an, hilft sie stets beim Ausschmücken. Ohne solche stillen Helfer im Hintergrund wäre das Dorfleben undenkbar.“

Ebenfalls geehrt wurde Heidi Brüning, die praktisch „die Mutter des Grabower Jugendclubs ’Blue Sun’“ im Fritz-Reuter-Haus ist, wie Bürgermeister Stefan Sternberg sagt. Im Club sorgen Heidi Brüning und ihr Team dafür, dass Kinder und Jugendliche aus der Region sich sinnvoll betätigen können und dabei vor allem Spaß haben.

Am Standort der ehemaligen Fleischerei Gollnik am Grabower Marktplatz öffnete kürzlich die neue Landfleischerei. Rund 40 Jahre lang war das Geschäft von Manfred Gollnik ein Magnet nicht nur für die Grabower. Sein Nachfolger „Meine Landfleischerei“ stellt die Wurstwaren nun nach Originalrezepten von Manfred Gollnik her, die er uneigennützig weiter gegeben hat. Unter anderem auch dafür wurden Manfred und Ehefrau Hanne Gollnik nun mit der Ehrennadel ausgezeichnet.

Schulsozialarbeiterin Sabine Wendt hat wesentlichen Anteil daran, dass die Grabower Friedrich-Rohr-Regionalschule 2016 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhielt. Bereits damals aber betonte sie auch, dass sie sehr froh sei, dass das Engagement, sich um den Titel zu bewerben, von den Schülern selbst ausgegangen war. Auch Sabine Wendt erhielt für ihr Wirken die Ehrennadel.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), die am Neujahrsempfang teilnahm, sagte, sie finde es toll, was im letzten Jahr im Amt erreicht worden sei. Sie dankte den hauptamtlich Tätigen, aber „besonders dem Ehrenamt“.

Die Teilnehmer des Empfangs hatten anschließend am Büfett Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Musikalisch wurde der Abend von der Jazzband des Landespolizeiorchesters begleitet.

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