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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 17:07 Uhr

Ludwigslust : Angst vor schwarzem Bildschirm

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

TV-Händler der Region mit verunsicherten Kunden konfrontiert. Für Kabel- und Satellitennutzer ändert sich nach 29. März nichts

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Muss ich mir jetzt einen neuen Fernseher kaufen? Diese Frage wird dieser Tage immer wieder gestellt. Matthias Ruckick, der Inhaber eines Fernsehgeschäftes in Ludwigslust, kann ein Lied davon singen. „Schätzungsweise fünfmal in der Woche kommen Kunden ins Geschäft, die verunsichert sind“, sagt er.

Noch dramatischer scheint die Verunsicherung in Grabow. Auch dort melden sich die Menschen im ortsansässigen Fernsehfachgeschäft Brüning-Räk-Treger. „Zehnmal am Tag rufen hier durchschnittlich Bürger an und fragen, ob sie sich jetzt ein neues Fernsehgerät kaufen müssen“, so Horst Treger.

Dabei müssen sich die allermeisten Fernsehgucker überhaupt keine Sorgen machen, denn sie betrifft die Veränderung nicht, die am 29. März dieses Jahres in Kraft treten wird. Dann endet in Teilen Mecklenburgs sowie in anderen Gebieten in ganz Deutschland das bisherige digitale Antennenfernsehen. Diese Form des terrestrischen Fernsehens nutzen zum Beispiel Gartenbesitzer oder Lkw-Fahrer als Zusatzangebot. Mittels einer Antenne und einem speziellen Receiver, der auch in einem TV-Gerät eingebaut sein kann, wird ein Empfangssignal von einem nahe gelegenen Sendeturm verarbeitet.

Nur ein sehr geringer Anteil von Nutzern greift auf dieses Angebot zurück. Die meisten haben einen Kabelanschluss in ihren Wohnungen oder empfangen ihre TV-Programme über eine Satellitenschüssel. „Für diese Menschen ändert sich gar nichts“, unterstreicht Matthias Ruckick. Sie können auch nach dem 29. März wie gewohnt weiter fernsehen.

Hintergrund der ganzen Aufregung ist die Umstellung vom so genannten DVB-T auf DVB-T2 HD. Die geringe Anzahl von potenziellen Nutzern dieser Empfangstechnik soll damit ebenfalls Qualitätsverbesserungen erhalten. Bisher sind auf diese Weise in der hiesigen Region neun Fernsehprogramme zu empfangen. Die Qualität ist allerdings stark vom Standort abhängig. So sei es zum Beispiel in Ludwigslust schwierig, mit einer Zimmerantenne DVB-T zu empfangen, sagt Matthias Ruckick.

Das neue digitale Antennenfernsehen steht ab dem 29. März teilweise in Full-HD-Qualität zur Verfügung. Außerdem erhöht sich die Anzahl der empfangbaren Sender rapide. Das Angebot soll nach und nach qualitativ verbessert werden. Und nur hier greift die Neuerung. Digitales Antennenfernsehen ist ab dem Zeitpunkt mit den jetzt vorhandenen DVB-T-Empfängern nicht mehr möglich. Dazu bedarf es künftig einer DVB-T2-HD-fähigen Set-Top-Box oder eines ebenso tauglichen Fernsehgerätes. Die bisherige Antenne kann weiter verwandt werden.

Einige Kommunikationsanbieter sorgen zusätzlich für Verwirrung und Verunsicherung bei den Menschen. So machte jüngst Vodafone-Kabel Deutschland bundesweit Schlagzeilen, weil das Unternehmen als amtliche Schreiben getarnte Werbezettel an Haushalte verschickte und nachdrücklich zur TV-Umstellung riet – völlig ignorierend, dass die meisten Menschen gar nicht betroffen sind. Nach Protesten von Verbraucherschützern versprach das Unternehmen, diese Art der Werbung künftig einzustellen. Auch das Unternehmen mobilcom debitel verschickte jüngst ein Schreiben, das eine sehr einseitige Betrachtung der DVB-T-Abschaltung beinhaltet.

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